Gesundheitsschädlicher Stoff

Giftanschlag an deutscher Uni: Mehrere Menschen in Kliniken - Mordkommission eingerichtet

„Giftanschlag“ an der TU Darmstadt: Im Gebäude L2|01 (Fachbereich Material- und Geowissenschaften) auf dem Campus Lichtwiese sind sieben Menschen vergiftet worden.
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„Giftanschlag“ an der TU Darmstadt: Im Gebäude L2|01 (Fachbereich Material- und Geowissenschaften) auf dem Campus Lichtwiese sind sieben Menschen vergiftet worden.

Sie fühlten sich unwohl, Extremitäten verfärbten sich blau. Sieben Menschen an der TU Darmstadt wurden offenbar vorsätzlich vergiftet. Die Personen mussten in die Klinik.

Update vom 28. August 2021, 10.10 Uhr: Nachdem sieben Menschen an der Technischen Universität Darmstadt aufgrund von Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus eingeliefert worden sind, haben Ermittler einem Bericht zufolge nun Hinweise auf das verwendete Gift gefunden. Demnach seien in mindestens einer Teeküche K.o.-Tropfen gefunden worden. Der Stoff sei in geöffneten Milchpackungen und Filterbehältern für Wasser entdeckt worden, berichtete der Spiegel am Freitag (27. August) unter Berufung auf eine Analyse des hessischen Landeskriminalamts.

Genauer gesagt handele es sich bei der Substanz um 1,4-Butandiol. In der Drogenszene werde diese als Ersatzsubstanz für das verbotene Liquid Ecstasy eingenommen, da 1,4-Butandiol eine ähnliche Wirkung habe. Bei hoher Dosierung könne sie zur Bewusstlosigkeit führen.

Außerdem sollen die Ermittler laut Spiegel am Tatort auch die Gefahrstoffe Bromphenol und Dicyclohexylamin festgestellt haben, die ebenfalls toxisch wirken können. Sowohl das hessische Landeskriminalamt als auch die Staatsanwaltschaft Darmstadt wollten sich nicht zu dem Bericht äußern. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft verwies darauf, dass am 3. September weitere Informationen bekannt gegeben werden sollen.

Giftanschlag an der TU Darmstadt

Erstmeldung vom 24. August 2021: Darmstadt - KATWARN wurde ausgelöst - nachdem sieben Menschen an der TU Darmstadt mit Vergiftungssymptomen am Montag ins Krankenhaus geliefert wurden. „Die ersten Personen waren mit Vergiftungserscheinungen, wie Unwohlsein und Verfärbungen an den Extremitäten um die Mittagszeit in Kliniken gebracht worden“, teilt die Polizei mit.

Dann räumte die Polizei mit einem Großaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst das Gebäude „L2.01“ auf dem Campus. Alle Räume wurden nach Lebensmitteln und Getränken durchsucht.

TU Darmstadt - Milch-Packungen und Wasserbehälter vergiftet

Die Polizei geht nach dem derzeitigen Ermittlungsstand davon aus, dass auf dem Gelände des Campus im Tatzeitraum zwischen Freitag und Montag (20. bis 23. August) „unter anderem mehrere Milchpackungen und Wasserbehälter mit einem gesundheitsschädlichen Stoff versetzt“ wurden. Besonders „auffällig soll der beißende Geruch der betroffenen Flüssigkeiten“ sein. Um welchen gesundheitsschädlichen Stoff es sich genau handelt, müsste noch geklärt werden. Auch weitere Lebensmittel und Getränke, die auf dem Campus waren, werden untersucht.

Universität vermutete „Giftanschlag“

Die Menschen an der Technischen Universität Darmstadt sind offenbar absichtlich vergiftet worden. „Wir sind erschüttert angesichts der offensichtlichen Straftat, die sich an unserer Universität ereignet hat“, teilte die Präsidentin der TU Darmstadt, Professorin Tanja Brühl mit. „Mein Mitgefühl gilt den Betroffenen, die umfassend ärztlich versorgt werden. Ich werde so schnell wie möglich mit ihnen persönlichen Kontakt aufnehmen, sofern es ihr Zustand erlaubt.“

Die TU richtet sich zudem mit einer dringenden Empfehlung an alle TU-Angehörigen vorsorglich in den nächsten Tagen keine in Teeküchen oder anderen Räumen der Universität aufbewahrten Getränke und Lebensmittel zu sich zu nehmen oder zuzubereiten.

Vergiftung an der TU Darmstadt - Mordkommission „Licht“ ermittelt

Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall wegen versuchten Mordes. Die Polizei richtet „zur Aufklärung des Tatgeschehens die 40-köpfige Mordkommission „Licht“ ein“, teilte die Staatsanwaltschaft und Polizei in einer gemeinsamen Presseerklärung am Dienstag mit. Die Mordkommission könne bei Bedarf personell auch noch erhöht werden. „Die Ermittlungen laufen derzeit auf Hochtouren und die Polizei tut alles, um zeitnah den oder die Verursacher zu ermitteln“, heißt es dort weiter.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat ein Statement vor der Presse abgegeben. „Der Stoff ist bekannt“, sagte Oberstaatsanwalt Robert Hartmann. Um welchen Stoff es sich genau handelt, wollen die Ermittler zunächst nicht bekannt geben. „Es handelt sich dabei aber um Täter-Wissen“, erklärte Hartmann. Auch wer am Wochenende Zugang zu den Gebäuden der TU Darmstadt hatte, werde derzeit ermittelt.

Vergiftung an TU-Darmstadt: Sechs Menschen im Krankenhaus - Student (30) im kritischen Zustand.

TU Darmstadt - Student schwebte in Lebensgefahr - Mittlerweile Entwarnung

Sieben Menschen, die zuvor in dem Gebäude etwas getrunken oder gegessen hatten, kamen am Montag mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus. Der Gesundheitszustand eines 30 Jahre alten Studenten sei weiterhin kritisch, hieß es am späten Abend. Am Tag darauf gibt es jedoch in gesundheitlicher Sicht Entwarnung: Allen Opfern des mutmaßlichen Giftanschlags an der TU in Darmstadt geht es inzwischen besser.

So ließ die Hochschule am Dienstagnachmittag per Twitter wissen: „Große Erleichterung!“ Auch die letzten beiden Betroffenen können demnach noch am selben Tag die Klinik verlassen.

TU Darmstadt - Polizei warnt vor vergifteten Lebensmitteln

Die Polizei und das Präsidium der TU raten, keine Lebensmittel und Getränke zu essen oder trinken, die im mutmaßlichen Tatzeitraum in Räumen des Campus Lichtwiese gelagert waren. Wer am Montag im Gebäude „L201“ (Fachbereich Material- und Geowissenschaften) etwas getrunken oder gegessen habe und sich unwohl fühle oder wessen Extremitäten nun bläuliche verfärbt seien, solle umgehend ärztliche Hilfe suchen. Im Fall von Verfärbungen solle man sich möglichst nicht bewegen und sofort den Notarzt anrufen.

Nach Erkenntnissen der Polizei liege derzeit keine akute Gefährdung mehr vor, teilen die Staatsanwaltschaft und Polizei gemeinsam am Dienstag (24. August) mit. Bislang sollen sich keine weiteren Betroffenen mit Symptomen oder Vergiftungserscheinungen gemeldet haben. „Die Beamten appellieren in diesem Zusammenhang aber an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen und raten dringend dazu, nur Lebensmittel zu konsumieren, die man direkt bei sich führt und die jederzeit unter Aufsicht aufbewahrt wurden.“(dpa/ml) Hinweis der Redaktion: Der Artikel wurde aktualisiert.

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