Oberbürgermeister- und Landratswahlen

Überraschungssiege und bittere Niederlagen

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Foto: CDU-Bürgermeisterkandidat Jürgen Köhne hat im ersten Wahlgang in Laatzen die absolute Mehrheit erreicht.

Hannover - 20 Oberbürgermeister- und Landratswahlen enden am Sonntag für einige mit einer herben Enttäuschung. Eine Überraschung war der Sieg von Jürgen Köhne (CDU) in Laatzen.

Damit hatte wohl niemand so recht gerechnet, auch die eifrigsten SPD-Wahlkämpfer nicht: Zerstritten gingen die Sozialdemokraten in die Delmenhorster Oberbürgermeisterwahl. Amtsinhaber Patrick de La Lanne hatte sein Parteibuch hingeworfen und versuchte es als Unabhängiger. Die SPD importierte eilig einen Bürgermeister aus dem Nachbarort Hude, Axel Jahnz. Die CDU freute sich schon, mit ihrer Bewerberin Heidi Naujoks bei einer derart ausgeprägten Genossenfehde eine echte Chance zu haben. Doch Jahnz, der Import, schaffte einen überragenden Sieg im ersten Wahlgang – mit mehr als 60 Prozent.

Überraschungen dieser Art gab es manche am Sonntag bei den Direktwahlen. In Gifhorn etwa, wo die SPD-Frau Marion Lau seit 13 Jahren die Kreisverwaltung leitete. SPD-Kandidat Gerald Witt rechnete sich Chancen für die Nachfolge aus, doch der CDU-Bewerber Andreas Ebel, Referent aus dem Sozialministerium, überzeugte die Gifhorner offenbar stärker – er schaffte auf Anhieb den Sieg im ersten Wahlgang. Die CDU feierte ihn. Erstmals seit langem sind die Christdemokraten mit den kommunalen Direktwahlen sehr zufrieden. Sie waren in vielen Orten der Sieger.

In Hameln liegt der CDU-Bewerber für das Oberbürgermeisteramt, Claudio Griese, klar in Führung. Er steht für ein schwarz-grünes Bündnis. SPD-Mann Ralf Wilde, in der Stadtverwaltung für das Bauwesen zuständig, liegt nur auf Rang zwei. Manche sagen, die FDP-Bewerberin, die mehr als acht Prozent einsammelte, hätte den Sieg von Griese im ersten Wahlgang verhindert. Nun muss der CDU-Mann auf die Stichwahl setzen. Eine Stichwahl gibt es auch in Göttingen zwischen Rolf-Georg Köhler (SPD), Geschäftsführer einer Wohnungsgesellschaft, und dem parteilosen IHK-Geschäftsführer Martin Rudolph, der für die CDU antrat. Ein rot-grünes Bündnis für den sozialdemokratischen Bewerber zeichnet sich nun wohl ab.

Einige langjährige kommunale Verwaltungschefs schafften souverän die Wiederwahl – so etwa Landrat Jürgen Schulz (parteilos) in Lüchow-Dannenberg, Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) in Lüneburg, Landrat Michael Roesberg (parteilos) in Stade, Landrat Hermann Luttmann (CDU) in Rotenburg, Landrat Klaus Wiswe (CDU) in Celle und Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU) in Salzgitter. Oberbürgermeister Ulrich Mädge in Lüneburg aber, einer der profiliertesten SPD-Politiker im Lande, braucht eine Stichwahl, er blieb unter der 50-Prozent-Marke. In Harburg setzte sich der CDU-Kandidat Rainer Rempe gegen den SPD-Mitbewerber durch. Im Kreis Cloppenburg geschah dies sogar mit riesigem Abstand.

In einigen Kreisen gelang es sogar, alle politischen Kräfte auf einen Landratskandidaten zu einen – selbst dann, wenn dieser nicht überparteilich war. So wurde Bernhard Bramlage (SPD) als Landrat in Leer bestätigt, Jörg Bensberg (parteilos) als Landrat des Ammerlandes und Manfred Ostermann (parteilos) als Landrat des Heidekreises. Neuer Landrat in Vechta wird Herbert Winkel (CDU), neuer Landrat von Oldenburg Carsten Harings (parteilos). Mit Spannung wurde am Sonntag vor allem auf die zweitgrößte Stadt des Landes, Braunschweig, geblickt. Dort endet die Amtszeit des profilierten Oberbürgermeisters Gert Hoffmann von der CDU. Die SPD setzte auf den Sozialdezernenten Ulrich Markurth, die CDU auf den Geschäftsführer des Großraumverbandes, Hennig Brandes. Der SPD-Bewerber liegt klar in Führung, nötig wird aber eine Stichwahl in drei Wochen.

Die Parteien sind mit den Direktwahlen unterschiedlich zufrieden. Die CDU blickt erfreut auf Gifhorn, setzte große Erwartungen in Hameln und freut sich, in der SPD-Hochburg Salzgitter ihren OB-Kandidaten Klingebiel gesichert zu haben. Die SPD drückt vor allem die Daumen für ihre OB-Kandidaten in Braunschweig und Göttingen, zufrieden sind die Sozialdemokraten mit dem großen Sieg in Delmenhorst und mit ihrer nach wie vor starken Position in Kreis und Stadt Lüneburg.

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