Terrorverdacht

Unschuldige wegen Zahlendreher festgenommen

Bremen - Stundenlang wurde eine Familie aus Bremen wegen Terrorverdachts festgehalten – irrtümlicherweise. Weil ihrKleintransporter ein französisches Kennzeichen trug, glichen die Beamten es mit Behörden in Frankreich ab. Das Ergebnis: „Staatsgefährdung“ – aber nur wegen eines Zahlendrehers.

Ein falsch übermitteltes Autokennzeichen war offenbar der Auslöser dafür, dass Ende Februar eine sechsköpfige Familie irrtümlich unter Terrorverdacht geriet und stundenlang von der Bremer Polizei festgehalten wurde. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) bedauerte am Donnerstag, dass die Unbeteiligten in Mitleidenschaft gezogen worden seien.

Wie berichtet, hatte sich der Vorfall am letzten Februarwochenende abgespielt. In Bremen herrschte Terroralarm, denn die Behörden hatten Hinweise erhalten, wonach vier französischsprachige bewaffnete Männer aus dem Ausland angereist seien, um sich in Bremen womöglich mit ebenfalls bewaffneten Islamisten zu treffen.

Der Fahrzeugtyp stimmte überein

Zufällig besuchte auch die in Bremerhaven lebende syrischstämmige Familie die Stadt und parkte mit einem Kleintransporter in der terrorgefährdeten Innenstadt. Das Auto gehörte einem Familienmitglied aus Frankreich und trug ein französisches Nummernschild. Zudem handelte es sich bei dem Mercedes-Transporter angeblich um denselben Fahrzeugtyp wie bei den französischsprachigen Terrorverdächtigen. Diese Umstände lösten bei den Ermittlern Alarm aus. Eine erste Überprüfung des Autokennzeichens bei den französischen Behörden ergab nach Angaben des Innensenators, dass der mutmaßliche Halter zur Fahndung ausgeschrieben war – mit dem Vermerk „Staatsgefährdung“.

Zahlendreher ist Grund für die Verwechslung

„Da schien einiges alarmierend zusammenzupassen“, erklärte am Donnerstag Senator Mäurer. Als die Familie nach einem Stadtbummel zu dem Wagen zurückkehrte, wurde sie von einem Spezialeinsatzkommando (SEK) überwältigt und für mehrere Stunden in Polizeigewahrsam genommen. Das Auto wurde laut Mäurer mit Sprengstoffhunden durchsucht. Erst nachträglich, so Mäurer, habe sich dann herausgestellt, „dass sich bei dem Datenabgleich mit den französischen Behörden ein Zahlendreher eingeschlichen hatte“. In Wirklichkeit lag gegen den französischen Autohalter nichts vor, auch nicht gegen die in Bremen festgenommene Familie.„Es ist immer sehr bedauerlich, wenn Unbeteiligte bei polizeilichen Maßnahmen in Mitleidenschaft gezogen werden. Zur Überprüfung an sich gab es jedoch keine Alternative“, kommentierte der Senator den Vorfall. Eine ausdrückliche Entschuldigung äußerte er nicht. Vor wenigen Tagen hatte Mäurer noch erklärt, die Polizei habe „sehr umsichtig“ gehandelt.

Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht

Der Anwalt der Familie hat inzwischen eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht. Darin kritisiert er unter anderem, dass die Familie stundenlang keinen Anwalt habe einschalten dürfen. Mäurer versicherte, dass die Vorwürfe jetzt „sehr ernsthaft geprüft“ würden.

Laut Medienberichten zählten zu den Festgenommenen ein 29-Jähriger, seine Frau und die jeweiligen Eltern. Ein Elternpaar musste während des Einsatzes wegen Gesundheitsproblemen in eine Klinik gebracht werden. Der 29-Jährige wies gegenüber dem NDR jeden Islamismusverdacht zurück: „Wir sind Aramäer, sprechen also noch die Sprache von Jesus. Mehr Christsein geht nicht.“

Von Eckhard Stengel

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