Vorkommnis in Bückeburg schockiert

Unteroffizierin in Kaserne gefesselt und vergewaltigt

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Die Tat, die sich in der Jäger-Kaserne abspielte, schockiert die Truppe bundesweit.

Bückeburg - In der Jäger-Kaserne in Bückeburg (Kreis Schaumburg) ist eine junge Soldatin vergewaltigt und misshandelt worden. Das hat die Staatsanwaltschaft Bückeburg am Mittwoch auf Anfrage bestätigt.

Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte Sprecher Klaus-Jochen Schmidt zunächst keine weiteren Auskünfte geben. Offenbar ist der Täter noch nicht gefasst. Das Verbrechen sprach sich sofort herum und schockiert viele Soldaten.

Nach Informationen der „Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung“ geschah die Vergewaltigung am Sonntagabend in der Zeit zwischen 18.30 und 19.30 Uhr. Bei dem Opfer soll es sich demnach um eine junge Unteroffizierin aus der Bückeburger Heeresfliegerwaffenschule handeln. Nachdem sich der Täter an ihr vergangen hatte, soll er sie geknebelt und gefesselt in einen Spind eingeschlossen haben. Angeblich hat er ihr ein Handy dazu gelegt, damit sie Hilfe rufen konnte. Ob das angesichts der Fesselung möglich war, ist unklar, ebenso wie die Umstände ihrer Befreiung.

Die Bundeswehr schaltete sofort die Polizei und die Staatsanwaltschaft ein. Das „besondere Vorkommnis“ beschäftigt inzwischen auch das Heeresamt in Köln und das Verteidigungsministerium in Berlin. In der Bundeswehr hat es in jüngster Zeit offenbar kein vergleich­bares Verbrechen gegeben.

Auch in den Tätigkeitsberichten des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus finden sich keine Hinweise auf eine ähnliche Tat, wohl aber Informationen über sexuelle Belästigungen und frauenfeindliches Verhalten männlicher Soldaten gegenüber ihren weiblichen Kameraden. So wurde im vergangenen Jahr ein Major bestraft, weil er in Afghanistan eine Hauptbootsfrau unsittlich berührt hatte. Auch dem Disziplinarvorgesetzten des Majors wurde ein Dienstvergehen angelastet, weil er die Tat nicht geahndet hatte. Ein Luftwaffenoffizier wurde in die Unteroffiziersebene degradiert, weil er im Zimmer eines weiblichen Oberfähnrichs eine versteckte Kamera installiert hatte. „Beide Vorfälle sind schlimm genug“, hieß es am Mittwoch beim Wehrbeauftragten, „aber eine so schwere Straftat wie in Bückeburg hat es nach unseren Erkenntnissen schon sehr lange nicht mehr gegeben.“

Die Jäger-Kaserne befindet sich im Bückeburger Zentrum. Sofort nach dem Entdecken der Tat wurden die Zufahrten zum Gelände abgesperrt, während Polizei und Feldjäger in den Gebäuden nach dem Täter fahndeten. „Es ist nicht auszuschließen, dass jemand unbefugt das Kasernengelände betreten konnte“, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Das Opfer wurde auch am Mittwoch noch psychologisch betreut.

Raimund Cremers und Klaus von der Brelie

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