Frauenhotel „Hanseatin“

Urlaub von der Männerwelt

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Foto: Stammgast Franziska Heim liest im Café des Frauenhotels „Hanseatin“. 13 individuell gestaltete Zimmer bietet Hamburgs einziges Hotel für ausschließlich weibliche Gäste.

Hamburg - Männer nicht erwünscht: Hamburgs einziges Frauenhotel „Hanseatin“ will seinen ausschließlich weiblichen Gästen Ruhe vor Anmache bieten. Das „starke Geschlecht“ darf höchstens die Koffer reintragen.

Keine männliche Anmache an der Hotelbar, keine erstaunten Blicke für Alleinreisende, Ruhe zum Entspannen - Hamburgs einziges Hamburger Frauenhotel „Hanseatin“ zieht Besucherinnen aus aller Welt an. Männern ist es strikt verboten, in dem denkmalgeschützten Haus in der Innenstadt zu übernachten. Sie dürfen höchstens Koffer hochtragen oder jemanden abholen - dann müssen sie auch schon wieder gehen.

„Wir wollten eine Oase für Frauen schaffen, in der sie sich sicher, geborgen und frei fühlen“, sagt Karin Wilsdorf, die das Hotel zusammen mit Linda Schlüter seit 1995 führt. Frauenhotels gibt es in Deutschland nur ganz wenige. „Das ist ein Nischenangebot“, sagt Benedikt Wolbeck, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Berlin.

Die 13 Zimmer in dem 1875 gebauten Haus neben dem Konzerthaus Laeiszhalle sind klein und individuell gestaltet. Auch bei der Einrichtung dreht sich alles um Frauen: Alle Bilder sind von Künstlerinnen gestaltet oder zeigen berühmte Frauen wie die 2009 gestorbene Wuppertaler Choreographin Pina Bausch. Auf den Schreibtischen steht Literatur von Gertrude Stein, Kultfigur der Pariser Avantgarde des 20. Jahrhunderts, oder Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. „Wir achten zudem auf viele Kleinigkeiten – etwa einen großen Spiegel oder Schuhputzzeug“, sagt die 67-jährige Wilsdorf.

Die Schweizerin Franziska Heim ist seit 2000 Stammgast in dem Frauenhotel, wenn sie mehrmals im Jahr Freunde in der Hansestadt besucht. „Ich habe schon in fast allen Zimmern übernachtet, ich mag besonders die zum idyllischen Garten raus“, sagt die 61-Jährige aus Bern, die bei diesem Aufenthalt Geburtstag in Hamburg feiert. Wie sie kommen viele weibliche Gäste aus dem Nachbarland: „Das Hotel ist in der Schweiz sehr bekannt“, berichtet Heim. Doch auch Besucherinnen aus Japan, Ägypten oder Skandinavien machten schon Station im Hamburger Frauenhotel. In der Woche sind fast nur Geschäftsfrauen da, am Wochenende viele Kulturtouristinnen jeden Alters. Die Auslastung liegt bei knapp 70 Prozent.

Angefangen hatte alles 1988 mit dem Frauencafé „endlich“, das Sozialökonomin Wilsdorf und Pädagogin Schlüter, die beide in der Frauenbewegung aktiv waren, gemeinsam gründeten. „Viele Touristinnen äußerten den Wunsch nach einer Übernachtungsmöglichkeit nur für Frauen“, erinnert sich Wilsdorf. Bei der Verwirklichung der Idee kam Unterstützung von einer Hotelfachfrau, die das nötige Wissen mitbrachte. Lange dauerte es, bis die Geldgeber überzeugt, die richtigen Räume gefunden und komplett renoviert waren. „Früher war das ein Hotel für Monteure“, berichtet Wilsdorf. Das in der Farbe Lila gestaltete Frauencafé ist heute an das Frauenhotel angeschlossen und bereitet das Frühstück für die Hotelgäste.

Das älteste Frauenhotel in Deutschland ist nach eigenen Angaben das Hotel Artemisia in Berlin, es eröffnete 1989. Bis heute gibt es nach Angaben der Dehoga nur wenige solcher Angebote in Deutschland. „Uns erreichen viele Anfragen von Frauen, die sich für die Idee interessieren“, erzählt Wilsdorf. Doch in den allermeisten Fällen kommt es nie zur Umsetzung.

dpa

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