Vergewaltigungsprozess in Indien

Urteil gegen 18-Jährigen verschoben

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Foto: Im Dezember vergangenen Jahres protestierten viele Menschen gegen die Gewalttat, die gegen die indische Studentin verübt wurde.

Neu Delhi - Noch kein Urteil in dem Vergewaltigungsprozess in Indien: Statt der erwarteten Entscheidung gibt es weitere Anhörungen. Nun soll am 25. Juli das erste Urteil gegen einen jugendlichen Angeklagten fallen.

Das erste Urteil im Fall der vergewaltigten indischen Studentin ist auf den 25. Juli verschoben worden. Das entschied ein Jugendgericht in Neu Delhi nach Angaben eines Mitarbeiters der Staatsanwaltschaft. Ursprünglich sollte am Donnerstag das Urteil gegen einen heute 18 Jahre alten Angeklagten verkündet werden. Die 23 Jahre alte Studentin war im Dezember nach der Vergewaltigung und Folter gestorben. Die Polizei nahm sechs Verdächtige fest. Das Verbrechen in einem Bus in Neu Delhi hatte landesweit Proteste ausgelöst.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung hätten weitere Argumente vorgebracht, sagte Madhav Kurana von der Anklagebehörde. Die Richterin habe deswegen die Urteilsverkündung verschoben. Der Angeklagte und auch Verwandte des Opfers waren im Gerichtssaal und erwarteten ein Urteil. Vor dem Gebäude drängten sich Dutzende Journalisten und Fernsehteams. Die Enttäuschung seitens der Angehörigen der Studentin über die Verzögerung war groß. Die Tat sei nun schon sieben Monate her, argumentierte die Familie des Opfers.

Die Anklagepunkte gegen den Teenager lauten auf Mord, Massenvergewaltigung und Entführung. Er bekannte sich in allen Punkten nicht schuldig. Der junge Mann soll am Abend des 16. Dezember die junge Frau und ihren Begleiter an einer Haltestelle in den Bus gelockt haben, indem er vorgab, der Fahrkartenverkäufer zu sein. Dann sollen die sechs Männer über das Pärchen hergefallen sein.

Das Jugendgericht hatte den Fall separat verhandelt. Während die vier volljährigen Verdächtigen Ende Juli oder Anfang August zum Tode verurteilt werden könnten, drohen dem jungen Mann höchstens drei Jahre Haft in einer Erziehungsanstalt. Der sechste Angeklagte wurde im März erhängt in seiner Zelle gefunden - die Umstände sind bis heute unklar.

„Ich glaube nicht, dass wir Gerechtigkeit für meine Schwester bekommen, bis der Angeklagte zum Tod oder zu lebenslanger Haft verurteilt wird“, sagte der im Gerichtssaal anwesende Bruder des Opfers. Der zur Tatzeit 17 Jahre alte Minderjährige sei der Brutalste der Gang gewesen, berichteten indische Medien nach dem Verbrechen und beriefen sich dabei auf die Anklageschrift. In Indien wird nun über eine Reform des Jugendstrafrechts diskutiert. Im März wurde Vergewaltigung unter strengere Strafen gestellt.

Laut einer in indischen Medien verbreiteten Umfrage würden in der Hauptstadt Neu Delhi nur vier Prozent der Befragten einem Unfallopfer helfen. Die Studentin und ihr ebenfalls verletzter Begleiter lagen lange am Straßenrand, ohne dass ihnen jemand zu Hilfe kam.

Das Jugendgericht fällte am Donnerstag eine Entscheidung in einem anderen Verfahren gegen den 18 Jahre alten Angeklagten, sagte Verteidiger Rajesh Tiwari. Der Teenager soll demnach am Tag der Massenvergewaltigung einen Tischler ausgeraubt haben. Das Gericht ordnete an, dass das Urteil in diesem Fall nicht veröffentlicht werden dürfe, bis eine Entscheidung in dem Vergewaltigungsprozess gegen den jungen Mann gefallen sei, erklärte Tiwari.

dpa

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