Schutz vor Billigware

EU verbietet Ölkaraffen in Restaurants

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Foto: Angeblich unhygienisch: Die Olivenöl-Karaffe.

Brüssel - Wer unter Hygiene bei Tisch bisher lediglich die obligatorische Handwäsche vor dem Essen verstand, wird von der Brüsseler Kommission eines Besseren belehrt. So fiel der Blick der europäischen Prüfer auf die weithin üblichen kleinen Kännchen mit Olivenöl, die in vielen Restaurants gemeinsam mit den Streuern für Salz und Pfeffer zu einem liebevollen Arrangement vereint werden.

Doch damit ist jetzt Schluss, der neue „Durchführungsverordnung über die Vermarktungsverordnung für Olivenöl“ sei Dank. Künftig dürfen nur noch solche Behältnisse verwendet werden, die nicht nachfüllbar sind sowie – deutlich lesbar – Angaben über Herkunft und Art des verwendeten Öls enthalten. Damit wolle man den Gast, abgesehen von der Hygiene, vor Abfüllungen mit Billigware schützen, bestätigte ein Sprecher der EU-Kommission das Anliegen der Vorschrift mit großer Ernsthaftigkeit. Die Neuregelung ist Teil eines Aktionsplans der EU, um das Image von europäischem Olivenöl bei Verbrauchern zu fördern.Schließlich sollte niemand auf den Gedanken kommen, das Verbot in eine Schublade mit Vorschriften wie die Verordnung über den Krümmungsgrad von Bananen oder Gurken sowie Astlöcher in Brettern für die Möbelindustrie zu werfen.

Der Hinweis scheint vor allem deswegen wichtig zu sein, weil überraschenderweise ähnliche Auflagen für Tabascoflaschen, Essigkaraffen oder Salzstreuer bisher nicht geplant sind. Allerdings bestätigen Verbraucherschützer aus mediterranen Ländern, wo die entsprechenden Vorschriften schon länger in Kraft sind, dass diese durchaus angebracht seien. Schließlich gebe es immer wieder Probleme mit Etikettenschwindel.

Als der „Einheitliche Verwaltungsausschuss Obst und Gemüse“ mit Mehrheit und von der Öffentlichkeit weithin unbeachtet die Revolution in Restaurants beschloss, wurden Gegenargumente von deutscher Seite vom Tisch gewischt. So hatten Berlins Vertreter insbesondere auf den erhöhten Anfall von Müll durch die Einwegkännchen hingewiesen. Auch die Frage, ob Gaststätten künftig noch offenen Hauswein anbieten dürfen, blieb offen, da es sich bei der mit knapper Mehrheit verabschiedeten Regelung eben nur um eine Verordnung für Olivenöl handele. Somit gingen alle Versuche, das neue Maßnahmenpaket irgendwie dann doch als ziemlichen Unsinn zu entlarven, daneben. Die Olivenölkännchenverordnung ist beschlossen und wird – nach der Veröffentlichung im Amtsblatt der EU – Anfang nächsten Jahres in Kraft treten.

Und dann, so darf man sicher sein, wird man sich auch den übrigen Dingen auf den europäischen Tischen zuwenden. Denn da gibt es offenbar noch viel zu regulieren.

Detlef Drewes

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