Bolschoi Theater

Verdächtige nach Anschlag auf Moskauer Ballettchef festgenommen

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Fast sieben Wochen nach dem Säureanschlag auf den Ballettchef des Moskauer Bolschoi Theaters hat die russische Polizei den mutmaßlichen Täter festgenommen.

Moskau/Aachen - Paukenschlag im Krimi um Moskaus legendäres Bolschoi Theater: Die Polizei nimmt einen prominenten Tänzer fest. Der Solist ist angeblich der Hintermann des Anschlags auf Ballettchef Filin.

Ein prominenter Tänzer soll nach Ansicht der russischen Polizei hinter dem heimtückischen Säureanschlag auf den Ballettchef des Moskauer Bolschoi Theaters stecken. Fast sieben Wochen nach dem Attentat auf Sergej Filin nahmen die Behörden den Solisten Pawel Dmitritschenko sowie den mutmaßlichen Täter und einen möglichen Helfer fest. Der 35-jährige Juri S. soll am 17. Januar Augen und Kopf Filins mit Schwefelsäure verätzt haben.

Der 32-jährige Helfer habe den Attentäter zu der Wohnung des berühmten Tänzers gefahren, meldete die Agentur Interfax am Dienstag. Startänzer Dmitritschenko hatte sich Medienberichten zufolge mit Filin überworfen. Der Ballettchef soll Dmitritschenkos Ehefrau Angelina Woronzowa Traumrollen verwehrt haben, hieß es in Moskau.

Bolschoi-Sprecherin Katerina Nowikowa meinte hingegen, dass ihr nichts über einen Konflikt zwischen Filin und dem Startänzer bekannt sei. Zuletzt hatte Dmitritschenko die Titelpartie in „Iwan der Schreckliche“ getanzt.

Der 42-jährige Filin wird weiter in der Aachener Augenklinik behandelt. Er hatte vor seiner Abreise nach Deutschland der Polizei den Täter beschrieben sowie sich zu Verdächtigen geäußert. In Moskau hatten Polizisten zuvor auch die Wohnung von Dmitritschenko durchsucht, wie die Staatsagentur Ria Nowosti meldete. Der Anschlag auf Filin hatte in der internationalen Tanzwelt, auch in Deutschland, große Bestürzung ausgelöst.

Die Bolschoi-Balletttruppe ist mit etwa 220 Tänzern die größte der Welt. Sie gilt als Wiege klassischer russischer Ballettkunst mit makellosem Spitzentanz, streng synchronen Bewegungen und einzigartiger Körperbeherrschung. Der hausinterne Konkurrenzkampf am Bolschoi ist extrem hart.

Der mutmaßliche Täter wurde im nordrussischen Gebiet Twer gefasst. Der Zugriff auf den verdächtigen Helfer gelang angeblich im Moskauer Gebiet - dank einer Überprüfung von Telefonverbindungen am Tattag, wie das Internetportal lifenews.ru berichtete. Filin hatte selbst angegeben, er habe immer wieder Drohanrufe bekommen.

Nach der Tat hatte die Polizei nach eigenen Angaben schwerpunktmäßig im Theater ermittelt. Auch die Direktion geht von einem Zusammenhang mit der einflussreichen beruflichen Tätigkeit Filins aus. So entscheidet der Ballettchef etwa über die Besetzung der begehrten Solistenrollen. Die Theaterleitung hatte eingeräumt, dass es immer wieder zu Konflikten komme, weil die um Traumpartien kämpfenden Tänzer mitunter enttäuscht seien.

dpa

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