Studium

G 9 verschafft Unis wieder Luft

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Foto: Überfüllte Vorlesungssäle? Nicht mit G 9.

Hannover - Wenn das Abitur in Niedersachsen wieder auf 13 Jahre verlängert wird, fehlt den Hochschulen im Jahr 2022 ein Abitursjahrgang. Die Universitäten, die derzeit viele Bewerber ablehnen müssen, sehen das Jahr ohne Abiturienten allerdings nicht mit Sorge.

Acht Jahre ist es zwar noch hin. Doch frühzeitig hat die Bundesdirektorenkonferenz Gymnasien schon darauf hingewiesen, dass es 2022 an den Hochschulen leer werden könnte: In Niedersachsen werde dann, wegen der Rückkehr zum Abitur erst nach 13 Jahren, ein Abiturjahrgang fehlen. Auch im Wissenschaftsministerium in Hannover hat man sich mit den Folgen der Rückbesinnung des Kultusministeriums auf G 9 schon befasst. „Das wird sich bemerkbar machen“, sagte eine Sprecherin am Montag. Die exakten Auswirkungen ließen sich noch nicht abschätzen. „Das hängt auch von den Modalitäten der Umstellung ab“, etwa ob es für leistungsstarke Schüler Sprinterklassen geben wird.

Von konkreten Plänen sind die Universitäten im Land noch weit entfernt. „Wir haben es schon im Kopf“, sagt eine Sprecherin der Universität Göttingen, der größten in Niedersachsen. Wegen des weiten Einzugsbereichs von Schleswig-Holstein bis Hessen und darüber hinaus mache man sich aber keine Sorgen. „Den doppelten Abiturjahrgang haben wir auch gut hingekriegt“, meint sie. Die umgekehrte Herausforderung werde dann erst recht zu bewältigen sein.

Auch Elfriede Billmann-Mahecha, Vizepräsidentin der Leibniz Universität Hannover für Lehre und Studium, blickt auf die Erfahrungen mit dem Doppeljahrgang zufrieden zurück. Ähnlich flexibel werde man sich auf zurückgehende Zahlen im Jahr 2022 einstellen. „Die leere Universität sehe ich nicht“, sagt sie. Auch ein Abbau von Hochschulpersonal im großen Stil sei nicht zu erwarten. Wenn bei zurzeit 24 000 Studenten mal ein Erstsemesterjahrgang deutlich kleiner ausfalle, könnten davon möglicherweise die übrigen Studierenden sogar profitieren.

Ein Sprecher der Universität Osnabrück verweist darauf, dass dort mehr als ein Drittel der Studierenden aus Nordrhein-Westfalen stammt, nur die Hälfte habe ihr Abitur in Niedersachsen gemacht. „Die Quote der Studierenden, die ihre Hochschulzugangsberechtigung nicht in Niedersachsen erworben haben, soll konsequent weiter gesteigert werden“, meint eine Universitätssprecherin in Vechta. Diese habe im vergangenen Wintersemester in der Kleinstadt schon bei 31 Prozent gelegen. In Lüneburg macht man sich erst recht keine Sorgen. „Die Bewerberzahl für unsere rund 1500 Studienplätze im ersten Semester übersteigt das Angebot zurzeit um das Sechseinhalbfache“, sagt ein Sprecher.

Eine Folge der Abiturpause an Niedersachsens Schulen könnte sein, dass die Anforderungen an Bewerber nicht im gewohnten Maß hochgeschraubt werden. Bei zulassungsbeschränkten Fächern, für die sich weniger junge Leute bewerben, könnte also ein etwas schlechterer Abiturnotenschnitt ausreichen.

Im Übrigen verweisen die Hochschulen darauf, dass die Zeit vorbei ist, in der ein Abiturjahrgang mehr oder weniger geschlossen direkt an die Uni strebt. Viele Abiturienten gingen erst mal für ein Jahr ins Ausland, sie machten ein soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst. 2022 könnten dann auch diejenigen eine Chance bekommen, die zuvor auf ihren Wunschstudienplatz gewartet hatten. Auch die Zahl der ausländischen Studierenden ist groß: Allein an der Leibniz Uni sind es 2000.

„Hinzu kommt die Öffnung der Hochschule für Leute ohne klassische Hochschulzugangsberechtigung“, sagt Vizepräsidentin Billmann-Mahecha. Von der „Öffnung für neue Zielgruppen, zum Beispiel im Bereich der berufsbegleitenden Studienangebote“ ist auch in Vechta die Rede. Und überall wird Optimismus verbreitet. „Wir sehen uns gut aufgestellt“, heißt es nicht nur in Lüneburg.

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