Schleswig-Holstein

Versunkener Bagger lockt Schaulustige ins Moor

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Mittlerweile ist der Bagger zu einer Publikumsattraktion geworden, eine Webcam überträgt den Fortgang der Bergung sogar in das Internet.

Christiansholm - Naturschützer sind in Schleswig-Holsteins Mooren mit schwerem Gerät unterwegs. Sie wollen die zum großen Teil trocken gelegten Moore wieder vernässen. Das ist gefährlich, wie ein Baggerfahrer im Königsmoor merkte: Seine Maschine versank im Moor.

Im Königsmoor bei Christiansholm westlich von Rendsburg ist ein Bagger versunken: Seit drei Wochen liegt die Maschine dort auf der Seite - der Baggerarm ragt schräg in die Luft. Während Spezialisten versuchen, die 21 Tonnen schwere Maschine aus dem Schlamm zu bergen, ist der Unglücksort zum Ziel Neugieriger geworden. Aus ganz Norddeutschland reisen Menschen in die urtümliche Landschaft. Ein Fernsehsender installierte sogar eine Webcam, damit Schaulustige auch von daheim die Arbeiten live verfolgen können. Denn wirklich nah heran darf vor Ort niemand. Zu gefährlich ist das trügerische Moor. „Es ist lebensgefährlich, den tückischen Untergrund abseits offizieller Wege zu betreten“, warnte Leif Rättig von der Stiftung Naturschutz.

Moorflächen wurden früher mit Gräben und Rohrdrainagen trockengelegt, um das Land als Wiesen und Weiden zu nutzen beziehungsweise um den Torf als Brennmaterial abbauen zu können. So seien in Schleswig-Holstein heute nur noch fünf Prozent der Moore intakt, sagte Rättig. Der Rest sei entweder ganz oder teilweise zerstört. Naturschützer versuchen, das wieder rückgängig zu machen, indem sie alte Drainagen zerstören und Gräben stopfen, um an ihrer Stelle Erdwälle anzulegen.

Bei diesen Arbeiten im Auftrag der Stiftung Naturschutz war der Bagger Mitte Dezember im Königsmoor versunken. An jener Stelle war der Boden besonders weich. Obwohl der Bagger breitere und längere Ketten untergeschlagen hatte und auf seinem Weg zusätzlich große Stahlplatten lagen, damit sein Gewicht großflächig verteilt wird, sackte er auf dem Gelände vier Meter tief ab bis zum festen Sandgrund. Der Baggerfahrer hatte sich mit einem Sprung aus der Kabine retten können.

Mehrere Versuche, den verunglückten Bagger aus dem Moor zu ziehen, misslangen. Deshalb wird er jetzt ausgebuddelt. Dafür wurden zunächst stählerne Spundwände in den Boden gerammt, damit Wasser und Modder nicht immer wieder nachfließen können. Nach der Bergung soll ein spezieller Schwimmbagger aus Hamburg die Spuren der Bergung im Königsmoor beseitigen. Dieses Spezialfahrzeug sehe mit seinen extra breiten und schwimmfähigen Ketten aus wie ein Katamaran, erklärte Rättig.

„Die Vernässung von Mooren ist nicht nur Arten- und Biotopschutz, sondern auch aktiver Klimaschutz“, erklärte Rättig. Intakte, nasse Hochmoore können etwa 0,24 Tonnen Kohlenstoff pro Jahr und Hektar aufnehmen. Entwässerte Moore setzen CO2 jedoch frei: Weltweit würden dadurch zwischen 15 und 20 Prozent der durch den Menschen verursachten Treibhausgase freigesetzt.

Außerdem verbessere die Vernässung die Lebensbedingungen für typische Hochmoor-Arten wie Moorlilie, Torfmoose, Sonnentau, Moorfrosch und zahlreiche Insektenarten. Auch Vogelarten wie Kranich, Sumpfohreule oder Wiesenweihe würden von der Renaturierung profitieren, sagte der Naturschützer.

Die Landesregierung stellt pro Jahr rund zwei Millionen Euro für den Moorschutz im Norden zur Verfügung. Dazu kommen Gelder aus dem Moorschutzfonds der Stiftung, die sich aus Ausgleichsmitteln speist, die zum Beispiel im Zusammenhang mit Straßenbauprojekten gezahlt werden müssen.

dpa

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