Klackklack

Viele Israelis verrückt nach Matkot

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Ran Ifrah im Hintergrund spielt zusammen mit seinem Partner Janiv Hanan Matkot am Strand bei Tel Aviv.

Tel Aviv - Matkot ist der inoffizielle Nationalsport Israels. Als eine Art Beachball wird es mit Holzschlägern und einem kleinen Ball gespielt. Aber es gibt nicht nur Anhänger. Manche nervt das Spiel.

„Amnon the Cannon" (Kanone) ist vom Matkot-Spiel besessen. Der drahtige, kleine Israeli praktiziert es täglich und das seit 62 Jahren. In den eigenen vier Wänden in Tel Aviv hat Amnon Nissim sogar ein Museum dazu eingerichtet. Dort dreht sich alles um das beliebte Strandspiel. Die Räume sind zugepflastert mit Schlägern, die für das Ballspiel verwendet werden. Es gibt Spiegel und Uhren in der Form des Schlägers, Exemplare aus Holz, Marmor oder Keramik und sogar einen aus Wolle. Sie sind bemalt, beklebt und beschrieben. Auch der Tisch hat die Form eines Schlägers - „mit 2,30 Metern der größte Matkotschläger der Welt", wie der 68-Jährige sagt.

„Ich bin verrückt nach Matkot", räumt der ehemalige Armeeangestellte ein. Er liebe das Klackklack des Balles beim Spiel, den Sand unter den Füßen und die Bewegung. Nissim hat das „Matkot-Museum Israel" in seiner Wohnung in Neve Tzedek, Tel Avivs beliebtem Touristenviertel, vor rund zehn Jahren eröffnet. Ein Holzpfahl an der Straßenecke, dekoriert mit Schlägern, weist darauf hin. Und um Besucher anzulocken, setzt sich Nissim oft davor und spricht Passanten an.

Die Idee zum Museum hatte sein Spielpartner Morris Zadok, ein nicht minder leidenschaftlicher Spieler. Beide trifft man morgens am Gordon Beach in Tel Aviv. Dort, auf einer asphaltierten Fläche, die zum Crowne Plaza Hotel gehört, messen sich die Besten.Die Regeln sind schnell erklärt: „Entweder man hält den Ball einfach so lange wie möglich in der Luft", erklärt Nissim. Das ist die entspannte Art. Oder der Squashball muss innerhalb von drei Minuten so oft wie möglich hin und her gespielt werden. Das führt zu einem sehr direkten und kraftvollen Schlagabtausch zwischen den Partnern, die acht Meter auseinander stehen. Der Rekord liege bei 178 Schlägen, wobei hin und zurück als ein Schlag zählt.

„Das Schönste aber daran ist, dass es ein friedliches Spiel ist", sagt Zadok, der Inhaber eines Sportgeschäftes ist. Es gebe keinen Sieger und keinen Gewinner, beide Partner geben ihr Bestes.

Nissim und Zadok haben die Regeln aufgestellt. Niemand hatte sich je darum gekümmert. Und nach wie vor ist auch der Ursprung des Matkot unbekannt. Den beiden - Zadok nennt sich selbst „Vater des Matkot in Israel" - ist es gelungen, die in Israel populäre Strandbeschäftigung zum Wettkampfsport zu entwickeln. Inzwischen werden Meisterschaften ausgetragen. Dabei gewinnt das Paar, das den Ball am häufigsten binnen drei Minuten hin- und herschlagen kann.

Wie so oft, geht es auch beim Matkot darum, wer den besten Schläger hat. Traditionell sind sie aus Holz, das wegen des Salzwassers und der Abnutzung aber irgendwann bricht. Deshalb spielen Nissim und viele andere inzwischen mit Carbon-Schlägern. Sie sind leicht und haltbar. Aber der Ball reagiert anders auf das Material - „die optimale Ausführung gibt es noch nicht", meint etwa Ran Ifrah. Der Ingenieur für Technik aus Rehovot stellt selbst in kleiner Stückzahl Matkot-Schläger her. „Ich habe mir die Exemplare auf dem Markt angeschaut und gedacht: „Das kannst du besser.""

So tüftelt er seit rund drei Jahren herum, mischt Carbon mit Holz, lässt Hohlräume zwischen den Platten, nutzt unterschiedliche Qualitäten des teuren Rohstoffs. „Der Schläger muss dem Ball die Energie der Hand weitergeben", sagt er. Inzwischen ist der 28-Jährige in der Matkot-Entwicklung so weit gediehen, dass er seinen Job aufgegeben hat und sich zusammen mit einem Freund selbstständig macht. Ihr Ziel: „Ein Schläger, der für alle passt."

Aber nicht alle Israelis mögen den Sport. Eher im Gegenteil: Manche hassen ihn, bezeichnen ihn als Terrorismus am Strand. Das ewige Klackklack geht ihnen auf die Nerven, und sie fürchten sich vor Verletzungen durch Schläger und Bälle. Auf satirische Art haben die Filmemacher Tom Schinan und Liran Goldberg das Thema verarbeitet. In ihrer 15 Minuten-Dokumentation mit dem Titel „Tod dem Matkot" (auf Youtube) riefen sie unter anderem zu einer Demo gegen das Spiel auf. Allerdings erschienen nur sechs Mitstreiter: Sieht so aus, als müsse „Amnon the Cannon" nicht um die Zukunft des Matkot fürchten.

dpa

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