Demografischer Wandel

Ein „Vier-Generationen-Park“ für Wathlingen

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Foto: Im November soll der „Vier-Generationen-Park“ in Wathlingen eröffnet werden.

Wathlingen - Wathlingen wartet auf die Eröffnung eines acht Meter hohen Gebäudekomplexes Ende November: Im sechs Millionen Euro teuren „Vier-Generationen-Park" mit Restaurant, Mensa, Kino, Jugendtreff, Seminarräumen und Fahrradwerkstatt soll jede Altersgruppe das Passende finden.

Golden leuchtet das „Vier-Generationen“-Haus in der Sonne, Arbeiter verkleiden die Fassade mit Messingplatten - ein Panzer gegen Graffiti. Weil die Messinglegierung so glänzt, sprechen manche im Dorf wieder skeptisch von einem Prunkbau. Mit dem 6-Millionen-Euro-Bau hat der 6200 Einwohner zählende Ort alles auf eine Karte gesetzt.

„Für uns ist das der demografische Wandel in Beton gegossen“, sagt Torsten Harms. Der Rechtsanwalt steckt als ehrenamtlicher Bürgermeister seit Jahren viel Kraft in das Projekt, und er weiß die große Mehrheit der Wathlinger hinter sich. Mit dem demografischen Wandel meint der 47-Jährige die sinkende Bevölkerungszahl im Kreis Celle, der die Gemeinde hier, zwischen Kindergarten und Oberschule, in Betonform etwas entgegenklotzt.

Auf der Wiese dahinter sollen Privathäuser entstehen. Im Baugebiet „Vier-Generationen-Park“ ist von 49 Grundstücken allerdings erst eins verkauft, andere sind vorgemerkt. Für Betreutes Wohnen in einem Acht-Parteien-Neubau hat sich ein Betreiber gefunden.

So hofft die ehemalige Salzbergwerk-Gemeinde, im Neubürger-Wettbewerb mit dem bisher erfolgreicheren Nachbarn Nienhagen mithalten zu können - die Konkurrenz zu dem reicheren früheren Öldorf hat Tradition. Über klassische „Mehrgenerationenhäuser“, wie es in Nienhagen eins gibt, geht das Wathlinger Projekt weit hinaus. Minister haben den Grundstein gelegt, zur Eröffnung am 27. November wird Kultusminister Bernd Althusmann erwartet. Vom „Leuchtturm“ sprechen sie, von einer „Vision“.

Dabei stand am Anfang bloß der Gedanke, einen Sportpark zu schaffen. Daraus wurde die Idee, Jugend und Senioren zusammenzubringen. Dem Bürgermeister war wichtig, die mittlere Generation einzubeziehen; er überzeugte den Rat, einen Antrag auf EU-Geld zu stellen. Tatsächlich sagte die Europäische Union zwei Millionen Euro über ihr Regionalprogramm zu. Der Landkreis trägt eine weitere Million, die Samtgemeinde und die diakonische Stiftung Linerhaus beteiligten sich.

Die Gemeinde Wathlingen hat immerhin noch zwei Millionen Euro zu stemmen. Sie hat sich dafür von mehreren Grundstücken und älteren Gebäuden getrennt, unter anderem dem maroden früheren Dorfgemeinschaftshaus „Schacht“. Dort war zuletzt noch die Bücherei untergebracht, die nun in den „4-G-Park“ umzieht.

Den „Schacht“ nennen Mahner als Beispiel, wie ein Projekt schiefgehen kann. Schon 30 Jahre nach seinem Bau war das Gemeinschaftshaus so sanierungsbedürftig, dass sich nur noch der Abriss lohnt. Der Pächter, als Wirt bei den Wathlingern beliebt, war längst ausgezogen. „Meine große Sorge ist, dass auch beim 4-G-Park der Unterhaltungsaufwand sehr hoch ist“, sagt Rolf Überheim, für die FDP im Rat der Samtgemeinde. Millionengaben der EU verleiten seiner Ansicht nach Kommunen, „solche Projekte aus dem Boden zu stampfen.“ Da das Zentrum nun aber gebaut sei, hofft er, dass unter anderem die Vereine die Räume gut auslasten werden.

Auch Mar-Heinz Marheine von den Wathlinger Grünen sagt mittlerweile: „Das Ding muss jetzt zum Laufen kommen.“ Dabei hätte der 61-Jährige lieber eine Belebung der alten Ortsmitte gesehen, wo ehemalige Gaststätten und Läden seit langem leerstehen.

Beim „4-G-Park“ ist noch vieles zu klären: Wer betreibt das kleine Programmkino, wird die Gastronomie als Genossenschaft organisiert, gibt es eine ausreichende Busverbindung dorthin? Anderes ist inzwischen konkret: Die Liner-Stiftung hat ihre Räume bezogen und Jugendliche und Senioren zusammen kochen lassen. „Es hat sich auch schon ein Rentner als Helfer für die Fahrradwerkstatt gefunden“, erzählt Pädagogin Melanie Kaufmann.

Die Aula der Schule soll für dörfliche Veranstaltungen mit genutzt werden. Im Gegenzug werden die 627 Oberschüler direkt im „4-G“-Gebäude zu Mittag essen. Mit der dort integrierten Mensa, erzählt Hausmeister Jens Klingebiel, sei Wathlingen als Schulstandort gesichert worden. Der 39-Jährige ist so „vernarrt in das 4-G“, dass er einer von 18 sogenannten Botschaftern des Zentrums wurde. In seiner Freizeit hat er schon Dutzende Gruppen über die Baustelle geführt. Besonders an Gastronomie und Veranstaltungsräumen seien die Leute sehr interessiert. „Das ganze Dorf hat danach gerufen“, sagt Klingebiel. „Ich sage den Leuten: Jetzt haben wir was. Ihr müsst aber auch herkommen.“

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