Auszeichnung für Lehrer

Vier für pfiffigen Unterricht

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Foto: Auch sie bekam eine Auszeichnung: Anke Schneider mit einem Termogenerator.

Hannover - Wer von ihnen unterrichtet wird, hat Glück – und keine Angst mehr vor Mathematik und Physik. Vier herausragende Lehrer, zwei Frauen und zwei Männer, hat die Stiftung NiedersachsenMetall am Mittwoch in Hannover ausgezeichnet. Sie kommen von ganz unterschiedlichen Schulformen.

Zwei von Integrierten Gesamtschulen, der dritte von einem Gymnasium und die vierte von einer Realschule. Ob IdeenExpo, Mathe-Olympiade, Lehrerpreise oder Legoroboter in den Schulen – seit zehn Jahren bringt die Stiftung NiedersachsenMetall mit diversen Projekten Schülern naturwissenschaftliche Fächer näher. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Rund 145 000 Kinder und 15 000 Lehrer wurden erreicht.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) lobte die Arbeit der Stiftung als besonders bedeutsam im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Vor zehn, 15 Jahren habe kaum noch jemand Ingenieur oder Physiker werden wollen, sagte Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar: „Der Einbruch war dramatisch, vergleichbar mit einem Krieg.“ Es geht aufwärts: Die Zahl der Studienanfänger in den Ingenieurwissenschaften in Niedersachsen ist seit 2013 um 50 Prozent gestiegen, bei den Frauen sind es sogar 70 Prozent.

Die Stiftung NiedersachsenMetall zeichnet besonders engagierte Lehrer aus

Anke Schneider: Fürs Logische und Berechenbare hat sich Anke Schneider (44) schon als Kind interessiert: „Computer machen das, was sie sollen“, sagt die Informartiklehrerin und schiebt ein „eigentlich“ hinterher. An der Realschule Wildeshausen (Kreis Oldenburg) hat sie zunehmend auch Mädchen in ihren Klassen, Kursen und Arbeitsgemeinschaften sitzen. Technikinteresse kenne keine Geschlechterunterschiede. Beim Experimentieren sei das allerdings anders: „Jungen probieren einfach aus, was passiert, Mädchen gehen strukturierter vor und denken vorher mehr nach.“ Ein besonderes Faible hat Schneider für Roboter. Sie spornt ihre Schüler zur Teilnahme an diversen Wettbewerben an. Besonders lobenswert findet die Jury, dass die Realschullehrerin nicht nur Kontakt zu Unternehmen, sondern auch zu einer Hochschule, zur Carl-von-Ossietzky-Universität in Osnabrück, geknüpft hat. Das sei bei Realschulen eher selten. Rainer Böhm: Der Ball ist rund? Von wegen, Rainer Böhm weiß es besser. „Der Fußball ist ein Polyeder“, referiert Böhm, der an der Georg-Lichtenberg-Gesamtschule in Göttingen Mathematik und Informatik unterrichtet. Um seinen Schülern den Unterschied zwischen einer Kugel und einem Polyeder anschaulich zu machen, dachte sich Böhm vor 19 Jahren eine Mathematik-Lernwerkstatt aus. „Durch das handlungsorientierte Lernen entdecken meine Schüler, dass sie Mathe doch können.“ Handlungsorientiertes Lernen heißt: experimentieren, schrauben, basteln. „Wir arbeiten fächerübergreifend. Bei ‚Leonardo da Vinci und die Geometrie‘ haben wir sogar Kunst miteinbezogen“, sagt Böhm. Mit einem gewissen Stolz präsentiert er einen silbernen Würfel, aus dem er zwei Sterne faltet. „Toll, oder?“, fragt er strahlend. Und weil er so enthusiastisch ist, wird er auch nach seiner Pensionierung in zwei Jahren weiterhin in der Werkstatt arbeiten: „Ich bin da drin gefangen.“ Oliver Michele: Mal ist es ein interaktives Computerspiel, mal ein Wasserakku, der Strom erzeugt, oder eine Solaranlage – Oliver Michele (38) ist immer für eine Überraschung gut. Am Gymnasium im Schloss in Wolfenbüttel ist der Physik- und Mathematiklehrer MINT-Beauftragter. Der promovierte Pädagoge macht nicht nur mit seinen Schülern Experimente, sondern auch mit den Kollegen. Jedes Kind habe seinen eigenen Zugang zur Naturwissenschaft, sagt Michele. „Der eine hat schon mal mit seinen Eltern gebastelt, der andere kennt bestimmte Phänomene von seinem Fahrrad.“ Schnödes Stromkreisezeichnen macht keinen Spaß, eigenes Forschen dafür umso mehr. Bei der IdeenExpo in Hannover haben seine Schüler und MAN-Azubis ihre Ergebnisse gemeinsam präsentiert. Gudrun Klasmeyer: Die Braunschweigerin kennt bei der Preisverleihung fast alle Kollegen. Kein Wunder, denn die 47-jährige Gudrun Klasmeyer ist IGS-Lehrerin aus Braunschweig und gleich an sechs Projekten beteiligt; und hat für jedes unterschiedliche Kooperationspartner gefunden. Ihr Schullabor ermöglicht ihren Kollegen einen Erfahrungsaustausch zu dialogischem Lernen. Die TU Braunschweig, die Universität Zürich und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt helfen Klasmeyer bei der Heranführung an naturwissenschaftliche Fächer im Unterricht. Ein straffes Programm für die 47-Jährige, die erst seit vier Jahren Lehrerin ist. Zuvor arbeitete sie in der Wirtschaft. Überstunden sind ihr deshalb nicht fremd: „Das meiste mache ich ehrenamtlich. Ich rechne meine Stunden nicht zusammen – sonst höre ich womöglich noch auf“, sagt sie.

sam/dö

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