70. Geburtstag

Ein Vulkan des Wortes

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Pfeiffer zählt zu den prominentesten Köpfen Niedersachsens.

Hannover - Der hannoversche Kriminologe und frühere Justizminister Christian Pfeiffer wird 70. Sein Lebensmotto: Sofort wieder aufstehen, wenn man denn schon unglücklich fällt!

Vom „wilden Tanzen“ und vom Bergsteigen hat ihm der Arzt abgeraten. Wegen der Bandscheiben. Aber einem Christian Pfeiffer kann vermutlich auch ein Arzt wenig verbieten. Er lebt nach dem Motto, dass man sofort wieder aufstehen sollte, wenn man denn schon unglücklich fällt. Und so ist die Wahrscheinlichkeit, dass man einen tanzenden Pfeiffer auf seiner Geburtstagsfeier erleben wird, ziemlich hoch. Am heutigen Donnerstag wird der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) und frühere Justizminister 70 Jahre alt. Getanzt wird später.Pfeiffer zählt zu den prominentesten Köpfen Niedersachsens. Kein Wunder, der Mann spricht schnell, stets druckreif und sprudelt die Zahlen nur so heraus. Er ist in der Lage, jede Talkshow zu retten, die in der Belanglosigkeit zu versinken droht. Steile Thesen, Zahlen, Zahlen, Zahlen, emotionale Beteiligung in Höchststufe – auch bei Fernsehinterviewern quer durch die Republik ist Pfeiffer beliebt, weil er sich selbst in Begeisterung reden kann. Die Schnelligkeit im Denken verführt Pfeiffer mitunter auch zu Fehlurteilen, etwa, als er im Jahr 2000 den Badeunfall eines Jungen im sächsischen Sebnitz als vermeintliche Tat von Neonazis darstellte. Wer viel macht, macht auch Fehler, pflegt Christian Pfeiffer dann zu sagen. Und er macht sehr viel.

Dabei ist der Jurist, der erst auf einem Bauernhof in der DDR aufwuchs („Ich kann Ihnen auch ein Kalb zur Welt bringen“) eigentlich ein Spätentwickler, der erst aufblühte, als er als 26-Jähriger ein Auslandsjahr in London verbrachte – fern der trotz Flucht aus dem Osten wohlbehüteten Kindheit.

Seinem Kommunikationstalent sind eine ganze Reihe von Projekten zu verdanken. Schon zu Studienzeiten in München gründete er eine bundesweite Initiative „Zeitungsabonnement für Strafgefangene“, die seinerzeit sogar den Bundespräsidenten Gustav Heinemann interessierte. Später hat Pfeiffer dann in seinem Wohnzimmer mit Freunden die Idee entwickelt, „die Ideenreichen, die Zeitreichen und die Geldreichen“ in seiner Wahlheimat Hannover aufzurufen, die Dinge selber in die Hand zu nehmen. Die „Bürgerstiftung“ wurde gegründet – und hat mittlerweile in der Republik 320 Nachahmer. „Es ist ein Vergnügen zu sehen, wie immens die Bereitschaft ist, Geld und Zeit in gute Projekte zu investieren“, kommentiert der Kriminologe. Ein Vergnügen war für ihn auch das Angebot Sigmar Gabriels, Justizminister in Niedersachsen zu werden. Drei Jahre blieb er es. Und nun? Das Wort „aufhören“ gehört nicht zu seinem Wortschatz. Wenn er im nächsten Jahr beim KFN aufhört, will er sich an der Universität New York um die Abschaffung des elterlichen Züchtigungsrechtes in den USA kümmern, das bei uns vor 14 Jahren abgeschafft wurde. „Erfahrungen, wie man Kampagnen entfacht, habe ich – das wissen die in New York.“

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