Modder, Mönche und viel Schwermetall

Das Wacken wird zur Matschwüste

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Einige Festivalbesucher wussten das schlechte Wetter und den moddrigen Untergrund für sich zu nutzen.

Wacken - Das Gelände des Wacken-Festivals wurde am Sonnabend zur Matschwüste. Das hielt die 75.000 Fans trotzdem nicht davon ab durchzuhalten und ihre Bands und sich selbst zu feiern.

Am Sonnabend ist es dann auch egal. Mit beherzten Schritten waten die Metal-Fans über die aufgeweichten Camping- Plätze und die moddrigen Wege hin zum riesigen Schlammfeld vor der Bühne. Hauptsache nicht ausrutschen. Regen, immer wieder Regen. Es ist der letzte Tag des Wacken Open Air (W:O:A), des größten Heavy-Metal-Festivals der Welt. Seit Dienstag sind viele der 75.000 Fans hier, seitdem wechseln sie ständig Sonnenbrille gegen Regenponcho. Doch leer ist es nicht, die Festival-Besucher halten durch, zu lange haben sie auf diese Tage, ihre Bands, ihre Freunde, ihre Auszeit vom Alltag gewartet.

Das W:O:A ist im 23. Jahr seines Bestehens eine Marke, die sich gut verkauft. Vom Wacken-Bier über den Wacken-Einweg-Grill bis hin zum Wacken-Zelt wird alles angeboten. Am beliebtesten sind jedoch die T-Shirts. Schon bevor das Festival so richtig losgegangen ist, ist fast jeder dritte Besucher in aktuelle Wacken-Mode gewandet. „Weil die keine anderen Metal-Shirts haben“, behauptet eine böse Zunge an einem der vielen Bierstände. „Es sind ja kaum noch richtige Metal-Fans hier.“ Früher habe es hier mehr Männer mit langen Haaren gegeben. Der Archetypus des Heavy-Metal-Fans auch nicht zu sehen, als die sehr Rock'n'Roll-lastige Band Volbeat das Festival-Gelände fast zum Bersten bringt, und auch nicht, als vor der Biergarten-Bühne einige Studenten zu den Shantys von Santiano schunkeln. „Segel hoch, volle Fahrt, Santiano“, doch statt salziger Meeresluft ziehen Marihuana-Geruch und Männer in Bananenkostümen vorüber.

Das Heavy-Metal-Open-Air könnte auch einfach als schräges Volksfest durchgehen, doch so ganz massentauglich ist es dann doch nicht. Dimmu Borgir, eine Black-Metal-Band aus Norwegen, fahren ein ganzes Orchester samt Dirigent und einem Chor in Mönchskutten auf. Die musizieren dann jedoch zu höllischen Versen und hinter einer Band, die zwischen künstlichen Nebelschwaden und mit Körperbemalung ein wenig anmutet wie eine Kompanie Orks in Tolkiens „Herr der Ringe“. Wenig volkstümliche Stimmung verbreitet auch das minutenlange Drum-Solo, dem die Fans der englischen Alt-Metaller von Saxon lauschen.

Kurz vor Ende des Festivals treten die „Scorpions“ als einer der Hauptacts auf. „Die haben live immer Spaß gemacht. Aber hier sind nicht nur Scorpions-Fans, die sollten also ein bisschen härter zu Werke gehen“, empfiehlt Michael Tremmel (42) aus Oldenburg der Band, die ihren Abschied von der Bühne bekanntgegeben hat. Einen „Wind of Change“ erhoffen sich auch die Festival-Besucher. Dann könnte der Matsch zumindest heute für die Heimreise noch trocknen.

Stefanie Schlemmer

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