Polizeidirektion Hannover

Waffenhandel bei der Polizei aufgeflogen

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Der Polizeimitarbeiter im Vordergrund soll die Waffen verkauft haben.

Hildesheim - Ein Mitarbeiter der in Hildesheim angesiedelten Waffen-Sammelstelle der Zentralen Polizeidirektion Hannover soll Waffen unterschlagen haben, die eigentlich für den Hochofen des Stahlwerks in Salzgitter bestimmt waren.

Ermittler haben in der Wohnung des 56-Jährigen im Hildesheimer Südkreis 20 Gewehre, eine Schreckschusspistole und einen scharfen Revolver gefunden, dazu Munition, Zielfernrohre und anderes Zubehör.

Ob die Waffen zuvor von Bürgern im Rahmen der sogenannten Waffenamnestie abgegeben wurden oder von der Polizei im Zusammenhang mit Straftaten sichergestellt worden sind, steht laut Staatsanwaltschaft noch nicht fest. Es gebe aber Hinweise darauf, dass der Mann die Waffen verkaufen wollte. Gegen ihn wird nun wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Waffengesetz, der Unterschlagung und des Verwahrungsbruchs ermittelt. Die Polizei hat ihrem Angestellten nach Bekanntwerden des Verdachts die Kündigung ausgesprochen – er hat sie inzwischen angefochten.

Vor gut drei Jahren stand der Mann noch öffentlichkeitswirksam im Dienst der Polizei vor den Kameras. Nach dem Amoklauf von Winnenden und der Bluttat von Hornsen im Landkreis Hildesheim hatte das Innenministerium die Bürger zur freiwilligen Abgabe von legalen und illegalen Waffen aufgefordert, die Justiz hatte die Aktion wohlwollend begleitet und befristet von einer Strafverfolgung abgesehen, sofern die Waffen nicht bei Straftaten eingesetzt wurden. Und so füllten sich die Metallregale der Sammelstelle auf dem Gelände der Hildesheimer Polizei. Als im September 2009 wieder einmal 2000 Waffen aus ganz Niedersachsen zum Einschmelzen nach Salzgitter gebracht wurden, war auch der Angestellte mit dabei. Dass jetzt der Verdacht aufgekommen ist, nicht alle Waffen könnten im Hochofen gelandet sein, liegt an einem Hinweisgeber aus dem persönlichen Umfeld des Polizei-Angestellten. „Der Zeuge meldete, dass der 56-Jährige wiederholt mit Waffen hantiere“, sagte Oberstaatsanwalt Bernd Seemann. Die Polizei habe auf den Tipp reagiert und den Mann in seinem Heimatdorf angetroffen, als er gerade mit einem Gewehr samt Zielfernrohr unterwegs war. „Die Waffe stammte aber gar nicht aus Polizeibeständen“, sagte Seemann. Die folgende Durchsuchung der Wohnung des Mannes habe dann aber das Waffenarsenal zutage gefördert, das aus der Sammelstelle stammen soll.

Von Christian Wolters

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