Ferienhelfer am Steinhuder Meer

Das Wasser im Blick

Mardorf - Horst Semmler verbringt den Sommer als Einsatzleiter bei der DLRG am Steinhuder Meer. Mit seinen Kollegen leistet er Erste Hilfe - auf dem Wasser und am Strand.

Die Hose ist rot, das Poloshirt auch, auf der Brust steht in gelben Lettern DLRG geschrieben. Horst Semmler sitzt auf einem Plastikstuhl, vor ihm auf einem Hocker steht sein Fernglas. Er raucht. „Still ruht der See“, sagt der 64-Jährige und schaut aufs Steinhuder Meer. Bei gutem Wetter, wie an diesem sonnigen Ferientag, haben Semmler und seine Mannschaft meist wenig zu tun. Zumindest draußen, bei den Booten und Surfern ist es dann ruhig.

Eigentlich ist die DLRG am Strand von Mardorf am Steinhuder Meer nur für die Wasserrettung zuständig. Wenn Boote in Not geraten, werden die Rettungsschwimmer alarmiert. Dann fahren sie mit ihrem 90 PS starken Motorboot raus, und helfen denen, die gekentert sind. „Aber wenn hier am Strand was passiert, leisten wir natürlich auch erste Hilfe“, sagt Semmler mit rauer Stimme. Die Urlauber kommen mit Schnittverletzungen von liegengebliebenen Glasscherben, Kreislaufproblemen, Hitzestich.

30 Jahre ehrenamtlich bei der DLRG

Horst Semmler ist der Verantwortliche, er ist Rettungsdienstleiter. Und er ist der Bootsführer, ohne ihn dürfen die Rettungsschwimmer nicht auf den See fahren. „Aber ich muss dafür nicht mehr ins Wasser springen, das machen die jungen Leute“, sagt der Rentner. Er ist der Älteste im Team. 30 Jahre lang war Semmler ehrenamtlich bei der DLRG, seit fünf Jahren bekommt er von der Stadt ein kleines Gehalt für sein Engagement. 450 Euro im Monat, genauso viel, wie er zu seiner Rente dazuverdienen darf.

Dafür sitzt er im Sommer von Montag bis Freitag auf seinem Stuhl vor der DLRG-Wache und passt auf, dass nichts passiert. In der Ferienzeit übernachtet er sogar in der Station. Im Hinterzimmer gibt es zwei Hochbetten, es gibt eine kleine Küche, und einen Fernseher. „Langweilig wird mir das nicht, im Gegenteil, es hält mich jung“, sagt Semmler. Mit ihm sind immer mindestens drei weitere Rettungsschwimmer im Einsatz, meistens junge Männer. „Abends gehen wir oft noch mal zu den Surfern rüber, auf ein Bier“, sagt Semmler.

Das Funkgerät knattert vor sich hin. Semmler zündet sich noch eine Zigarette an. „Vor zwei Jahren“, erzählt er, „da wurde ein Kitesurfer von einer Windböe erfasst und ist mit seinem Bord hier auf den Sand geknallt.“ Er hatte Glück, der Helm schützte ihn. Vor ein paar Wochen erlitt ein Mann auf dem Parkplatz einen Herzinfarkt und die Mannschaft von der DLRG leistete Erste Hilfe.

Wenn er am Strand von Mardorf ist, hat er eine Aufgabe, sagt Semmler. Am Wochenende fährt er nach Hause zu seiner Frau. Dann machen andere seinen Job. „Die meisten, die so erfahren sind, dass sie die Einsatzleitung machen können, wollen sich keinen Urlaub nehmen, um im Sommer hier zu sein“, sagt der Rentner. Deshalb sind sie bei der DLRG froh, Semmler zu haben.

Anne Grüneberg

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