Exoten auf der Weide

Wasserbüffel erobern Niedersachsen

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Foto: Wasserbüffel gibt es in Niedersachsen nicht nur im Zoo. Rund 500 Büffel grasen auf den Wiesen und Weiden zwischen Harz und Nordsee.

Ahlden/Belm - Erst waren es fünf, jetzt sind es 50: Aus den paar aus Italien stammenden Wasserbüffeln, die sich Tino Bullmann vom Biohof Eilte in Ahlden (Landkreis Heidekreis) 2004 zugelegt hat, ist mittlerweile eine Herde geworden. Auf die Idee Wasserbüffel zu halten, kam er durch einen Artikel.

„Mir fiel eine Anzeige in der Zeitung über den Verkauf von Wasserbüffeln auf“, erzählt Bullmann. Er wollte sein Käserei-Angebot um die beliebte Sorte Büffelmozzarella erweitern. Aber er sei auch neugierig auf die Tiere gewesen, so der Züchter.

Derzeit gibt es nach Angaben des Deutschen Büffelverbands rund 500 Wasserbüffel in Niedersachsen. Sie waren ursprünglich über Süd- und Südostasien bis nach China verbreitet. Die bis zu anderthalb Meter großen Tiere können rund 1000 Kilogramm schwer werden. Manfred Thiele, Präsident des Deutschen Büffelverbandes, schwärmt: „Sie sind widerstandsfähig, können das ganze Jahr über draußen gehalten werden und sind nahezu krankheitsresistent. Hinzu kommt, dass sie Futter besser verwerten können als andere Büffel- oder Rinderarten.“ Wichtig bei der Haltung sei in warmen Gebieten vor allem Wasser zur Abkühlung.

Davon haben die Wasserbüffel bei Bullmann genug. Zwei der drei Weiden führen an der Aller entlang. Die Tiere können jederzeit durch den Fluss schwimmen, um sich abzukühlen. Ein kleiner Elektrozaun über dem Wasser hindert sie aber am Ausbrechen. Auf der dritten Weide gibt es zudem einen Teich. Bullmann meint, man müsse mit „diesen sanften Riesen“ Geduld haben. Zwar flößten sie einem mit ihren großen Hörnern und ihrer Körpermasse Respekt ein, seien aber absolut friedlich. Das Melken der Büffelkühe sei jedoch nicht leicht, da sie sensibel auf Menschen reagierten. Da könne es schnell passieren, dass von einem Büffel erst einmal keine Milch mehr komme.

Die rund 100 Galloway-Rinder auf dem Hof von Georg Becker in Belm (Landkreis Osnabrück) werden dagegen nicht zum Melken, sondern zum Schlachten gehalten. Auch bei Becker fing die Haltung der schottischen Rinder sehr klein an. „1985 hatten wir uns zwei Tiere geholt, um die Flächen um unseren Hof kahl zu halten“, sagte Becker. Die Tiere mit den verschiedenen Felltönen in schwarz, weiß, rot und dun - eine Art beige - werden heute in großem Stil gehalten. „Am Anfang sind wir mit unserer unkonventionellen Haltung nur belächelt worden.“

Mittlerweile vermarkten er und seine Frau das Fleisch von 100 Tieren und verdienen nach eigener Einschätzung mehr als ein Bauer mit 100 normalen Kühen. Es fielen keine Kosten für Ställe, Pachtungen und große Maschinen an. Außerdem könnten die Tiere auf Naturschutzflächen gehalten werden. Becker schätzt, dass die Rinder recht anspruchslos sind. „Die Tiere verwerten das Futter ganz anders als herkömmliche Kühe und sind viel widerstandsfähiger und krankheitsresistenter.“

Die einfache Haltung reizt viele Züchter: Wasserbüffel und Galloway-Rinder können nur mit Gras und Heu auskommen, brauchen die meiste Zeit des Jahres nicht einmal einen Stall und sind friedliche und zutrauliche Tiere. Die Zahl der Wasserbüffel wächst in Deutschland jährlich um rund zehn Prozent. 1999 gab es nach Verbandsangaben bundesweit rund 500 Tiere, heute sind es fast 3000.

Bullmann weiß, dass seine Wasserbüffel nicht der gewinnbringendste Bereich seines Hofes sind, aber viele würden beim Namen Biohof Eilte erst an die Wasserbüffel denken. „Es hat für uns einen positiven Werbe- und Imageeffekt.“ Doch das ist nicht der einzige Grund für Bullmann, die Tiere zu halten: „Es sind besondere Tiere, die ein tolles, friedliches Wesen haben und es gehört Herzblut dazu, wenn man sich mit ihnen beschäftigt. Ich könnte sie mittlerweile nicht mehr einfach so weggeben.“

dpa

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