Viele Todesopfer in Niedersachsen

Wehe, wenn es auf die Landstraße geht

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Foto: Auf Niederschsens Landstraßen geschehen etwa 70 Prozent aller tödlich verlaufenden Unfälle.

Hannover - Bei der Zahl der Verkehrstoten hat Niedersachsen einen unrühmlichen Platz – auch wegen der Straßenbäume. Auf Landstraßen geschehen etwa 70 Prozent aller tödlich verlaufenden Unfälle. Wenn man die Anzahl der Verkehrstoten auf die Bevölkerungszahl umrechnet, belegt Niedersachsen im Ländervergleich den vorletzten Platz.

Die Zahl der Verkehrstoten in Niedersachsen ist nach Auskunft des Innenministeriums im vergangenen Jahr um zehn Prozent zurückgegangen. Dennoch ist der neue Innenminister Boris Pistorius (SPD) unzufrieden. Denn wenn man die Anzahl der Verkehrstoten auf die Bevölkerungszahl umrechnet, steht Niedersachsen im Vergleich mit anderen Bundesländern schlecht da. „Mit einem Wert von 61 Verkehrstoten je einer Million Einwohner liegen wir auf dem vorletzten Platz“, sagt Pistorius. Der Bundesdurchschnitt liege hier bei 44 Verkehrstoten je einer Million Einwohnern. Schlechter schneidet nur noch Brandenburg ab – mit 67 Toten pro einer Million.

Niedersachsens gefährlichstes Pflaster bleibt dabei die Landstraße. Auf ihr geschehen etwa 70 Prozent aller tödlich verlaufenden Unfälle. Und eine der Hauptursachen der Todesfälle findet sich am Straßenrand. „Jeder dritte tödliche Verkehrsunfall endet in Niedersachsen an einem Baum“, sagt Polizeioberrat Roger Kerst, Verkehrsexperte des Innenministeriums. Im vergangenen Jahr wurden 152 tödliche Baumunfälle registriert, 37 weniger als im Vorjahr. Niedersachsen, ein waldreiches Land, liege damit in der Schreckensbilanz weit über dem Bundesschnitt.

Man könne jetzt aber nicht anfangen, in Niedersachsen die Alleen abzuholzen, zumal sie zum Landesbild gehörten, sagt der Innenminister. Wichtiger sei, dass die Fahrer ihr Fahrverhalten änderten. Denn zumeist sei überhöhte Geschwindigkeit der Grund für die Baumunfälle. Deshalb werde es noch mehr Geschwindigkeitskontrollen geben. „Wir sprechen mit unseren Nachbarländern Nordrhein-Westfalen und Hessen auch über einen neuen Blitzmarathon.“ Er wisse, dass er bei diesen 24-Stunden-Dauerkontrollen „keinen Beliebtheitspreis“ gewinne, sagte der Minister.

Sinnvoll blieben die Kontrollen dennoch. An Unfallschwerpunkten seien auch Tempolimits „probate Mittel“, die Unfallgefahr zu verringern. Der ADAC rät bei einem Baumunfall hingegen zu einer besonders genauen Ursachenforschung. „Auf einer geraden Strecke dürfte ein Baum zu keinem Problem führen, aber in anderen Fällen muss man mitunter zu baulichen Maßnahmen greifen“, sagt ADAC-Sprecherin Sabine Schlemmer.

Insgesamt hat es nach der jüngsten Statistik 199 997-mal im vergangenen Jahr auf Niedersachsens Straßen gekracht – etwas häufiger als im Jahr davor, in dem sich 196 048 Unfälle ereigneten. In 32 199 Fällen kam es zu Unfällen mit sogenannten „Personenschaden“, hier ging die Kurve leicht nach oben. Dafür ging die Zahl bei den Getöten leicht herunter – von 540 im Jahr 2011 auf 486 im vergangenen Jahr. Erfreulich ist für Pistorius die Tatsache, dass im vergangenen Jahr noch einmal die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Kinder abnahm – von acht auf sechs. 2003 waren es noch 29 Kinder gewesen.

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