Nordsee

Weihnachten auf einem Offshore-Windpark

+
Foto: Wind und Wetter statt Wohnzimmer: Arne Stöckmeyer verbringt Weihnachten auf der Nordsee.

Borkum - Für Arne Stöckmeyer fällt Weihnachten im Kreis der Familie aus: Der Elektroniker feiert auf einer der ungemütlichsten deutschen Baustellen: einem Offshore-Windpark in der Nordsee.

Auf ein ganz spezielles Weihnachtsgeschenk freut sich Arne Stöckmeyer schon im Voraus: „Eine heiße Dusche nach der Arbeit.“ Der junge Elektroniker aus Oldenburg verbringt die Festtage dieses Jahr zum ersten Mal nicht im Kreis von Familie oder Freunden. Statt besinnlicher Feier im warmen Wohnzimmer ist eine kalte und zugige Nachtschicht angesagt auf einer der einsamsten Baustellen Deutschlands: dem Offshore-Windpark „Riffgat“ in der Nordsee.

Rund 15 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum liegt das Baugebiet. Mit Hochdruck laufen dort seit Mai die Arbeiten für den Bau von 30 Windkraftanlagen. Die 150 Meter hohen Kraftpakete sollen im Sommer 2013 den ersten Strom ins Netz einspeisen. Mit einer Kapazität von 108 Megawatt könnten damit theoretisch 120 000 Haushalte mit Windstrom versorgt werden, rechnet Christian Bartsch vom Oldenburger Energieversorger EWE vor.Doch noch stehen erst 30 Fundamente mit je einer kleinen Arbeitsplattform im eiskalten Salzwasser. Im Frühjahr sollen die 180 Tonnen schweren Gondeln und knapp 60 Meter langen Rotorblätter aufgesetzt werden. Bis dahin werden in der Winterzeit die Anlagen mit Stromkabeln verbunden. Ein Schiff bringt sie heran, Taucher und Unterwasserroboter schleppen dann die dicken Kabel zu den Türmen.

Auf See bestimmt vor allem das Wetter den Zeitplan: „Bei einer bestimmten Wellenhöhe können wir nicht mehr vom Schiff auf die Türme im Wasser übersteigen“, sagt Stöckmeyer. Der 24-Jährige überwacht für EWE die Verkabelungsarbeiten und achtet dabei auf Sicherheit. Helm und wasserdichter Überlebensanzug sind Pflicht für die Bauarbeiter. „Übernachten möchte ich dort draußen aber nicht wirklich. Das ist einer der ungemütlichsten Plätze, die man sich vorstellen kann.“ Für diesen Notfall sind ein Schlafsack mit dicker Isoliermatte als Notfallausrüstung dabei - und ein Kartenspiel gegen Langeweile.

Als Basislager dient den Offshore-Technikern das Baubüro mit Unterkünften am Hafen von Borkum. Von dort aus bringt ein Zubringerschiff die Spezialisten in Früh-, Mittel- und Spätschicht zu den Türmen auf See - bis zu zwölf Tage hintereinander, wenn das Wetter mitspielt.

Auch am Weihnachtstag geht Stöckmeyer mittags um 14 Uhr an Bord und fährt eine gute Stunde hinaus. Mit drei Technikern besteigt er die Arbeitsplattform auf dem ersten Turm. 15 Kilogramm Ausrüstung und etwas Proviant für den Tag sind im Klettergepäck. „Es ist zwar schweinekalt da draußen, aber das Treppensteigen macht warm. Wer sich jedoch nass schwitzt, friert später schneller.“ Den Gang zur Toilette sollte sich jeder für später aufsparen: Auf den nackten Plattformen gibt es kein stilles Örtchen.

Bei Dienstschluss gegen 23 Uhr fahren Stöckmeyer und seine Kollegen wieder zurück nach Borkum und genießen nach Mitternacht die heiße Dusche. Dann öffnet der Oldenburger auch das Weihnachtsgeschenk seiner Mutter - verpackt in einem Schuhkarton. Silvester ist der Oldenburger auf jeden Fall wieder an Land: „Dann feiere ich nämlich meinen 25. Geburtstag.“

Auch im größten deutschen Offshore-Windpark „Bard Offshore 1“ wird über Weihnachten gearbeitet. Rund 100 Kilometer vor Borkum werden je nach Wetterlage bis zu 300 Mitarbeiter eingesetzt. „Auf der großen Service- und Versorgungsplattform wird sogar ein besonderes Menü-Büfett vorbereitet“, kündigt Bard-Sprecher Axel Bahr an. Neben Fischsuppe mit Meeresfrüchten und Edelfischen sind Spanferkel, Filetsteak, Erdbeer-Sorbet und Mousse au Chocolat im Angebot.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare