Niedersachsens Regierungschef

Weil fordert mehr Geld für Pflegekräfte

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Hannover - Unregelmäßige Arbeitszeiten, Wochenendarbeit, schlechte Bezahlung: Pflegeberufe haben bei jungen Menschen keine Konjunktur. Um mehr Menschen für diese Branche zu begeistern, fordert Niedersachsens Regierungschef eine bessere Entlohnung.

Als Maßnahme gegen den drohenden Pflegenotstand fordert Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil eine deutlich bessere Bezahlung der Pflegekräfte in Deutschland. "Ich bin der absolut festen Überzeugung, ohne eine angemessene Bezahlung von Pflegekräften wird es nicht möglich sein, junge Menschen von diesem Berufsweg zu überzeugen", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Hannover.

Pflegeberufe seien wegen der "völlig unterdurchschnittlichen Tarife" immer weniger wettbewerbsfähig. "Ich will mich nicht auf einen Stundenlohn festlegen, aber wir werden zu einer deutlichen Erhöhung kommen müssen", sagte Weil. Oftmals würden auch viel schwierigere Arbeitsbedingungen als in anderen Berufen junge Menschen von der Pflegebranche abhalten.

Die Einkommensspanne in den Pflegeberufen geht weit auseinander. Laut Bundesamt für Statistik starten die Einstiegsgehälter für Alten- und Krankenpfleger bei rund 2280 Euro brutto im Monat, oft eingesetzte Pflegehelfer verdienen noch weniger.

Weil sieht aber auch positive Anzeichen für einen Trendwechsel: In Niedersachsen sei kürzlich ein "großartiger Durchbruch" erzielt worden, als das Diakonische Werk sich bereiterklärt habe, einen Tarifvertrag Soziales abzuschließen. "Das ist bundesweit einmalig, und ich hoffe, dass das bundesweit Schule macht."

Der Bedarf an mehr Pflegefachkräften ist groß. Nach Angabes des Statistischen Landesamtes stieg die Zahl der Pflegebedürftigen in der stationären Pflege seit 2011 um 6,6 Prozent, in der ambulanten Pflege um 7 Prozent. Seit 1999 hat sich die Zahl der Menschen in stationärer Pflege um 59,4 Prozent erhöht, in ambulanter Pflege um 68,2 Prozent.

"Das gibt einen Hinweis darauf, vor welchen Herausforderungen wir da noch stehen", betonte Weil. Die Alterung der Gesellschaft werde sich schließlich weiter fortsetzen, die Lebenserwartung inDeutschland sei in den vergangenen 100 Jahren um 30 Jahre gestiegen.

"Es ist gut, dass wir neulich im Bundesrat die Situation für pflegende Angehörige verbessert haben. Aber das reicht noch nicht", sagte Weil. Bis 2030 - so Schätzungen - werde sich der Bedarf an Fachkräften in Deutschland verdoppeln. Die bessere Bezahlung sei daher nur der Anfang, etwa um die Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern. "Aber ohne diesen ersten Schritt kann ich mir eine weitere Lösung gar nicht vorstellen", sagte der Regierungschef.

dpa

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