Ausgebrannter Containerfrachter

Weiter Streit um die „Flaminia“

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Qualm steigt vom brennenden deutschen Containerschiff "Flaminia" auf dem Atlantik.

Wilhelmshaven - Der Umgang mit dem teilweise ausgebrannten Containerfrachter „Flaminia“ wird zu einem politischen Streitfall. In der Politik und bei Umweltschützern gibt es Widerstand gegen ein Abschleppen in den JadeWeserPort Wilhelmshaven.

Noch ist die schwer vom Feuer beschädigte „Flaminia“ mit tausenden Containern an Bord weit weg von der deutschen Küste auf hoher See. Der Plan des Havariekommandos sieht vor, das Schiff, das wochenlang auf dem Atlantik brannte, in den JadeWeserPort Wilhelmshaven ziehen zu lassen. Dagegen gab es am Donnerstag Widerstand, aber auch Unterstützung aus der Politik. Das Wattenmeer dürfe nicht gefährdet werden.

Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) kritisierte die Weigerung anderer europäischer Staaten, Anlaufmöglichkeiten für die „Flaminia“ zu bieten, als nicht akzeptabel. „Diese Havarie zeigt, dass wir dringend eine verlässliche internationale Nothafenplanung benötigen.“ Die Seeschifffahrt könne es sich nicht leisten, dass die Staaten nach dem St. Floriansprinzip handeln und ein havariertes Schiff wochenlang über den Atlantik geschleppt werden müsse.

Der Verband aus der fast 290 Meter langen „Flaminia“ und zwei Hochseeschleppern bewegte sich nach Angaben der Reederei NSB in Buxtehude am Donnerstag auf britische Hoheitsgewässer zu. Am Freitag soll etwa 40 Seemeilen südlich der britischen Südwestspitze ein Team aus Gefahrgutexperten, Chemikern und Bergungsexperten an Bord gehen. Gemeinsam mit Fachleuten aus Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden wollen sie den Zustand des Schiffes und der Ladung begutachten, bevor der Frachter durch den Ärmelkanal gezogen wird. Anschließend soll die „Flaminia“ etwa zwölf Seemeilen westlich von Helgoland stoppen, damit Gefahrgutcontainer geborgen und die Ladung gesichert werden kann.

Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion in Bremen, Maike Schaefer, forderte Informationen darüber, was sich in den Gefahrgutcontainern befindet und welche Risiken mit der Bergung verbunden sind. „Diese Fakten müssen auf den Tisch, ehe der havarierte Frachter in das einmalige und sensible Naturschutzgebiet Wattenmeer geschleppt wird.“ Die Fraktionsvorsitzende der Linken im niedersächsischen Landtag, Kreszentia Flauger, hält es für einen Skandal, dass der Inhalt der Container nicht bekannt sei. „Unsere Gewässer lassen sich nur schützen, wenn man zu jeder Zeit nachvollziehen kann, welche Güter auf einem Frachtschiff unterwegs sind.“

Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner (FDP) sagte dem NDR, er verlasse sich auf das Urteil der Spezialisten, dass die „Flaminia“ schwimmfähig und die Außenhülle intakt sei. Auch Günthner sprach dem Havariekommando Vertrauen aus. „Genau für solche Situationen ist das Havariekommando geschaffen worden.“

Die Cuxhavener Koordinierungsbehörde geht nach Angaben eines Sprechers von maximal 150 Gefahrgutcontainern auf dem Schiff aus. „Wir haben einen Brand und Explosionen gehabt“, sagte er. Deswegen müsse von den Experten geklärt werden, welcher Teil der Ladung noch an Bord und welcher Teil verbrannt ist.

Vor fünf Wochen war auf dem Weg von den USA nach Belgien aus ungeklärter Ursache in einem Laderaum der „Flaminia“ ein Feuer ausgebrochen. Ein Mitglied der Besatzung starb, ein zweites wird vermisst. Ein Seemann wird in einer Spezialklinik behandelt.

dpa

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