Folgen des Hochwassers

Welche Versicherung zahlt bei Flutschäden?

+
Aufräumen nach der Flut: Passauer beseitigen die Schäden durch das Hochwasser.

- Nicht nur im Süden und Osten Deutschlands sind die viele Menschen durch das Hochwasser um ihr Hab und Gut gebracht worden. Auch in Niedersachsen drohen durch die Elbe-Flut schwere Schäden. Doch wer kommt dafür auf? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Zahlt die Versicherung bei Flutschäden am Haus oder an der Wohnung? Überflutet Dauerregen Keller, beschädigt Wände und Inventar, dann hilft allein die sogenannte Elementarschadenversicherung. Schäden durch Überschwemmung oder Hochwasser sind von einer herkömmlichen Wohngebäude- oder Hausratversicherung nicht gedeckt. Die Elementarschadenversicherung ist aber meist sehr teuer, worauf Verbraucherschützer hinweisen. Zudem lehnen Versicherungen einen Abschluss in Hochwasser-Risikogebieten grundsätzlich ab. Glück im Unglück haben Betroffene in Ostdeutschland, die noch Policen aus Ostzeiten haben. In diesen Altverträgen sind Hochwasserschäden noch automatisch mitversichert.

Werden Schäden am Auto übernommen? Hochwasserschäden am Auto sind in der Regel von der Kaskoversicherung gedeckt. Voraussetzung ist allerdings, dass der Schaden direkt durch die Überschwemmung entstanden ist. Die Reparatur-Kosten werden bis zum Wiederbeschaffungswert gezahlt. Auch für vom Hochwasser verschmutzte Innenausstattungen gibt es Geld. Der Schadensfreiheitsrabatt der Vollkaskoversicherung wird hierbei nicht belastet.

Wer zahlt Zugausfälle bei der Bahn? Die Deutsche Bahn nimmt Tickets und Reservierungen für Reisen in Hochwasserregionen in den Reisezentren der Bahn und auf deren Internetseite „kostenfrei“ zurück. Der Fahrpreis wird erstattet, spezielle Belege müssen nicht vorgezeigt werden. Zudem können Reisende, die mit ihren Fahrscheinen eigentlich nur in festgelegten Zügen fahren dürften, auch „die nächstmögliche Reiseverbindung“ nutzen. Diese Regelungen sind bis Sonntag gültig. Für Pendler mit Zeitkarten gelten die tariflichen Umtausch- und Erstattungsbedingungen für Fahrkarten regionaler Verkehrsverbünde.

Wie können Hochwasser in Zukunft vermieden werden? Eine Möglichkeit ist, den Flüssen wieder mehr Raum zu geben. Dann könnten sie bei Hochwasser über die Ufer treten, ohne Schaden anzurichten. Für Kommunen, die noch Neubaugebiete in Flussnähe ausweisen, wäre dies überlegenswert. Allerdings ist diese Lösung für Städte wie Grimma oder Passau schwierig, da hier die Stadtkerne vor Jahrhunderten flussnah angelegt wurden. Sie müssen auf effektive Schutzmaßnahmen durch Deiche und Hochwassermauern setzen. Allerdings haben sich beispielsweise in Grimma Grundstücksbesitzer gegen deren Errichtung gewehrt, weil ihnen die Optik nicht gefiel.

Gibt es künftig häufiger Unwetter? Klimaforscher glauben, dass es in Deutschland zukünftig häufiger zu Starkregen kommen wird. Ein einzelnes Ereignis auf den Klimawandel zurückzuführen ist für die Forscher zwar schwierig. Dennoch konnten sie in den vergangenen Jahren einen Trend zu extremen Wettersituationen beobachten.

Aufräumen nach dem Hochwasser

So schwierig das ist, aber vom Hochwasser Betroffene müssen Ruhe bewahren und abwarten. Denn überschwemmte Räume dürfen sie erst auspumpen, wenn das Hochwasser abgeflossen und der Grundwasserspiegel niedrig genug ist. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Bodenwanne des Gebäudes beschädigt wird, erklärt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn. Denn der Druck des Grundwassers von unten kann so groß sein, dass nur Wasser im Keller den nötigen Gegendruck bieten kann. Elektrogeräte dürfen erst wieder an das Stromnetz, wenn sicher ist, dass sie nicht durch Feuchtigkeit Schaden genommen haben. Das BBK rät sogar dazu, sie vom Fachmann überprüfen zu lassen.

Ein überflutetes Gebäude sollte aber auch so schnell wie möglich trocknen können. Denn je länger das dauert, desto eher wachsen Schimmelpilze oder Schädlinge nisten sich ein. Heizgeräte können Betroffene eventuell bei Sanitär- oder Spezialfirmen leihen. Bodenbeläge und Wandverkleidungen müssen sie zur Kontrolle entfernen oder zumindest öffnen. Die Statik der betroffenen Räume muss überprüft werden, Profis untersuchen auch Öltanks auf Schäden. Wenn Pflanzenschutzmittel, Lacke, Farben, Putzmittel oder Heizöl ausgelaufen sind, müssen Bewohner die Feuerwehr verständigen.

Sind Gärten oder Felder betroffen, wird auch das Landratsamt oder das Amt für Landwirtschaft darüber informiert. Gegebenenfalls müssen Spezialfirmen die Schadstoffe entsorgen. In davon betroffenen Räumen sollten die Fenster offen stehen, niemand darf rauchen. Offenes Feuer sollte ebenfalls vermieden werden. Bindemittel für Öl benutzen Laien am besten nur in Absprache mit der Feuerwehr, rät das BBK in einer Notfallbroschüre. Verunreinigte Möbel und Lebensmittel sollten sachgerecht entsorgt werden. In Hochwassergebieten dürfen Obst und Gemüse nicht verzehrt werden. Und für die Folgewochen rät die Behörde, Insektenschutzmittel zu Hause zu haben. Denn in überfluteten Gebieten finden Schädlinge wie Stechmücken optimale Bedingungen zum Brüten.

Von Kai Kollenberg und Angelika Oswald

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare