Deutschlands größter Süßwasserfisch

Welse fühlen sich zunehmend wohl

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Hannover - Der Wels ist der größte heimische Süßwasserfisch, der den Anglern hierzulande an den Haken gehen kann. In jüngster Zeit passiert das immer öfter, in den Fangmeldungen taucht der Raubfisch zunehmend auf. Eine Studie hat mögliche Gründe für das Phänomen untersucht.

Deutschlands größter Süßwasserfisch, der Wels, verzeichnet einer Studie zufolge auch zwischen Harz und Küste stetig wachsende Bestände. "Die deutschlandweit ansteigenden Fänge lassen sich unter anderem auch in ganz Niedersachsen beobachten, egal ob es sich um das Einzugsgebiet der Ems, Weser oder Elbe handelt", schreibt der Fischereibiologe des Landessportfischerverbandes Niedersachsen, Thomas Klefoth, in einer Studie über den Fisch, dessen Fang im Norden früher noch eher ein Zufall gewesen sei. Als ein Beispiel nennt die Studie einen Abschnitt im größten Weserzufluss Aller, wo sich die gefangene Welsmenge zwischen den Jahren 2003 und 2010 verzehnfachte.

Einen Grund für die vermehrten Fangmeldungen schließt Klefoth aus: Zu viele Argumente sprächen dagegen, die steigenden Fänge ganz einfach nur damit zu erklären, dass mehr Angler dem Wels gezielt nachstellen.

Der auch Waller genannte Wels wird oft länger als einen Meter. Auch Riesen, die die Zwei-Meter-Grenze knacken, gehen Anglern an den Haken. Klefoth führt den Zuwachs im Bestand auf mehrere Gründe zurück. Am plausibelsten seien steigende Wassertemperaturen, aber auch bessere Wasserqualität, zunehmend renaturierte Gewässer oder ein verändertes Nahrungsangebot dürften eine Rolle spielen.

Deutschlands einziger Professor für die Angelfischerei, Robert Arlinghaus, sagt: "Die zunehmende Verbreitung steht in engem Zusammenhang mit dem Klimawandel, da der Wels ein warmwasserliebender Fisch ist. Die wärmeren Frühjahre führen wahrscheinlich zu einer Vorverlagerung der Laichzeit, was den Welsjungfischen erlaubt, groß genug zu werden, um den ersten Winter zu überstehen." Es fehlten zwar konkrete Studien zur Untermauerung dieser Annahme - doch der Befund sei klar. "Was wir deutlich sehen, ist der Anstieg der Welspopulation in Norddeutschland", sagt der Forscher der Berliner Humboldt-Uni. Der Deutsche Wetterdienst hatte am Donnerstag bekanntgegeben, dass dieser Winter der viertwärmste seit 1881 war - also seit gut 130 Jahren.

Auch Experte Klefoth sieht noch Fragezeichen, weitere Forschung sei nötig. So sei es wahrscheinlich, aber nicht abschließend erwiesen, dass merklich wachsende Bestände der eher seltenen Süßwasserkrebse den Welsen helfen. "Tatsächlich finden sich bei Nahrungsanalysen bis zu 100 Prozent Krebse in den Mägen der Welse", schreibt Klefoth.

Er bezweifelt, dass wachsende Welsbestände das Artengleichgewicht gefährden. Probleme könnte es nur bei einem starken künstlichen Wels-Besatz in kleinen Gewässern geben oder dort, wo Raubfischkonkurrenten wie etwa Hecht und Zander fehlen. Wahrscheinlicher sei es, dass sich die Welsbestände auf einem natürlichen Niveau einpendelten. "Da Deutschland ohnehin zu großen Teilen in das natürliche Verbreitungsgebiet des Wallers gehört, ist jede "Angst" vor dem Waller unbegründet", sagt der Wissenschaftler.

dpa

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