Weiterbildung

Nur wenige Niedersachsen nehmen Bildungsurlaub

+

Hannover/Bremen - Arbeitnehmer haben Anspruch auf Bildungsurlaub – viele nutzen ihn vor allem zur Weiterbildung. Die Nachfrage in Niedersachsen ist niedrig, steigt aber. Vor allem in kleineren Betrieben trauen sich Mitarbeiter oft nicht, einen Antrag zu stellen.

Bildungsurlaub steht jedem Arbeitnehmer zu – in Niedersachsen nutzen jedoch nur wenige das Angebot. Nach Auskunft des Kultusministeriums haben von 2004 bis 2008 insgesamt 145.415 Menschen einen Bildungsurlaub gemacht - also knapp 30 000 pro Jahr. Allerdings hätten sich die Teilnehmerzahlen in den vergangenen Jahren erhöht, sagt Martina Soltendieck von der Niedersächsischen Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung. Genauen Zahlen gab es aber zunächst nicht.

In Bremen wird der Bildungsurlaub wesentlich stärker genutzt: Laut Senat für Bildung und Wissenschaft haben 2012 rund 12.300 Arbeitnehmer einen eingelegt. Damit ist die Zahl im Vergleich zu den Vorjahren ähnlich, sie schwankt zwischen rund 11.800 (2008) und 13.700 (2006).

Nachgefragt werden in Niedersachsen und Bremen besonders Bildungsurlaube, die einen beruflichen Bezug haben. In Niedersachsen sind das rund 42 Prozent. Darauf folgen politische oder wert- und normenorientierte Bildungsmaßnahmen (etwa 31 Prozent) und allgemeine (rund 20 Prozent).

Bildungsurlaub muss nicht direkt mit dem Beruf zu tun haben

„Ein Bildungsangebot muss nicht unbedingt direkt etwas mit dem Beruf zu tun haben. Ein Techniker kann sich auch mit politischen Themen beschäftigen“, sagt die Sprecherin des niedersächsischen Landesverbands der Heimvolkshochschulen, Annette Volland. Arbeitnehmer könnten auch ihren Horizont erweitern. Zum Angebot gehören etwa Seminare zu Sprachen, Kultur und Kreativität, Computer und Internet, Gesellschaft, Politik und Geschichte, Ökologie und Natur oder Gesundheit und Ernährung.

„Grundsätzlich wird Bildungsurlaub sehr häufig von Beschäftigten genutzt, die in gewerkschaftlich organisierten Betrieben arbeiten“, sagt Johannes Grabbe von Deutschen Gewerkschaftsbund Niedersachsen-Bremen. Die meisten Teilnehmer kämen aus Großbetrieben und öffentlichen Verwaltungen. Der DGB arbeitet unter anderem mit der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben zusammen. Bei der politischen Bildung seien Themen wie erneuerbare Energien oder Wohnformen - zum Beispiel generationenübergreifendes Wohnen oder Leben im Alter im Trend, erklärt Geschäftsstellenleiterin Kati Zenk. Beim Seminar Zeitmanagement gehe es aber auch um Burnout und Prävention.

Rund drei Prozent der Arbeitnehmer nutzten Bildungsurlaube. Etliche Mitarbeiter – vor allem aus kleineren Betrieben – trauten sich nicht, einen Antrag zu stellen. „Wir müssen in Niedersachsen an einer Bildungskultur arbeiten“, betont Zenk.

Bildungsurlaub - Das müssen Sie beachten

In Niedersachsen haben Arbeitnehmer im Jahr Anspruch auf fünf Tage bezahlte Freistellung für Bildungsurlaub. Das gilt auch für Auszubildende und Menschen in arbeitnehmerähnlicher Stellung sowie Beschäftigte in Werkstätten für Behinderte. Die Veranstaltung muss von der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung anerkannt worden sein. Sie sollte an fünf, mindestens jedoch an drei aufeinanderfolgenden Tagen stattfinden und muss täglich mindestens acht Unterrichtsstunden, am An- und Abreisetag mindestens je vier Unterrichtsstunden umfassen.

In Bremen haben Arbeitnehmer innerhalb eines Zeitraums von zwei aufeinanderfolgenden Kalenderjahren Anspruch auf einen Bildungsurlaub von zehn Arbeitstagen. Auch Weiterbildungsangebote bereits ab einem Tag Dauer werden als Bildungsurlaub anerkannt. Bei eintägigen Veranstaltungen müssen mindestens acht Unterrichtsstunden, bei mehrtägigen sechs Stunden täglich erteilt werden.

ska/lni

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare