Jugendherbergen in Niedersachsen

Weniger Übernachtungen, mehr Mitglieder

+
Mehr Hotel als Herberge: Der 2013 eröffnete Resort-Club in Neuharlingersiel ist eine der modernsten Jugendherbergen in Niedersachsen.

Hannover/Bremen - Schulklassen, Familien mit Kindern und gelegentlich auch Flüchtlinge: Die Jugendherbergen in Niedersachsen sind gut im Geschäft. Die Übernachtungszahlen sind stabil – allerdings macht sich in einigen Regionen der Klassenfahrtenboykott bemerkbar.

Bundesweit können die Jugendherbergen sogar einen Mitgliederrekord vermelden.

Viele Lehrer strichen wegen der von der Landesregierung verordneten längeren Unterrichtszeit ihre freiwilligen Leistungen. Im Jugendherbergs-Landesverband Hannover fielen deshalb gut 8600 Schülerübernachtungen aus. Im Verband Unterweser-Ems seien 11.000 Übernachtungen storniert worden und weitere 7000 ausgefallen, sagte Sprecherin Gesa Hauschild in Bremen. Insgesamt allerdings hätten die Jugendherbergen in den beiden größten niedersächsischen Landesverbänden mit 1,2 Millionen Übernachtungen ein ähnliches Ergebnis erzielt wie im Vorjahr.

Mit Konzepten zur Nachhaltigkeit und der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung wollen die Jugendherbergen in Niedersachsen ihre Qualität steigern. Mehr Sportangebote sollen zudem neue Gäste anlocken, sagten Sprecher des Jugendherbergswerks in Bremen und Detmold. Mit einem besonderen Angebot hatte 2013 die Edel-Jugendherberge im ostfriesischen Neuharlingersiel für Aufmerksamkeit gesorgt. Schöner Wohnen und ein Programm vom Kanufahren bis zum Schlagzeugunterricht wird in dem Resort-Club geboten.

Das Konzept mit gehobenemStandard laufe gut, sei allerdings kein Serienmodell für andere Regionen, sagte Hauschild. So biete etwa das Haus in Aurich wegen seiner Nähe zu kommunalen Sportanlagen einen anderen Schwerpunkt. Die Einrichtung soll zur modernsten Sportjugendherberge des Landes ausgebaut werden.

Die zunehmende Zahl an Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, hatte 2014 auch Auswirkungen auf einige Jugendherbergen: Drei Häuser in Bremen und Niedersachsen nahmen rund 265 Flüchtlinge auf. Sie lebten dort für eine Übergangszeit von mehreren Wochen bis zur Verteilung auf andere Unterkünfte. „Die Jugendherbergen haben eine gesellschaftliche Verantwortung, insofern fühlen wir uns selbstverständlich verpflichtet, in Notfällen zu helfen“, sagte Bernd Dohn, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH).

Bundesweit ging die Zahl der Übernachtungen in Jugendherbergen um ein Prozent oder 84.000 Buchungen zurück, blieb aber oberhalb der Marke von zehn Millionen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Mitglieder um 2,2 Prozent auf 2,4 Millionen an – laut dem Deutschen Jugendherbergswerk ein Rekord. Für den Zuwachs hätten zum Großteil Familien gesorgt. Jeder, der in einer Jugendherberge übernachtet, muss für das laufende Jahr Mitglied sein oder werden. Den größten Anteil bei den Übernachtungen nehmen die Schulen mit etwa 38 Prozent ein. Es folgen Familien mit rund 20 Prozent – gefolgt von Freizeiten (17 Prozent) sowie Tagungen und beruflichen Fortbildungen (rund 14 Prozent). Das Minus bei den Übernachtungszahlen führt das DJH vor allem auf die Konkurrenz von privaten Hostels in großen Städten zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare