Schneerekorde und eisige Temperaturen

Ist das Wetter noch normal?

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Foto: Meterhoch: In Nordirland geht eine Frau an einem vom Winterdienst aufgehäuften Schneeberg vorbei.

Berlin - Am Wochenende hatte der Winter Europa wieder fest im Griff – statt Wärme gab es Schneerekorde und eisige Kälte. Trotz Frühlingsanfang hat der Winter den Kontinent fest im Griff.

Ausnahmezustand in der Ukraine

Nachdem in der Millionenstadt Kiew ein halber Meter Neuschnee gefallen war, haben die ukrainischen Behörden am Wochenende den Ausnahmezustand verhängt. „Innerhalb eines Tages sind mehr als 24 Millionen Tonnen Schnee in Kiew gefallen. Das ist ein Ereignis, das es innerhalb der letzten 100 Jahre nicht gab“, sagte der Chef der Stadtverwaltung, Alexander Popow, in einer Videobotschaft. Der Schneesturm brachte den Straßenverkehr in der Stadt mit den drei Millionen Einwohner zum Erliegen. Besonders betroffen war das auf Hügeln liegende Stadtzentrum von Kiew. Einige Kiewer nahmen die Situation mit Humor. Im Internet tauchten Videos mit Snowboardabfahrten auf. Andere fuhren auf der schneebedeckten Prachtstraße Kreschtschatik mit Skiern. Im Abendprogramm reagierte ein Fernsehsender und zeigte statt James Bond den Katastrophenfilm „The Day After Tomorrow“.

Stromausfall in Großbritannien

Heftige Winde, Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und Schneeverwehungen verwandelten viele Regionen Großbritanniens in Winterlandschaften. Züge und Flüge fielen aus, auf den Autobahnen bildeten sich Staus. In der Grafschaft Lancashire starb ein 27-Jähriger auf dem Heimweg von einem Pub, als er im Schnee stecken blieb. In Schottland kam ein 57-Jähriger nicht von einer Bergtour zurück. Am Freitag war in Südengland eine Frau in den Trümmern ihres Hauses ums Leben gekommen, das von einem Erdrutsch mitgerissen worden war. In Dover stürzte ein Teil der Kreidefelsen ein, nachdem Wasser in das Gestein eingedrungen und gefroren war. In Nordirland und Schottland waren Zehntausende für bis zu drei Tage ohne Strom, nachdem umstürzende Bäume und auf den Kabeln festgefrorenes Eis die Masten zum Einsturz gebracht hatten. Die Probleme hatten am Freitagabend in der nordirischen Hauptstadt Belfast zu Stromausfällen für 200 000 Menschen geführt. Im Westen Englands mussten am Sonntag 26 Schulkinder aus einem Ferienlager in Sicherheit gebracht werden. Das Lager war von der Außenwelt abgeschlossen, die Vorräte drohten zu Ende zu gehen.

Sibirische Kälte – in Berlin

Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war es in Berlin Ende März noch nie so kalt wie in der Nacht zu Sonntag. Im Südosten der Hauptstadt wurden minus 17 Grad gemessen. „Das ist ein Rekord“, sagte die Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Potsdam, Eva Wille. In Sibirien wurden dagegen schon am Sonnabend mildere Temperaturen gemeldet. Während in Berlin frostige minus 7 Grad herrschten, wurden in Omsk minus 4, in Wladiwostok minus 2 und in Irkutsk minus 1 Grad registriert. Der kälteste Ort Deutschlands war in der Nacht zu Sonntag das brandenburgische Dorf Coschen. Nach Angaben des DWD wurden in der Gemeinde an der Neiße minus 19 Grad gemessen – ein Kälterekord.

Norddeutsche Feriengäste sitzen fest

Starker Ostwind hat an der Küste und auf den Ostfriesischen Inseln das Wasser aus den Häfen getrieben und die Fahrpläne der Fähren durcheinandergebracht. Verbindungen zu und von den Inseln Baltrum, Norderney, Wangerooge, Juist und Spiekeroog konnten nur mit Verspätung eingehalten werden oder fielen aus. Der Flugverkehr zu den Inseln war nur eingeschränkt möglich. In einigen Regionen Niedersachsens sorgten zudem Schneeverwehungen für Verkehrsunfälle und Beeinträchtigungen. Wintersportler kamen dagegen auf ihre Kosten: Nahezu alle Pisten im Harz waren bei Schneehöhen von bis zu 50 Zentimetern freigegeben.

Alles wegen „Jill“

„Die grimmige Kälte zu Beginn des Frühjahrs sei keine „große Anomalie, aber so ganz normal ist sie auch nicht“, sagte DWD-Meteorologe Christian Schmidt am Sonntag in Leipzig. Die Extreme nachts und am frühen Morgen seien auf das Skandinavien-Hochdruckgebiet „Jill“ zurückzuführen, das Polarluft aus dem Nordmeer nach Mitteldeutschland bringe. Tagsüber steige das Quecksilber nicht über 0 Grad. „Dazu kommt noch der starke Windchill. Hierdurch können Temperaturen um den Gefrierpunkt sehr viel kälter wahrgenommen werden. Ich gehe von gefühlten minus 15 Grad aus“, erklärte DWD-Meteorologe Christian Schmidt in Leipzig. Mit dem Dauerfrost dürfte es laut DWD ab Mittwoch vorbei sein, die Nachtfröste werden allerdings bis über Ostern andauern. Insgesamt würden die Temperaturen aber langsam steigen und sich tagsüber zwischen minus 2 bis plus 2 Grad bewegen.

dpa/dapd/vm

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