Superman wird 75

Wieviel „Super“ steckt noch in ihm?

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Foto: Allmachtsphantasien im bürgerlichen Alltag: Superman, der bekannteste amerikanische Superheld, in seinem berühmten blauen Anzug mit rotem Umhang und Logo auf der breiten Brust.

- Superman ist eine der Ikonen Amerikas. Vor 75 Jahren erschien das erste Comic mit dem Superheld. Hat er uns heute noch etwas zu sagen?

Das große grüne Gangster-Auto wirkt plötzlich federleicht. Superman hat es hochgehoben und rammt es donnernd gegen einen Felsen, sein roter Umhang flattert dabei im Wind. So präsentierte sich der erste echte Superheld der Comicgeschichte vor genau 75 Jahren dem amerikanischen Publikum. Schon die erste Ausgabe der Reihe „Action Comics“ hievte der blendend aussehende Hüne mit seinen Superkräften zu einem riesigem Verkaufserfolg: Zehn Cents kostete das 64-seitige Heft 1938, damals der Gegenwert von knapp vier Litern Benzin oder einem Brot. Es begann ein beispielloser Siegeszug. Nach mehr als sieben Jahrzehnten Erfolgsgeschichte wurde ein besonders gut erhaltenes Exemplar der „Nummer 1“ 2011 für mehr als zwei Millionen Dollar versteigert.

Dabei sollte Superman eigentlich gar kein Superheld werden, sondern ein Superbösewicht. Die beiden Teenager und Science-Fiction-Fans Jerry Siegel und Joe Shuster, die sich in der Schule im US-Bundesstaat Ohio kennenlernten, dachten sich den Muskelmann mit dem blauen Anzug gemeinsam aus. Angeblich brachte dann der Tod von Siegels Vater bei einem Raubmord die Wende – und aus dem Superschurken wurde dann doch lieber ein guter Superheld mit Superkräften: extreme Schnelligkeit und Stärke, Unverwundbarkeit, feines Gehör, Röntgenblick, ein fotografisches Gedächtnis und die Fähigkeit, zu fliegen.

Eine komplette Biografie erfanden Siegel und Shuster für ihren „Mann aus Stahl“, der nach einer Odyssee durchs Weltall in Kansas aufwuchs und als braver und bebrillter Lokalreporter in Metropolis arbeitet, der aber sofort als Superman zur Stelle ist, wenn irgendwo Unrecht und Verbrechen geschieht.

Nach vielen Absagen greift ein Verlag zu und veröffentlicht die erste Superman-Geschichte im Band „Action Comics #1“ mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren. Bald werden eigene Superman-Comics hergestellt, es folgen Hollywoodfilme und Fernsehserien. Superman wird zur amerikanischen Ikone. Er wird 1941 gar zu Propagandazwecken verwendet, kämpft bis 1945 in diversen Geschichten gegen deutsche und japanische Truppen.

Tomaten für Hitler

Auf einem Cover wirft er gemeinsam mit Batman Hitler und Mussolini Tomaten ins Gesicht. Aus dieser Zeit stammt sein Ruf als prototypischer Vorzeigeheld, edel und wohlerzogen, der den Krieg gegen die gute Sache zum Ideal erhebt. Als Männertypus mag er inzwischen – trotz der pompösen Kinoneuauflage „Superman returns“ von 2006 – altmodisch wirken. Doch noch immer steht er wie keine Figur sonst für eskapistische Allmachtsphantasien im kleinbürgerlichen Alltag und den amerikanischen Traum von einer übersichtlichen Welt, in der die Schurken unter Kontrolle und die Menschen unter dem Schutz einer ordnenden Macht stehen.

Die Erfinder Shuster und Siegel starben in den neunziger Jahren nach zermürbenden Gerichtskämpfen um die Rechte an der Actionfigur. Ihre Nachfolger machten aus dem Reporter Clark Kent im vergangenen Jahr schließlich einen Blogger – ein Versuch, sich dem Geist der Zeit anzupassen. Viel diskutiert ist in der Fanbasis die Frage, wen Siegel und Shuster als Vorbild für Superman im Kopf hatten.

Klassische Helden wie Herkules und Samson hätten eine Rolle gespielt, sagte Larry Tye, der ein Buch über den Vater aller Superhelden geschrieben hat, der „New York Times“. Auch einige Skizzen von einer zufälligen Bekanntschaft Shusters seien erhalten geblieben. Shuster, der hauptsächlich für das Zeichnen zuständig war, habe den fremden Mann einfach auf der Straße angesprochen und sein Gesicht als Vorbild für die Comics benutzt.

Und beide hätten nicht zuletzt sich selbst im Sinn gehabt. „Siegel glaubte, er sei Clark Kent“, sagte Tye. „Er war einst selbst ein vielversprechender junger Journalist und meinte, wenn er nur tief genug in sich selbst blicken würde, würde er einen Superman sehen.“

von Imre Grimm und Christina Horsten

Zur Person:

Name: Kal-El, (bürgerlich: Clark Joseph Kent)

Synonyme: Superman, „Mann aus Stahl“

Beruf: Superheld (bürgerlich: Reporter bei der Zeitung „Daily Planet“)

Wohnort: Metropolis

Größe: 190,5 cm

Gewicht: 106 Kilo

Herkunft: Superman stammt vom fernen Planeten Krypton. Sein Heimatstern explodierte, als Kal-El noch ein Baby war. Sein Vater Jor-El rettete ihm das Leben, indem er ihn mit einer Minirakete ins All schoss. Nach einem Lichtjahre dauernden Flug landete sie auf einem Feld in Kansas nahe dem US-Städtchen Smallville. Dort entdeckten der Farmer Jonathan Kent und seine Frau Martha den kleinen Jungen, adoptierten ihn und zogen ihn unter dem Namen Clark Joseph Kent groß.

Besondere Fähigkeiten : unverwundbar, perfektes Gehör, Röntgenblick, ungeheure Kräfte durch Absorbtion der Sonnenenergie, kann in extremem Tempo fliegen.

Schwächen: Verletzbar nur durch kryptonitische Strahlung und Magie

Werdegang: Lebte auf den Rat seiner Adoptiveltern bis zum Highschoolabschluss ein normales Leben, begab sich dann auf eine siebenjährige Weltreise.

Große Liebe: Lois Lane, Kollegin beim „Daily Planet“

Größter Gegner: Lex Luthor

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