14. und 15. Juli

Wikinger treffen sich in Schleswig

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Foto: Rund 20 Wikingerschiffe legen an diesem Wochenende am Wikinger-Museum Haithabu an.

Schleswig - Von überallher sind sie gekommen, wilde bärtige Männer in Eichenholz-Booten. Nachbauten von Wikingerschiffen sind beim bislang größten Treffen dieser Art an der Schlei zu sehen. Zumindest ein „Wikinger“ wurde von „Wickie und die starken Männer“ inspiriert.

Was lieben die Deutschen so an den Wikingern und ihren Schiffen? „Abenteuer und Freiheit und Ursprünglichkeit, die in den Schiffen zum Ausdruck kommen“, glaubt Anton Englert, Schiffsarchäologe und Forschungskoordinator am Wikingerschiffmuseum Roskilde in Dänemark. Englert ist standesgemäß zum Wikingerschiff- und Rahseglertreffen „Kurs Haithabu“ nach Busdorf bei Schleswig gekommen: Mit der „Havhingsten“ (deutsch: Seehengst), einem 30 Meter langen Nachbau eines vor fast 1000 Jahren gebauten Kriegsschiffs. „Ein Werkzeug der Macht und Statussymbol.“

Am Freitag war Englert mit dem Schiff von Arnis gekommen, um bei Sommerregen schließlich Busdorf zu erreichen. Dort wurde das Schiff von zahlreichen „Wikingern“ in Empfang genommen: Bärtige Männer in langen Gewändern, Frauen in wallenden, geschnürten Kleidern.

Neben den über 20 Schiffen aus dem gesamten Ostseeraum, die sich zum bislang größten Treffen dieser Art in Europa versammeln, können die Freunde der Nordmänner bis Sonntag rund um das Wikinger Museum Haithabu auch einen Wikingermarkt besuchen oder ein Theaterstück verfolgen.

Am Sonnabend trotzten die Besucher einigen Regenschauern und nahmen die Gelegenheit etwa zum Segeln oder Grillen wahr. Viele Kinder waren mit ihren Eltern unterwegs und konnten unter anderem eine Korbflechterin bei der Arbeit beobachten. Mittelalterlich gekleidete Besucher kamen auch von weiterer her – aus Peine in Niedersachsen oder gar Belgien.

Am Sonnabendmorgen hatte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) das Treffen eröffnet. Albig bezeichnete Haithabu laut Mitteilung als „kulturelle Top-Adresse in Norddeutschland“. Das Wikinger-Erbe verbinde Schleswig-Holstein mit Nordeuropa. Die Wikinger seien ein „gemeinsames, grenzüberschreitendes kulturelles Erbe“. Das sieht auch Anton Englert so. Ein Mitglied der „Havhingsten“-Crew habe gesagt, es gebe so viele deutsche Gäste in Roskilde. Nun wolle man die Gäste einmal selbst besuchen.

Das erste Mal ist das Schiff in Deutschland. 1962 wurde das Original bei Skuldelev ausgegraben. Von 2000 bis 2004 wurde der Nachbau gefertigt, der zwei Jahre lang in Skagerrak und Kattegat erprobt wurde. Ein „fachliches Milieu aus Akademikern und Handwerkern“ sei dafür nötig gewesen, so Englert. Originale Methoden wurden angewandt: So wurde das Holz einst gespalten, nicht gesägt. 2007/08 fuhr das Schiff nach Dublin – dorthin, wo das Original im 11. Jahrhundert gebaut wurde. Nach Haithabu komme es nun, weil dies ein wichtiger Stützpunkt und Handelsort gewesen sei, sagt Englert.

Und auch kriegerisch war auf der Schlei etwas los: „Langschiffe jagten sich hier in innerdänischen Kämpfen.“ Besucher können das Eichenholz-Schiff das Wochenende über besuchen, es gibt Führungen, Schautafeln und Aktivitäten für Kinder. Ein wahrgewordener Kindheitstraum ist seine Arbeit auch für den 45-jährigen Englert: Als Fan der Serie „Wickie und die starken Männer“ infizierte er sich früh mit dem Wikinger-Virus.

Weitere Informationen zum Wikingerschiff-Treffen gibt es auf der Internet-Seite von „Kurs Haithabu“.

dpa

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