Landkreis Hildesheim

K+S will Kalibergwerk wieder eröffnen

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Testlauf: Im Bergwerk des Bergbauunternehmen der K+S AG werden derzeit Vorbereitungen für eine mögliche Reaktivierung der Anlage getroffen.

Hildesheim - Mehr als 25 Jahre nach der Stilllegung steht das Kalibergwerk bei Hildesheim vor einem Neustart. Dieser scheint wegen der wachsenden Nachfrage nach Düngemitteln lukrativ.

In nur zwei Minuten rauscht der neue Förderkorb mit seinen Insassen in die Tiefe. Früher dauerte die Fahrt eine halbe Stunde. Hier unten, 750 Meter unter der Erde im Schacht Fürstenhall des Kalibergwerks Siegfried-Giesen im Landkreis Hildesheim, ist es mit über 30 Grad heiß wie im Hochsommer. Oben weht ein kalter Ostwind. Trotzdem geht es auch hier unten ein bisschen weihnachtlich zu, ein riesiger Adventskranz leuchtet unter der Deckenwölbung. Letzte Vorbereitungen werden für die Feier der heiligen Barbara am heutigen Donnerstag getroffen, deren Statue in einem kleinen Schrein in der Schachtwand ruht. Sie ist die Schutzpatronin der Bergleute.

Die heilige Barbara ist wieder da, denn im Bergwerk des Düngemittel- und Salzproduzenten K+S tut sich wieder etwas. 1987 hatte der Kasseler Konzern die Mine stillgelegt – obwohl die Lagerstätten seit dem Start im Jahr 1904 längst nicht erschöpft waren. Doch auf dem Kalimarkt herrschten Überkapazitäten. Kali, oder genauer Kaliumchlorid, ist der wichtigste Dünger der Landwirte, um Weizen- oder Zuckerrübenerträge zu steigern. Doch in den achtziger Jahren gab es in Europa eine Überproduktion. Deshalb brauchten die Bauern weniger Kali – die sinkende Nachfrage drückte die Preise.

Inzwischen hat sich der Markt gedreht, eine weltweit wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln treibt das Geschäft mit Düngemitteln an. Deshalb will K+S das stillgelegte Bergwerk wieder in Betrieb nehmen, zu dem vier Schächte bis in eine Tiefe von 1000 Metern gehören. Möglich ist das nur, weil frühere Konzernlenker die alte Kalimine als Reservebergwerk erhalten haben.

Nach einer positiven Machbarkeitsstudie im Jahr 2011 und dem Raumordnungsverfahren 2012 läuft jetzt das Planfeststellungsverfahren beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, wie Konzernsprecher Ulrich Göbel berichtet. Bis zur Baugenehmigung dürfte es noch bis Ende nächsten Jahres dauern, weil erst alle Einwände gegen das Vorhaben von den Behörden geprüft und bewertet werden müssten. Und Vorbehalte habe es gegeben, räumt der Firmensprecher ein, etwa wegen der Verkehrs- und Umweltbelastung.

Trotzdem ist K+S zuversichtlich, dass die Reaktivierung des Bergwerks genehmigt wird. Deshalb trifft der Konzern bereits Vorbereitungen. Ein Team von 20 Mitarbeitern – Bergleute, Kfz-Mechaniker, Elektriker und Schweißer – arbeitet unter Tage, wie Projektleiter Johannes Zapp berichtet. Es ist dabei, die verzweigten Stollengänge mit einer Gesamtlänge von 300 Kilometern zu verbreitern. Die nötigen Maschinen wie das riesige Ungetüm einer Firstenfräse, deren Schneidkopf unter Höllenlärm die gerippten Wände zur Erweiterung der Hohlräume „abraspelt“, werden oben komplett zerlegt, über den neuen Schachtaufzug nach unten befördert, an ihren Bestimmungsort gebracht und dort wieder zusammengebaut.

Vor allem aber geht es um die Erkundung der Vorräte. Eine Explorations-bohrmaschine treibt 1,5 Kilometer tiefe Löcher in die Wände. Die Bohrkerne werden auf ihren Wertstoffgehalt untersucht, wie Zapp erklärt. Abgesehen habe man es auf das Kieserit, ein Magnesiumsulfat, aus dem hochwertige Düngemittel für Sonderkulturen wie den Weinbau hergestellt werden. Bekannte Vorkommen von 83 Millionen Tonnen lagern in dem Salzstock. Das entspricht einer Lebensdauer von über 30 Jahren. Nach Erkundung weiterer Lagerstätten dürfte sie sich laut Zapp auf 40 Jahre erhöhen. Nur 40 Prozent der Vorräte, rund 2,7 Millionen Tonnen pro Jahr, lassen sich zu Dünger verarbeiten, der Rest ist Abraum, der zu 70 Prozent wieder unter Tage verschwinden soll.

Die endgültige Entscheidung über die Reaktivierung des Bergwerks dürfte der K+S-Vorstand nach Angaben des Konzernsprechers 2016 treffen. Sie hänge letztlich davon ab, ob das Bergwerk wirtschaftlich zu betreiben sei. Zwar ist der Kalimarkt zwischenzeitlich unter Druck geraten, aber das schreckt den Konzern offenbar nicht. Die Preise erholten sich, sagt Göbel. Läuft alles glatt, soll die Produktion 2018 oder 2019 starten. Der Konzern brauche die Kapazitäten, um seine Stellung im Weltmarkt zu behaupten, erklärt er. Nicht nur das. K+S könnte „nahtlos“ sein Bergwerk Sigmundshall in Wunstorf-Bokeloh ersetzen, das dann wegen erschöpfter Lagerstätten geschlossen werden soll.

Rund 30 Millionen Euro lässt sich K+S allein die Vorbereitung einschließlich der Maschinen kosten. Mehrere hundert Millionen Euro will das Unternehmen dann in die Wiederinbetriebnahme des Bergwerks und den Bau einer Düngemittelfabrik stecken – und in der Region etwa 500 neue Jobs schaffen. Etliche weitere würden zudem bei Zulieferern und Dienstleistern entstehen, sagt Göbel. Und Steuereinnahmen für die Kommunen.

K+S braucht neue Kaliminen

Lebensdauer geht zu Ende: K+S ist mit einem 2014 erwarteten Umsatz von knapp vier Milliarden Euro weltweit Nummer vier im Kaligeschäft. Der Marktanteil des Kasseler Düngemittel- und Salzherstellers liegt bei zehn Prozent. Um am Wachstum teilhaben zu können, braucht K+S neue Minen, weil sich die Lebensdauer seiner Bergwerke, die bisher nur in Deutschland liegen, bald dem Ende zuneigt. Daher ist der Konzern auf der Suche nach neuen Kapazitäten. Vor ein paar Jahren hat sich K+S die kanadische Potash One zugelegt, wodurch ab 2016 eine jährliche Kapazität von drei Millionen Tonnen dazukommt.

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