Ab in den Süden

Winterwetter weckt Reisephantasien

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Foto: Sommer, Sonne, Sonnenschein: Auf Mallorca sind es derzeit 16 Grad. Dieses Foto wurde natürlich im August aufgenommen.

Hannover - Perfekte Flitterwochen an der Nordsee sollten es werden. Durch die Dünen wollte das frischvermählte Paar wandern, im Strandkorb entspannen. Doch dann das: minus 4 Grad Celsius hieß es plötzlich im Wetterbericht für die Küste. Statt Strand­idylle warteten dort Schnee und klirrende Kälte.

„Die waren verzweifelt“, berichtet ein Mitarbeiter eines Reisebüros am Flughafen Hannover. Er buchte die jungen Leute um. Dorthin, wo jetzt fast alle hin wollen: in den Süden. Dorthin, wo die Sonne scheint. Bis zu 30 Zentimeter Neuschnee fielen am Wochenende in Norddeutschland, dazu kamen Blitzeis und Sturmböen am Montag. Für viele Deutsche Grund genug, Reißaus zu nehmen. Zumal an diesem Wochenende in Niedersachsen die Osterferien beginnen.

Welche Reiseziele sind jetzt besonders beliebt?

Traditionell beliebtestes Ziel um Ostern sind bei den Deutschen die Kanaren, sagt Anja Braun, Sprecherin der TUI: „Weil das eine Mittelstrecke ist, der Flug nicht so lange dauert und man dort Sonnengarantie hat.“ Hoch im Kurs steht zudem immer noch Ägypten. Im Trend liegen neuerdings aber auch Fernreisen, sagt Braun: „Thailand, Malediven, südliche USA – da scheint garantiert die Sonne.“

Wo ist es jetzt warm?

Zum Beispiel ist der Karibik: Mit 26 Grad Wasser- und 30 Grad Lufttemperatur ist dort jetzt Saison, sagt Wolfgang Boye vom Reisebüro WB Touristik in Hannover. Auch in der Dominikanischen Republik, in Thailand, Kenia oder auf den Seychellen bewegen sich die Temperaturen zwischen 25 und 35 Grad. Frühlingshafter sind die Kanaren: Auf Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura und Teneriffa wird es jetzt etwa 20 Grad warm. Wem es hauptsächlich um den Tapetenwechsel geht, dem empfiehlt Boye die türkische Riviera (bis zu 19 Grad), die Balearen oder Malta (beide bis zu 16 Grad).

Worauf sollten Kunden beim Last-Minute-Buchen achten?

Anfang und Ende der Ferien sind ungünstige Termine für kurzfristige Buchungen. Die besten Angebote sind meist schon weg. „Besser sind krumme Termine“, rät TUI-Sprecherin Braun. Und: Kunden, die auf den letzten Drücker buchen wollen – und das auch noch möglichst preiswert – sollten flexibel sein. „Wer genaue Vorstellungen hat, wird im Zweifel enttäuscht sein“, sagt Braun.

Woran liegt der plötzliche Wetterumschwung in Deutschland?

Tief „Yorick“ bringt kalte Luft aus Skandinavien und Russland nach Norddeutschland. Von Frankreich nähert sich dem Westen zudem Tief „Xaver“ mit viel Feuchtigkeit – in der frostigen Luft bedeutet das erheblichen Schneefall.

Wann gab es zuletzt einen Wintereinbruch um diese Jahreszeit?

Einen vergleichbar harten Kälteeinbruch im März gab es das letzte Mal 2010, davor 2005. Damals hielt das Winterwetter rund drei Tage an. Der März ist somit zwar bekannt für seine Temperaturschwankungen. Einen derart massiven Umschwung zu einem so späten Zeitpunkt, Mitte März, habe es jedoch seit Beginn der Wetteraufzeichnung noch nicht gegeben, sagt Dominik Jung, Meteorologe vom Wetterportal wetter.net

Wie groß ist die Temperaturspanne?

Die höchste bundesweit vom Deutschen Wetterdienst gemessene März-Temperatur lag bei 26,6 Grad, erreicht am 28. März 1989 in Baden-Baden. Eistage mit Höchstwerten von unter 0 Grad sind vor allem Anfang des Monats keine Seltenheit. Im sächsischen Görlitz betrug die Höchsttemperatur am 4. März 1971 minus 11 Grad.

Wie lange bleibt es kalt?

Mindestens bis Freitag. In den kommenden Tagen zieht das Winterwetter weiter Richtung Süden, heute sollen vor allem die Mitte und der Westen Deutschlands viel Schnee abbekommen. Bis zum Wochenende verharren die Temperaturen tagsüber bei 0 bis minus 1 Grad Celsius, nachts sinkt das Thermometer auf minus 3 bis minus 8. Am Mittwoch und Freitag erwarten Meteorologen ein wenig Sonne. Milder wird es mit bis zu 7 Grad erst am Wochenende. Wetterexperte Jung geht dennoch von einem ungemütlichen Rest-März aus. „Richtig schön wird es erst Anfang April“, sagt der Meteorologe.

Leiden Frühblüher unter der Kälte?

Solange sie von Schnee bedeckt sind und die Temperaturen um die 0 Grad bleiben, passiert den Pflanzen wenig. Ab etwa minus 8 Grad und Bodenfrost kann es hingegen zu Erfrierungen kommen, sagt Gärtnerei-Inhaber Ludolf Markgraf aus Hannover. Betroffen sind dann vor allem Blumen wie Hyazinthen, die viel Wasser im Stiel führen. Wer empfindliche Arten im Garten hat, sollte diese daher schützen, etwa mit speziellen Kokosmatten.

Wie hat sich das Wetter auf den Verkehr ausgewirkt?

Insgesamt verursachten Blitzeis und heftiger Schneefall gestern Hunderte von Unfällen und zahlreiche Staus. Auf der Autobahn 1 im Kreis Stormarn (Schleswig-Holstein) fuhren fünf Lastwagen ineinander. Die Autobahn war stundenlang gesperrt, der Stau reichte zeitweise bis nach Hamburg. Auf der A 3 Köln–Frankfurt wurden sechs Menschen verletzt, 20 Autos und fünf Lastwagen beschädigt. Im Bereich Braunschweig wurden rund 200 Unfälle registriert. Für 32 500 Schüler an 84 Schulen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen fiel der Unterricht aus: Auf den Straßen hatte der Wind teils für meterhohe Verwehungen gesorgt.

(mit: dpa)

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