Fregatte Niedersachsen

„Wir freuen uns auf die Familie“

Foto: Kleinen Booten, in denen sie Piraten vermuteten, näherten sich die Soldaten der Fregatte „Niedersachsen“ mit einem schnellen Schlauchboot, das auch häufig für die Kontaktaufnahme zu Fischern genutzt wurde.

Wilhelmshaven - Seit einem knappen halben Jahr war sie am Horn von Afrika unterwegs, legte gut 30.000 Seemeilen zurück: Die Fregatte „Niedersachsen“ kehrt am Freitag vom Anti-Piraterie-Einsatz zurück.

Auf dem Terminplan von Innenminister Boris Pistorius steht für Freitag ein Hubschrauberflug. Er beginnt in Wilhelmshaven und endet irgendwo in der Nordsee. Der SPD-Politiker fliegt der Fregatte „Niedersachsen“ einige Seemeilen entgegen, um das Kriegsschiff auf der letzten Etappe seiner Rückreise vom Anti-Piraterie-Einsatz zu begleiten. Seit Juli hat die „Niedersachsen“ an der EU-Mission Atalanta im Indischen Ozean und Roten Meer teilgenommen. Gut 30.000 Seemeilen hat sie seither zurückgelegt.

„Der Einsatz war gut“, sagt Fregattenkapitän Kurt Leonards. Der 45-jährige Kommandant des Schiffes räumt aber auch ein, dass seine Besatzung (210 Männer und 15 Frauen) froh ist, noch vor Weihnachten wieder in den Heimathafen einlaufen zu können. „Jetzt freuen wir uns alle auf unsere Familien“, sagt Leonards und fügt hinzu, die schönste Erfahrung für ihn persönlich sei, dass er alle Soldatinnen und Soldaten heil nach Hause bringen könne.

Beinahe wäre ihm das nicht gelungen. So ging am 5. Dezember bei Wartungsarbeiten im Roten Meer ein Mann über Bord. „Das hätte schlimm ausgehen können. Doch nach sieben Minuten hatten wir ihn mit dem Helikopter gefischt. Einen seiner Männer lebendig aus dem Meer zu bergen macht wunschlos glücklich.“

Der Kampf gegen die Piraten vor der Küste Somalias verlief dagegen relativ unspektakulär. Die Aktivitäten der Seeräuber haben dort spürbar nachgelassen. So kam es im Jahr 2013 bisher insgesamt nur zu zehn Piratenangriffen. Davon war kein einziger Angriff erfolgreich.

Immerhin, auf Patrouille vor Somalia, in der Nähe eines vermuteten Piratencamps, entdeckte ein Bordhubschrauber der „Niedersachsen“ einmal ein verdächtiges Boot. Es handelte sich um einen sogenannten „Whaler“ (Kleinboot), das ein weiteres Kleinboot hinter sich herzog. Es war ersichtlich, dass sich keine Fischereiausrüstung an Bord befand, sondern Leitern zum Entern von Handelsschiffen und mehrere Kraftstofffässer mitgeführt wurden.

„Da sich die Hinweise auf Piraterie erhärteten, fuhren wir an das verdächtige Kleinboot heran, um es durch unser Boardingteam zu überprüfen“, erzählt Leonards im Gespräch mit der HAZ. Während der Annäherung des Teams mit unserem Speedboot warfen die Verdächtigen mehrere Enterleitern über Bord. Anschließend sprangen einige von ihnen über Bord und schwammen an das nur wenige Meter entfernte Land. Auf diese Weise entzogen sie sich einer Festnahme.

Auch wenn die Besatzung keinen unmittelbaren Kontakt zu Piraten hatte - sie hat immer wieder das Gespräch mit somalischen Fischern gesucht und gefunden und dabei fast jedes Mal gehört: „Weil ihr hier seid, sind die Piraten weg.“

Leonards wird ein bisschen weh ums Herz, wenn er auf die Zukunft der „Niedersachsen“ angesprochen wird. Aber es steht fest, die dann 33 Jahre alte Fregatte wird 2015 abgerüstet, außer Dienst gestellt und danach verschrottet. Dann endet auch die Patenschaft des Landes Niedersachsen für das Schiff. Aber davon wird am Freitag bei der Freude über die glückliche Heimkehr in Wilhelmshaven wohl keine Rede sein.

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