Tag der Seenotretter

„Wir versuchen alles, was wir können“

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Foto: Timo Wieck ist Seenotretter.

Bremen - Seenotretter riskieren ihr Leben, um anderen Menschen zu helfen. Hunderte Wattwanderer, Surfer oder Segler geraten jedes Jahr in Lebensgefahr, nicht selten aus Leichtsinn. Heute zeigen die Männer und Frauen beim Tag der Seenotretter was sie können.

Sommer, Sonne, Seenot: Für die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger hat die Hochsaison begonnen. Am Sonntag stellen sie ihre Arbeit und Ausrüstung vor. Zum Tag der Seenotretter sind viele der 54 Stationen zwischen Borkum und Ueckermünde sowie die Zentrale in Bremeen geöffnet. Vormann Timo Wieck vom Seenotkreuzer „Hermann Helms“ in Cuxhaven berichtet im dpa-Interview von seiner Arbeit.

Wie läuft diese Saison bisher? Dieses Jahr hat es ruhig angefangen. Vor etwa vier Wochen ging es dann von Null auf Hundert richtig los. Es kann sein, dass wir zwei, drei Tage gar nicht fahren und dann drei oder vier Einsätze an einem Tag haben.

Was sind die größten Fehler, die Wassersportler machen? In derRegel ist es Unkenntnis des Gewässers. Die Leute kommen aus dem Binnenland und unterschätzen meistens den Wind und in den Tidegewässern hier bei uns die Strömung. Sie fühlen sich teilweise sehr mutig. Aber wenn man in den Strom kommt, hat man eigentlich schon verloren.

Wen retten Sie am häufigsten? Es sind Surfer, kleine Segelboote, große Segelboote, Motorboote. Wir hatten in den letzten Tagen oft das Problem, dass kleine Segelboote nachts bei ablaufendem Wasser gekommen sind. Die haben nicht genug Kraft in der Maschine, um gegen die Strömung anzukommen. Der Wind kommt auch noch aus einer ungünstigen Richtung und so machen wir dann auch Einschlepphilfe, wenn die auf der Elbe nicht mehr vorwärtskommen. Hier haben wir sonst aber natürlich viel mit der Berufsschifffahrt zu tun.

Gibt es Grenzen für Ihre Einsätze? Grenzen gibt es direkt nicht. Man kann nicht im Hafen sagen, das wird nichts, das ist zu viel, da kommen wir nicht hin. Wir fahren grundsätzlich los, versuchen natürlich alles, was wir können. Aber man kann erst vor Ort entscheiden, was machbar ist.

Wie reagieren Menschen, die Sie aus Lebensgefahr retten? Manche überschütten einen mit Dankbarkeit, andere sind ganz still. Gelegentlich kommt später eine Postkarte oder ein paar Monate später stehen sie vor dem Schiff. Man kann noch mal drüber reden, und dann ist in der Regel die Dankbarkeit groß. Wir freuen uns natürlich, dass wir helfen können, aber letztendlich ist das unser Job und den tun wir gerne.

Sind Sie bei ihren Einsätzen schon einmal soweit in Lebensgefahr geraten, dass es eng wurde? Da gab es sicherlich schon Situationen. Kein Einsatz ist wie der andere. Aber man denkt eigentlich gar nicht drüber nach, man versucht, den Job so gut wie möglich zu machen.

Zur Person

Timo Wieck ist 41 Jahre alt und war bis 2008 als Kapitän auf den Weltmeeren unterwegs. Bei der DGzRS heuerte er an, weil ihn die Arbeit auf einem Seenotkreuzer interessierte. Bereits in den Jahren zuvor war er als ehrenamtlicher Seenotretter im Einsatz.

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