Er schrieb ihn als Koautor unter Pseudonym

Wirbel um Krimi von SZ-Feuilleton-Chef

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Thomas Steinfeld

Frankfurt/Main - Schon vor dem Erscheinen hat ein neuer Schweden-Krimi mit dem Titel “Der Sturm“ für großen Wirbel im deutschen Feuilleton gesorgt.

Der Kulturchef der “Süddeutschen Zeitung“, Thomas Steinfeld, gab sich am Mittwoch als Koautor des unter Pseudonym geschriebenen Buchs zu erkennen. In einer der Nachrichtenagentur dpa übermittelten Erklärung wies er aber die Vermutung zurück, der Krimi um einen in Schweden ermordeten deutschen Chefredakteur sei ein gegen “FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher gerichteter Schlüsselroman. Darunter wird ein Roman verstanden, der Rückschlüsse auf wirkliche Personen zulässt.

“Die Welt“ hatte am Dienstag Steinfeld als mutmaßlichen Autor des Krimis genannt, den der Frankfurter S. Fischer Verlag unter dem Pseudonym Per Johannson angekündigt hat. Zugleich warf die Zeitung dem “SZ“-Ressortleiter vor, einen literarischen Rachefeldzug gegen Schirrmacher zu betreiben. Der im Roman ermordete Journalist namens Christian Meier trage Züge des Herausgebers der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, hieß es.

Der tote Chefredakteur sei eine “abstrakte, idealtypische Gestalt“, erklärte dagegen Steinfeld. Darin seien einige der jüngsten Themen des internationalen Feuilletons sowie Züge vieler Kulturjournalisten eingeflossen. Es sei abenteuerlich, diese auf eine lebende Person “und zudem auf einen respektierten Journalisten“ zu übertragen, betont Steinfeld, ohne Schirrmacher namentlich zu nennen. Alle Ereignisse und Figuren im Roman seien fiktiv. “Viele davon sind artifiziell zugespitzt.“ Es sei nur darum gegangen, “mit Ernst, Können und Humor einen guten Kriminalroman zu schreiben“.

Als Belege für einen Schlüsselroman hatte die “Die Welt“ Passagen gewertet, in denen der fiktive Meier als “ein journalistisches Genie“ beschrieben wird, als einer, “der die Stimmung der Zeit in Worte fassen konnte, der ein großes Publikum beschäftigte, im Guten wie im Bösen“. Er habe “weltumspannende Phantasien über die Macht der Netzwerke, die Zukunft der Roboter und die Allmacht der Gentechnik“ veröffentlicht und über die Überalterung der Gesellschaft geschrieben.

Schirrmacher veröffentlichte Bestseller wie “Das Methusalem-Komplott“, “Payback“ oder “Minimum“. Der “FAZ“-Herausgeber sagte der dpa zum Wirbel um den “Sturm“ lediglich: “Ich lese keine schwedischen Kriminalromane.“ Steinfeld war einst unter Schirrmacher Literaturchef der “FAZ“. Dann wechselte er 2001 zur überregionalen Konkurrenz nach München.

S. Fischer gab sich am Mittwoch selbstkritisch. Bei der “Inszenierung des Pseudonyms“ sei der Verlag zu weit gegangen. “Wir hätten die reale Existenz von “Per Johansson“ in dieser Form nicht behaupten sollen“, erklärte Programmgeschäftsführer Jörg Bong. Er bedauerte zugleich, dass der Eindruck entstanden sei, Stellen des Romans könnten sich gegen “FAZ“-Herausgeber Schirrmacher richten.

Im Buch präsentiert der Verlag das Foto und den angeblichen Lebenslauf eines Per Johansson, “1962 in Malmö geboren“. Von einem Pseudonym ist da keine Rede. Auf seiner Internetseite korrigierte der Verlag dagegen am Mittwochabend seine Angaben. Nun heißt es dort: “Per Johansson ist das Pseudonym des Autoren-Duos Thomas Steinfeld und Martin Winkler.“

Steinfelds Erklärung im Wortlaut

Steinfeld ließ der Nachrichtenagentur dpa eine Erklärung zukommen, die hier im Wortlaut dokumentiert ist:

“In eigener Sache

Der Kriminalroman “Der Sturm“, der in der kommenden Woche im S. Fischer Verlag erscheinen soll, hat in den deutschen Feuilletons Fragen nach seinem realen Hintergrund ausgelöst. Deswegen sei klargestellt: Hinter dem Autorenpseudonym “Per Johansson“ verbirgt sich ein Autoren-Duo, zu dem der Kulturjournalist und Autor Thomas Steinfeld gehört.

Dieses Duo hatte keine andere Absicht, als mit Ernst, Können und Humor einen guten Kriminalroman zu schreiben. Alle Ereignisse und Figuren in diesem Roman sind daher fiktiv, viele davon sind artifiziell zugespitzt. Der Roman wurde, bevor das Manuskript an den Verlag ging, von Autorenkollegen gegengelesen. Keiner von ihnen kam auf den Gedanken, es könne sich bei diesem Buch um einen Schlüsselroman handeln. Der tote deutsche Chefredakteur, der für die Kommentatoren des Romans eine große Rolle spielt, ist eine abstrakte, idealtypische Gestalt, in deren Bild einige der jüngsten Themen des internationalen Feuilletons sowie Züge vieler Kulturjournalisten und ihrer Leser eingegangen sind.

Diese Gestalt jetzt identifizieren zu wollen, indem man abenteuerliche Züge dieser Figur auf einen lebenden Menschen - und zudem auf einen respektierten Journalisten - überträgt und behauptet, damit den Roman und sein Motiv entlarvt zu haben, widerspricht den Grundlagen des Umgangs mit fiktiver Literatur.

Thomas Steinfeld“

dpa

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