Abzug der Briten

Wird Bad Fallingbostel zur Geisterstadt?

+
Die Innenstadt von Bad Fallingbostel hat schon jetzt mit Leerstand zu kämpfen.Herzog (2)

Bad Fallingbostel - Bad Fallingbostel rüstet sich für die Zeit nach dem Abzug der Briten: Wenn die Soldaten 2015 weggehen, will die Stadt Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.

Mit dem Wegzug britischer Soldaten kennt sich Bad Fallingbostel (Heidekreis) schon aus. Zu Hunderten haben sie vor Jahren marode Sechziger-Jahre-Wohnblocks am Stadtrand verlassen. Doch sie zogen nur ein Stückchen weiter in schickere Häuser. Ende 2015 aber zieht sich das britische Militär komplett aus Niedersachsen zurück. Und davon ist die kleine Kreisstadt in der Heide ganz besonders betroffen. Unweit der Britenkaserne sind derzeit 750 Wohnungen im Stadtkern und 85 erst zwei Jahre alte Häuser im Ortsteil Dorfmark von britischen Familien bewohnt. Schon jetzt bemüht sich die Stadt um eine möglichst ­reibungslose Nachnutzung. Denn keinesfalls sollen wieder soziale Brennpunkte entstehen wie damals in den Wohnblocks „Am Weinberg“, wo die billigen Mieten unter anderem große Familien jesidischer Kurden anzogen.

„Hier standen einmal fünf dreistöckige Häuser“, sagt Sozialarbeiter Michailo Vojinovic vom „Weinberg“-Stadtteilbüro und zeigt auf eine Grünfläche mit neuem Spielplatz. Mit dem Teilabriss, umfangreichen Sanierungen und jahrelanger Integrationsarbeit sei es gelungen, den Brennpunkt zu entschärfen. Was aber, wenn nun wiederum mit den noch hier verbliebenen rund 600 Briten die Hälfte der „Weinberg“-Bewohner wegzieht?

Nicht nur der „Big Ben“-Imbiss und die „Paradise Lounge“, sondern die gesamte Stadt wird betroffen sein. Die britischen Familien werden im Super- und Baumarkt fehlen, als Taxikunden und als Picknickgruppen auf den Wiesen von Kurpark und Waldschwimmbad. Außerdem werden rund 240 Zivilangestellte des britischen Militärs ihre Arbeitsplätze verlieren.

„Meine Mutter ist auch betroffen“, erzählt etwa die Bad Fallingbostelerin Annika Lohmann. „Sie hat auf dem Kasernengelände eine eigene Bar.“ Die 38-Jährige befürchtet, dass ihr Wohnort außer „Spielplätzen an jeder Ecke“ bald nichts mehr zu bieten hat. Angst vor einer „Geisterstadt“ hat auch Susanne Epping in der Bäckerei „Vatter“. Bereits jetzt fragten Kurgäste oft, wo denn die Innenstadt sei, erzählt die Verkäuferin. „Dann muss ich sagen: Sie sind mittendrin.“ Schon länger hat Bad Fallingbostel, als Kneipp-Kurort zertifiziert, unter dem Leerstand von Läden zu leiden. Doch immerhin: In dieser Woche hat gerade ein Kleidungsgeschäft neu eröffnet.

Dass die Innenstadt „hübsch gemacht“ werden muss, daraus macht auch der Bürgermeister kein Hehl. Daran werde auf unterschiedlichen Ebenen hart gearbeitet, berichtet Rainer Schmuck: mit Zukunftskonferenzen für ein Leitbild bis 2030, mit Gutachten der Kommune, Arbeitskreisen der Kaufleute und zahlreichen Bürgerversammlungen. „Konkret vorgesehen ist zunächst die Verkehrsberuhigung der Innenstadt“, sagt der CDU-Politiker. Straßenkreisel, neue Gehwege, Parkflächen und Sitzgruppen sollen dazu beitragen.

Für die Kasernen im angrenzenden Oerbke ist die Stadt nicht direkt zuständig, sie beteiligt sich aber an der regionalen Projektgruppe zur Konversion. Auch bei den „Leitbild“-Runden beflügelt das Gelände, das doppelt so groß wie der Ort Oerbke ist, die Phantasie. Ideen für eine Umwandlung gibt es reichlich: von der Nutzung als Universitäts- oder Fachhochschulgebäude bis zum Wellnesszentrum. Der Standort, betont Bad Fallingbostels Bürgermeister, hat viel zu bieten: nicht nur schöne Heidelandschaft, sondern auch die Lage an der Autobahn zwischen Hannover, Hamburg und Bremen. Schmuck zeigt sich optimistisch: „Das wird ein großer Wurf.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare