Gefährdung von Grundwasser

Wohin mit dem ganzen Mist?

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Foto: 39 Millionen Tonnen Gülle und acht Millionen Tonnen Mist – so viel sogenannten Wirtschaftsdünger haben die Tiere in der niedersächsischen Landwirtschaft im letzten Jahr produziert. Doch wohin damit?

Hannover - Laut dem diesjährigen Nährstoffbericht gefährden 47 Millionen Tonnen Wirtschaftsdünger in einigen Regionen in Niedersachsen das Grundwasser.

39 Millionen Tonnen Gülle und acht Millionen Tonnen Mist – so viel sogenannten Wirtschaftsdünger haben im vergangenen Jahr die Tiere in der niedersächsischen Landwirtschaft produziert. Das geht aus dem am Mittwoch in Hannover erstmals vorgestellten Nährstoffbericht hervor. Die Landwirtschaftskammer hat die Daten im Auftrag des Agrarministeriums in Hannover zusammengetragen. Den größten Teil von Gülle und Mist – 26 Millionen Tonnen – verwenden die Landwirte zur Düngung ihrer eigenen Felder. Was aber tun mit dem Überschuss? Niedersachsens Betriebe mit Viehhaltung produzieren mehr natürlichen Dünger, als sie auf ihrem eigenen Land aufbringen dürfen.

Jedenfalls kann das nicht gelingen, ohne Vorschriften zu verletzen, die das Grundwasser schützen sollen. Insbesondere in den Landkreisen Emsland, Vechta und Cloppenburg enthält das Wasser nach Angaben des Agrarministeriums mehr Stickstoff und Phosphor als erlaubt.In der Weser-Ems-Region fehlen, das ist erstmals aus dem Nährstoffbericht ablesbar, 65 000 Hektar Land für eine „boden- und umweltverträgliche Düngung“, wie Meyer gestern sagte. „Niedersachsen muss sein Grundwasser vor nicht sachgerechter Überdüngung schützen.“ Landesweit sei rund 60 Prozent des Grundwassers belastet. „Es kann nicht sein, dass dort überall ordnungsgemäß gedüngt wurde“, sagte der Grüne. Häufig würden die Flächen in den Tierhaltungsregionen in Westniedersachsen liegen, „wo die Tierzahl deutlich höher ist als die Zahl der verfügbaren Flächen“, erklärte Meyer.

15 Millionen Tonnen geben die Landwirte darum an andere Betriebe ab oder exportieren in andere Regionen Niedersachsens oder gar in andere Bundesländer. Mit weiteren sechs Millionen Tonnen wird Energie in Biogasanlagen erzeugt, die aber wiederum knapp zehn Millionen Tonnen Gärreste erzeugen, die ebenfalls zur Düngung verwendet werden. „Niedersachsenweit hätten wir ausreichend Flächen“, sagte Meyer. Grundlage des Berichts sind Meldungen der Bauern an die Landwirtschaftskammer, die seit Sommer 2012 verpflichtend sind. „Die Zahlen verdeutlichen erstmals, in welchen Regionen möglicherweise zu viel Dünger auf Feld und Wiese landet“, sagte Meyer. Sie seien zugleich Auftrag, gegenzusteuern.

Der Handel mit Mist

Bessere Grundwasserwerte erreichen will Meyer mit einem sogenannten Güllekataster. Es gibt bereits jetzt einen schwunghaften Börsenhandel mit Gülle, Mist und Gärresten. Denn während im Westen Niedersachsens zu viel Nitrat und Phosphor in den Boden gelangen, fehlt in anderen Regionen des Landes, vor allem im Südosten, der Wirtschaftsdünger. Das Problem aus Sicht der Landesregierung ist: Ob der einzelne Landwirt mehr Gülle ausgebracht hat als erlaubt, ist aus den Daten bisher nicht ersichtlich. Durch den „Gülle-Tourismus“, wie die Landkreise im Westen jüngst bemängelten, ergäben sich sogar Fehlinterpretationen.

Verstöße gegen das Düngerecht könnten derzeit nicht geahndet werden. Hier soll das Güllekataster Abhilfe schaffen. Es soll für jede Fläche genau festhalten, von welchem Landwirt die Gülle stammt. Die umweltgerechte Entsorgung wäre damit sichergestellt, lautet die Hoffnung.Besonders die Landwirte im Westen Niedersachsens wehren sich gegen die Interpretation des Nährstoffberichts durch den grünen Agrarminister. „Der Bericht unterstreicht, dass sich die Landwirte an der guten fachlichen Praxis orientieren“, erklärte Hubertus Berges, Kreisvorsitzender des Landvolks in Cloppenburg. „Wir haben überhaupt kein Interesse daran, unsere Böden zu überdüngen.“ Die Nitratwerte lägen unter den Grenzwerten, Meyer solle sich besser informieren. Der Landvolk-Landesverband sprach sich gegen das von Meyer geplante Kataster aus: „Bürokratische Auflagen schaffen hier keine Abhilfe“, sagte Präsident Werner Hilse. „Unsere Landwirte nehmen die Vorgaben des Düngerechts sehr ernst.“

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