Ikea entwickelt Flüchtlingshäuser zum Selbstaufbauen

Wohnst du schon?

Foto; Aufbau in vier Stunden: die Ikea-Flüchtlingshütte.

Hannover - Heute leben weltweit etwa 3,5 Millionen Flüchtlinge in Zelten und provisorischen Notunterkünften. Jetzt entwickelt die Ikea-Stiftung Plastikhäuser für Flüchtlingslager.

Die Bauteile werden im braunen, flachen Karton ausgeliefert. Sie sollen in vier Stunden aufzubauen sein – und zwar ganz leicht, ohne Werkzeug und fremde Hilfe. Gedacht ist die neueste Ikea-Konstruktion aber nicht für junge Familien oder die erste Studenten-WG. Nach Billy, Ivar und Pax hat das Einrichtungsimperium in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen eine Unterkunft für Kriegsflüchtlinge konstruiert. Wenn es nach dem Willen der Ikea-Stiftung geht, sollen die Häuser künftig die weißen Flüchtlingszelte in den Camps überall in der Welt ablösen.

Die gemeinnützige Stiftung des Möbelhausgründers Ingvar Kamprad hat gemeinsam mit dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) drei Jahre an der Konstruktion gearbeitet. Zwar wurde die Philosophie der Ikea-Möbel übernommen, die Häuser werden allerdings nicht in Ikea-Fabriken, sondern vom UNHCR in Kooperation mit der schwedischen Nichtregierungsorganisation Refugee Housing Unit entwickelt und von Hand hergestellt. Sie sollen mehr Komfort bieten als bisherige Unterkünfte und außerdem länger halten. Während die Flüchtlingszelte, die neben Containern heute noch den Großteil der Unterkünfte in den Camps stellen, im Schnitt nach sechs Monaten ersetzt werden müssen, sollen die neuen Hütten mindestens drei Jahre stehen.

In einem Video auf der Internetseite zeigt die Ikea-Stiftung, wie das neue Haus aufgebaut wird. Das etwa 100 ­Kilogramm schwere Paket wird demnach zunächst ausgepackt, danach werden die Bauteile sortiert. Ähnlich wie beim Zelt wird die Hütte von einem Stangengerüst gehalten. Die Wände sind aus leichtem Plastik, auf dem Kunststoffdach sind Solarzellen angebracht, um abends für Licht und etwas Strom zu sorgen. Die Hütte hat eine Grundfläche von 17,5 Quadratmetern und soll einer fünfköpfigen Familie Platz bieten. Die ersten 26 Selbstbauhütten sollen nach UNHCR-Angaben in diesen Tagen zu Testzwecken in Äthiopien eingetroffen sein, zwölf weitere werden an der syrischen Grenze im Libanon und im Irak erwartet.

Bestehen die Hütten den Praxistest, will die UN-Flüchtlingsorganisation grünes Licht für die Massenproduktion geben. Dadurch sollen die Kosten für ein Haus von momentan noch 6700 Euro auf rund 700 Euro sinken. Das wäre zwar noch doppelt so teuer wie ein Zelt. Doch die längere Lebensdauer – und der gesteigerte Komfort – würden den höheren Preis aufwiegen. Die Zahl der Menschen, denen das Projekt helfen könnte, ist tatsächlich gewaltig. Mehr als 45 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht.

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