Britischer Wahlkampf, deutsches Motiv

Wonderful Weimar

Wahlkampf made in Germany: Das umstrittene Plakatmotiv der Tories.

Hannover - Es mag eine ganze Weile gedauert haben, doch seit einigen Jahren genießt Deutschland in Großbritannien einen hervorragenden Ruf. Das zeigt sich nun besonders auf dem neuen Wahlplakat der Konservativen - mit einer Szene aus Weimar.

Voller Bewunderung blickt mancher an der Themse auf das Wirtschaftswachstum in der Bundesrepublik. In der Vorweihnachtszeit waren britische Innenstädte gesäumt von „German Christmas Markets“, deutschen Weihnachtsmärkten. Und in London sind deutsche Bratwürste längst so angesagt wie Fish & Chips.

Die Konservative Partei von Premierminister David Cameron hat es jetzt mit der Deutschland-Freundlichkeit etwas übertrieben: Zum neuen Jahr stellte Cameron das erste Plakatmotiv für den beginnenden Unterhauswahlkampf vor. Es zeigt eine Landstraße inmitten sattgrüner Natur, darüber blauer Himmel, darunter die Nationalflagge Union Jack. Die Aussage: „Lasst uns auf der Straße zu einer stärkeren Wirtschaft bleiben.“

Jetzt allerdings wurde bekannt: Die Landschaft, die auf diesem idyllischen Motiv zu sehen ist, befindet sich gar nicht in Großbritannien - es handelt sich um eine Szene aus der Nähe von Weimar. Die Bildagentur iStock bietet es auf ihrer Website an. Der „Independent“ startete umgehend einen Vergleich und ermittelte: Etwa 35 Prozent des deutschen Motivs wurden verwendet, der Rest sei retuschiert oder aus anderen Bildern eingebaut worden. Die Straße zur starken britischen Wirtschaft - sie führt zumindest teilweise durch Thüringen.

Den Weg dorthin könnte Premier Cameron heute bei einem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in London in Erfahrung bringen. Die beiden wollten den G-7-Gipfel vorbereiten, der Anfang Juni in Bayern stattfindet. Im British Museum wird Merkel anschließend eine Ausstellung besuchen, Titel: „Germany - Memories of a Nation“, Erinnerungen einer Nation. Zu sehen sind Exponate wie der VW Käfer und Gutenbergs Druckerpresse. Eines indes fehlt: das Wahlplakat der Konservativen.

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