Wulff-Affäre

Wulff und Glaeseker distanzieren sich

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Foto: Ex-Bundespräsident Christian Wulff bestreitet, je ein Vertrauensverhältnis zu seinem ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker gehabt zu haben.

Hannover - In den Vernehmungsprotokollen bestreitet Christian Wulff ein Vertrauensverhältnis zu seinem ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker gehabt zu haben. Die Fernsehfrau Edda Kraft widerspricht dieser Darstellung und will dies auch vor Gericht tun. Wulff musste zu den Bestechlichkeitsvorwürfen gegen seinen Ex-Sprecher im Juni als Zeuge aussagen.

Die Distanz zwischen Christian Wulff und seinem ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker wird immer größer. Auch wenn man sich noch hier und da mal trifft, zum Beispiel auf Wulffs Geburtstag im Juni, Tacheles wird woanders geredet – zum Beispiel vor Gericht. Jetzt hat der „Spiegel“ in seiner heutigen Ausgabe Details aus dem Vernehmungsprotokoll der Staatsanwaltschaft Hannover öffentlich gemacht. Darin bestreitet Wulff, überhaupt ein Vertrauensverhältnis zu seinem Sprecher gehabt zu haben. Der ehemalige Bundespräsident musste am 29. Juni zu den Bestechlichkeitsvorwürfen gegen seinen früheren Sprecher als Zeuge aussagen.

Die Ermittler haben offenbar Belege dafür, dass Glaeseker Sponsorengelder für die Promiveranstaltungen namens Nord-Süd-Dialog einwarb und im Gegenzug Gratisurlaube auf dem Anwesen des Veranstalters Manfred Schmidt verbracht habe. Von Glaesekers Urlaubsreisen habe er nichts gewusst, ebenso wenig wie von der Geldbeschaffung. Das sei „gegen meinen Willen gewesen“ so Wulff laut „Spiegel“. Im Januar habe Glaeseker versucht, mit ihm per SMS eine Stellungnahme zu den Urlaubsvorwürfen abzustimmen. Dies habe Wulff abgeblockt – er sei davon ausgegangen, „dass Du bezahlst“, zitiert das Magazin aus dem SMS-Kontakt. Wulff bestreitet, dass er überhaupt gewusst habe, dass sein Sprecher häufig Gast in Schmidt Domizilen gewesen sei. Merkwürdig bleibt allerdings, dass auch Wulffs geschiedene Frau und die gemeinsame Tochter Annalena Zeit auf der Finca von Schmidt in Spanien mit dem Ehepaar Glaeseker verbracht haben.

Wie gut hat man sich denn nun gekannt? Glaeseker habe über ihn alles gewusst, er aber über Glaeseker nicht viel mehr als über andere Mitarbeiter, wird aus der Vernehmung berichtet. Das sieht Edda Kraft, die frühere Unterhaltungschefin bei SAT1, ganz anders. Sie hat sich in der „Bild am Sonntag“ zu Wort gemeldet und springt Glaeseker zur Seite, will sogar als Zeugin für ihn aussagen: Kraft, nach eigenen Angaben seit Langem mit Wulff und seinem ehemaligen Sprecher bekannt, verweist auf die besondere Beziehung zwischen den beiden. Wulff habe Glaeseker zu Recht „100-prozentig vertraut“ – „da gab es keine Geheimnisse“, sagt sie. Auch den Partyveranstalter Schmidt hat Wulff Kraft zufolge persönlich gekannt. „Wenn Wulff behauptet, er hätte von alledem, was Glaeseker gemacht hat, nichts gewusst, dann kann das nicht der Wahrheit entsprechen“, gibt die Fernsehfrau zu Protokoll.

In Regierungskreisen in Hannover schütteln inzwischen viele den Kopf über die Verteidigungslinie Wulffs. Mitarbeiter der Staatskanzlei etwa erinnern sich daran, dass auch Wulff persönlich seinerzeit zur Sponsorenakquise für den Nord-Süd-Dialog beigetragen habe. Er habe an Veranstaltungen teilgenommen, die das Ziel hatten, Geld für die Nord-Süd-Party locker zu machen.

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