Prominente Mütter

Die Wunderfrauen

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Foto: Am 9. Oktober brachte Michelle Hunziker ihren Sohn zur Welt. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, fünf Tage später im Fernsehen aufzutreten.

- Prominente Mütter wie Michelle Hunzikerkehren kurz nach der Geburt zurück ins Rampenlicht – normal ist das nicht.

Vermutlich ist es ein neuer Rekord: Am Mittwoch vergangener Woche wurde Michelle Hunziker nach immerhin 21 Stunden Mutter einer kleinen Tochter, am Sonntag verließ sie das Krankenhaus – und am Montag stand sie bereits wieder vor den Fernsehkameras. Die 36-Jährige trug ein pinkfarbenes Minikleid, das die Reste eines Babybauches geschickt kaschierte, aber ihre schönen Beine, die sie selbstverständlich auf High Heels zeigte, perfekt zur Geltung brachte. Die Fernsehmoderatorin präsentierte ihre wöchentliche Satireshow im italienischen Fernsehen und sah aus wie das blühende Leben.

Das Fernsehstudio liege wie ihr Zuhause in Mailand, erklärte Hunziker, so sei sie nur zwei Stunden von der kleinen Sole getrennt, das würde die gar nicht merken. Die deutschen Medien griffen das Comeback begeistert auf: „Das hat noch keine vor dir geschafft!“, trompetete beispielsweise „Bild.de“. Immerhin: Die „Bunte“ fragte vorsichtig andere prominente Mütter, ob sie Hunzikers Verhalten denn für normal hielten. Monica Ivancans Antwort klang sehr ehrlich: „Es hat zwei Monate gedauert, bis ich mich wieder einigermaßen normal gefühlt habe. Die ersten Tage wollte ich am liebsten nur sitzen oder liegen.“

Wochen, Monate, Jahre – wie lange eine Mutter braucht, um im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Beine zu kommen, sich mit ihrer neuen Rolle anzufreunden und ihr Kind kennenzulernen, ist individuell unterschiedlich. Viele prominente Mütter jedoch leben seit einigen Jahren vor, dass es offenbar vor allem wichtig ist, möglichst schnell zurück ins Rampenlicht zu kehren, selbstverständlich schlank und durchtrainiert – als seien Kuschelwochen mit dem Baby, Schwangerschaftsstreifen, Stillprobleme, Narben und ausgebeulte Bäuche Relikte aus früheren Jahrhunderten. So kehrten die Models Miranda Kerr, Gisele Bündchen und Heidi Klum jeweils nur wenige Monate nach der Entbindung zurück auf die Laufstege. Vor allem die Boulevardmedien begleiten das Phänomen mit dem immergleichen „So schön schlank und sexy wie vor der Geburt!!!“ Auch Herzogin Kate wird gern als vorbildliche junge Mutter gefeiert. So meldete die Deutsche Presse-Agentur gestern: „Fast drei Monate nach der Geburt ihres ersten Kindes ist Herzogin Kate schon wieder gut in Form.“ Die 31-Jährige hatte auf hohen Schuhen mit Keilabsätzen eine Runde Volleyball mitgespielt.

Die Entwicklung ist beunruhigend. Sie gaukelt uns vor, dass Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ein Spaziergang sind. Dass moderne Frauen wie auf Knopfdruck funktionieren und schön sein können und müssen, selbst wenn sie erst kürzlich ein Kind zur Welt gebracht haben. Genauso wie Size-Zero-Schönheiten eine verheerende Wirkung auf junge Mädchen haben können, die sich in die Magersucht hungern, setzen die prominenten Super-Mamas ganz normale Mütter unter Druck. Die britische Psychoanalytikerin Susie Orbach kritisierte im Magazin „Nido“ dann auch die Bilder der superschlanken Model-Mütter: „Die Bilder sind grausam, weil sie verleugnen, dass diese Frauen erst vor kurzer Zeit Mutter geworden sind. Weil sie die Botschaft aussenden: Es ist keine große Sache, ein Kind auf die Welt zu bringen! Niemand verrät einem ja, wie viele Leute beteiligt waren, um so einen Auftritt hinzulegen: Personal Trainer, Visagist, Stylist, Friseur.“

Der "After-Baby-Body" wird zum Trend

Und doch haben diese Bilder Macht. Der Begriff des „After-Baby-Body“ wird längst nicht mehr nur von Models gebraucht. Der mühsam aufpolierte Glanz der Mode- und Filmwelt wird als real missverstanden.Sängerin Shakira zumindest hat die Probleme, die sie nach der Geburt ihres Babys mit dem Abnehmen hatte, thematisiert: „Ich denke, unsere Mütter und Großmütter waren nicht so sehr unter Druck gesetzt wie die Frauen heute.“ Kritische Stimmen finden sich vor allem im Netz. So hat die US-Fotografin, Hausfrau und Mutter Bonnie Crowder vor sieben Jahren die Internetseite Shapeofamother.com ins Leben gerufen. Auf dieser Seite haben seitdem mehr als 2500 Frauen Bilder ihrer von Schwangerschaft und Geburt veränderten Körper veröffentlicht.

Die Bilder zeigen zwar auch einige schlanke Frauen, vor allem aber schonungslos faltige Bäuche und hängende Brüste.Die klare Botschaft: Hallo Mütter, ihr dürft so aussehen, es ist ganz normal! Michelle Hunzikers jüngster Auftritt hat gezeigt, wie sehr auch italienische Mütter und Feministinnen das Thema umtreibt. Zahlreiche Bloggerinnen äußerten sich kritisch über die „Neo-Mama“, die „Wonderwoman“ Hunziker. Mehrere Frauen verlinkten einen „Offenen Brief“, in dem es unter andere, heißt: „Es ist nicht nur nicht normal, direkt nach der Geburt wieder zur Arbeit zu gehen, es ist auch nicht richtig.“

Ein Antwort von Hunziker auf die geballte Mama-Wut gibt es noch nicht. Und aus den USA wird bereits der nächste alarmierende Trend gemeldet: Frauen, die wie Victoria Beckham auch während der Schwangerschaft penibel darauf achten, kein Kilo zu viel zuzunehmen.

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