Kaufhaus FAO Schwarz in New York

Wunderland hat seinen Zauber verloren

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Foto: Abschiedsbild: Kunden vor dem Eingang des Traditionshauses.

New York - Es ist ein bisschen wie vor dem Palast der Königin in London, aber in New York lacht der Soldat und hält sogar die Tür auf: FAO Schwarz ist so etwas wie das Königreich der Kinderträume, der älteste und bekannteste Spielzeugladen der USA, eine Bühne für Hollywood und Touristenmagnet. Nach mehr als 150 Jahren schließt heute dieser Laden.

Es gibt zwar Hoffnung auf einen Neuanfang. Aber erst einmal verliert New York eine Ikone. FAO Schwarz klingt deutsch und noch mehr, wenn man die ersten drei Buchstaben ausspricht: Frederick August Otto Schwarz wurde 1836 in Herford geboren, mit 20 wanderte der Westfale mit seinen drei Brüdern nach Amerika aus. Schwarz verkaufte Bürobedarf und nebenbei ein bisschen Spielzeug - bald war das aus Deutschland importierte Spielzeug viel erfolgreicher. Also eröffnete er einen Spielwarenladen und wurde zum wohlhabenden Mann. 1911 starb er. Deutsches Spielzeug hat im Laden weiter seinen festen Platz.

FAO Schwarz wollte immer etwas besonderes sein. Wer wollte, wurde von einem „Personal Shopper“ begleitet, und Kindergeburtstage der etwas teureren Art konnten auch im Laden stattfinden, inklusive einer reservierten Zeit auf dem übergroßen im Boden eingelassenen Piano. Auf dem sprang schon Tom Hanks 1988 in „Big“ herum und auch Woody Allen nutzte den Laden für eine Szene in „Geliebte Aphrodite“.

Im 20. Jahrhundert mauserte sich FAO Schwarz dann zum Inbegriff des Luxus. Kein Weihnachtsbaum der gehobenen Familien entlang der Fifth Avenue kam ohne ein Geschenk von FAO Schwarz aus. Sich Schwarz für die Kleinen leisten zu können wurde auch zum Status-Symbol.

Seit den Neunzigerjahren kam das Geschäftsmodell jedoch ins Wanken. Der Handel mit Discount-Spielzeug von Wal-Mart oder Toys R US unterwanderte den Markt. Und FAO Schwarz weigerte sich, den Sprung in die digitale Gegenwart zu machen und meldete 2003 Insolvenz an. Die Firma wurde vom Toys R Us Konzern aufgekauft. Jetzt haben die ausufernden Mieten an der Fifth Avenue dem Stammhaus den Rest gegeben.

„Mit FAO Schwarz stirbt auch eine Idee des klassischen New York“, sagte die 60 Jahre alte Joanne Fairman, die gekommen war, um Abschied zu nehmen. So, wie das alte Plaza Hotel gegenüber zum Großteil in Luxuswohnungen umgewandelt wurde, verschwindet an der Südostecke des Central Park nun auch der Zauber von FAO Schwarz. Die verbliebenen Kuscheltiere wandern in eine Lagerhalle, von der aus sie an Onlinekunden verschickt werden. Den Telefonbuch-starken großen FAO-Weihnachtskatalog gibt es ohnehin schon lange nicht mehr.

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