Sturm des Jahrzehnts

„Xaver“ erreicht Norddeutschland

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Foto: Norddeutschland erwartet einen der womöglich schwersten Stürme seit Jahrzehnten.

Hamburg - Das Orkantief „Xaver“ hat die Küsten Norddeutschlands erreicht. Sturmfluten drohen. Für Donnerstag haben die Meteorologen Windstärken bis 12 vorausgesagt. Unterricht und Züge fallen aus, viele Weihnachtsmärkte schließen.

Die ersten Ausläufer des Orkantiefs "Xaver" haben Norddeutschland erreicht. Auf Sylt und an der Westküste Schleswig-Holsteins seien bereits Böen mit Windstärke zehn gemessen worden, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Bei schweren Stürmen der Stärke zehn mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern können Bäume brechen und größere Schäden an Häusern entstehen. Bis zum Abend sollten über Norddeutschland extreme Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern hinwegziehen. Die volle Wucht des Orkantiefs sollte im Laufe des Nachmittags auf die Nordseeküste treffen.

Doch schon vor dem Eintreffen hat Orkantief „Xaver“ den Alltag in den voraussichtlich betroffenen Regionen heftig durcheinandergewirbelt. Am Donnerstag fällt in Niedersachsen und an der Westküste Schleswig-Holsteins an etlichen Schulen der Unterricht aus. Inselfähren stellen ihren Betrieb großteils ein. Die Deutsche Bahn will mit zusätzlichen Mitarbeitern an Bahnhöfen und an Telefonen über die Verkehrslage auf den Strecken informieren. Sturmbedingt könnten Züge ausfallen. In Hamburg werden U-Bahnzüge verlängert und mehr Busse eingesetzt, um zusätzliche Pendler mitnehmen zu können. Weihnachtsmärkte in Hamburg, Kiel und Lübeck bleiben geschlossen.

In Schleswig-Holstein und Hamburg stehen die Feuerwehren auf Abruf bereit. Die Bürger wurden aufgefordert, während des Orkans im Haus zu bleiben und Wälder selbst nach dem Sturm zu meiden. Über eineinhalb Tage soll „Xaver“ Meteorologen zufolge über Norddeutschland toben - und damit länger als „Christian“, der im Oktober für umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer und abgetragene Sandstrände gesorgt hatte. Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wütet der Orkan voraussichtlich in Schleswig-Holstein am stärksten.

Ab Donnerstagnachmittag sei an der Nordseeküste mit Böen der Stärke 12 zu rechnen und im Binnenland mit Stärke 11, sagte der Meteorologe Rüdiger Hartig. An der Nordsee sind laut DWD extrem starke Böen von mehr als 140 Kilometern in der Stunde möglich. An den Küsten könnte es bis einschließlich Freitag zu mehreren schweren Sturmfluten kommen. „Es können drei hintereinander sein“, hieß es beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg. Auch für Mecklenburg-Vorpommern warnte der DWD am Donnerstagmorgen vor vereinzelten Böen von 120 Stundenkilometern.

Wegen der Orkanwarnungen kündigten die Fährbetriebe zu den nordfriesischen Inseln sowie den Halligen im Wattenmeer Behinderungen und Ausfälle an. Der „Sylt Shuttle“ der Bahn schränkt sein Angebot ein. Die Helgoland-Schiffe der Reederei Cassen Eils sollen in Cuxhaven bleiben.

Dem Kieler Verkehrs-Staatssekretär Frank Nägele zufolge ist der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr für den drohenden Orkan gerüstet. Es besteht eine 24-Stunden-Bereitschaft in der Betriebsdienstzentrale in Kiel, außerdem gibt es - über die 26 Meistereien im Land verteilt - 13 örtliche Rufbereitschaften.

dpa

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