Gefährliche Winterzeit

Zahl der Einbrüche in Niedersachsen steigt um 20 Prozent

+
Foto: Die Einbruchszahlen in Niedersachsen sind im vergangenen Jahr um 20 Prozent gestiegen.

Hannover - Türen und Fenster gut verschließen, Licht brennen lassen und den Nachbarn um ein waches Auge bitten - obwohl die Regeln zum Schutz vor Einbruch jeder kennt, steigen die Zahlen in Niedersachsen an. Rücken vermehrt organisierte Banden an oder sind die Bürger unvorsichtig?

Der Schock ist groß und der Schaden oft beträchtlich: Immer häufiger schlagen Einbrecher in Niedersachsen zu, für 2012 rechnet das Innenministerium trotz verstärkter Prävention mit einer Zunahme von knapp über 20 Prozent. Die Dreistigkeit der Täter steigt, und selbst die Anwesenheit der Bewohner hält Einbrecher nicht immer ab, berichtet das Landeskriminalamt. Die allermeisten Einbrecher kommen aus der näheren Umgebung, die Zahl organisierter und auch osteuropäischer Banden steigt aber leicht. Erfolg dennoch für die Polizei: 2012 konnte wieder fast jeder vierte Fall geklärt werden, bundesweit lag die Quote 2011 zuletzt bei gut 16 Prozent.

Die Masche sei immer dieselbe, sagt Polizeisprecher Georg Linke in Osnabrück, wo es ebenfalls ein Plus bei Einbrüchen gibt. „Die Täter suchen sich die schwächste Stelle im Haus und dringen meist durch die Terassentür ein. In der Wohnung durchsuchen sie die Räume in erster Linie nach Bargeld und Schmuck, aber auch nach hochwertigen Elektrogeräten.“ Zuvor wird das Haus ausbaldowert, durch Klingeln oder Anrufen wird geguckt, ob jemand da ist. In der fremden Wohnung halten die Täter sich so kurz wie möglich auf, werden sie ertappt, ergreifen sie die Flucht, Gewalt ist selten.

Einen Anstieg der Einbruchszahlen von 30 Prozent gibt es im Bereich der Polizeidirektion Braunschweig. Ob die Täter ihre Herangehensweise geändert hätten, lasse sich noch nicht sagen, meint Polizeisprecher Rainer Raschke. Spürbar mehr Fälle als im vorherigen Winter registrierte auch die hannoversche Polizei. In jüngster Zeit hätten sich Zeugenhinweise auf südosteuropäisch aussehende Frauen gehäuft, die in Kleingruppen auftreten, sagt Polizeisprecherin Tanja Rißland. Im Dezember und Januar konnten weibliche Trios aufgrund von Hinweisen festgenommen und überführt werden.

Erfolgreich waren auch die Fahnder im Kreis Aurich, die 2012 eine Serie von 150 Einbrüchen aufklärten. Drei Männer hatten fast ein Jahr lang Wohnungen in Norden und Wiesmoor aufgebrochen, sagt Polizeisprecherin Sabine Kahmann. Auch in den vergangenen Wochen waren wieder Täter in dem Gebiet aktiv. „Wir haben ein gezieltes Präventionsprogramm aufgelegt und informieren mit Ständen im Kreisgebiet, etwa in Aurich, Wittmund, Norden und Wiesmoor“, sagt Kahmann. Im Winter steige die Zahl deutlich an, weil viele Einbrecher bei unbeleuchteten Wohnungen leichte Beute witterten. „Licht anlassen, etwa mit Hilfe der Nachbarn“, rät Kahmann.

Polizei weitet Präventionsangebote aus

Die Präventionsangebote der Polizei kommen an, weiß Osnabrücks Polizeisprecher Linke. „Wir haben einen Kollegen, der auch zu den Leuten rausfährt und sich die Situation ansieht und Ratschläge gibt. Für den gibt es eine Warteliste, und die ist sehr lang.“ Die Tipps zum Schutz vor Einbrüchen werden auch bei der Polizeidirektion Braunschweig von immer mehr Bürgern in Anspruch genommen, sagt Sprecher Rasche.

Im Herbst hatte das Innenministerium angesichts der steigenden Einbruchszahlen bereits eine Kampagne gestartet. Vermehrt wurden Beamte – unterstützt von Kollegen der Bereitschaftspolizei – in Wohnviertel geschickt, um Streife zu gehen und die Bevölkerung zu sensibilisieren. Dabei sind die steigenden Fallzahlen kein rein niedersächsisches Phänomen, in anderen Bundesländern gab es teils schon früher einen Zuwachs.

Bezahlt zu machen scheint sich die vorbeugende Arbeit der Polizei in Bremen. „Die Einbruchszahlen sind so niedrig wie seit sechs Jahren nicht mehr“, sagt Sprecherin Kirsten Dambek. „Wir kontrollieren gezielt Verdächtige.“ Auch auf die Hilfe der Bürger setzen die Bremer Ermittler - genauer gesagt auf Taxifahrer, Zeitungsausträger, Straßenreinigung und Mitarbeiter anderer Betriebe, die viel unterwegs sind. Sie alle bat die Polizei darum, die Augen offen zu halten und Verdächtiges sofort zu melden. „Es gab tatsächlich mehr Anrufe.“

Keinen Erfolg hatte indes in Bremen der Einsatz künstlicher DNA. Das Aufsprühen von unsichtbaren Flüssigkeiten auf Wertgegenstände, um diese bei einem Diebstahl einwandfrei dem Besitzer zuzuordnen, habe die Zahl der Einbrüche nicht gesenkt, stellte die Polizei im Sommer nach einem dreijährigen Pilotprojekt fest.

dpa/mhu

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare