Funke-Prozess

Zeuge sagt gegen Ex-Bundesminister aus

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Foto: Ein Zeuge hat gegen den ehemaligen Landwirtschaftsminister Funke ausgesagt.

Oldenburg - Beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband wussten offenbar mehrere Mitarbeiter, dass der Verband die Silberhochzeit des früheren Landwirtschaftsministers Karl-Heinz Funke bezahlte. Bei der Feier sei darüber gesprochen worden, sagte eine Zeugin.

Im Untreue-Prozess gegen den ehemaligen Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke hat ein Zeuge die Kostenübernahme für dessen Silberhochzeitsfeier durch den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) als normalen Vorgang bezeichnet. „Für mich war das in Ordnung“, sagte der 46 Jahre alte Mann am Donnerstag. Er ist seit 2003 beim OOWV beschäftigt und hatte als Revisor die Konten überprüft.

Dabei sei ihm der glatte Rechnungsbetrag aufgefallen, sagte er. Der mitangeklagte Geschäftsführer habe ihm erklärt, dass dies der OOWV-Anteil an den Kosten der Feier sei. Funke war mehrere Jahre Vorsteher des OOWV. Während seiner ehrenamtlichen Amtszeit hatte er sich 2007 seine Silberhochzeitsfeier mit 8000 Euro vom Verband bezahlen lassen.

Auch die Sekretärin der OOWV-Geschäftsleitung wusste von der Kostenübernahme. Auf der Silberhochzeitsfeier habe der Geschäftsführer darüber gesprochen, sagte die 38 Jahre alte Zeugin, die seit Juli 2000 beim Wasserverband angestellt ist. Die Rechnung sollte direkt an die Geschäftsleitung gehen, darum habe sie noch auf der Feier eine Visitenkarte an die Wirtin gegeben. Sie habe den Beleg nach Abzeichnung vom Geschäftsführer direkt in die Finanzbuchhaltung gebracht. Dass es mit der Rechnung Probleme gab, habe sie erst Ende 2009 auf dem Verbandstag erfahren.

Funke muss sich wegen Untreue in zwei, der frühere Geschäftsführer in drei Fällen verantworten. So sollen sie gemeinsam das Jahresgehalt des Geschäftsführers ohne Vorstandsbeschluss auf 270.000 Euro brutto erhöht haben. Im dritten Vorwurf geht es um Sonder- und leistungsorientierte Bonuszahlungen in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro. Die OOWV-Mitarbeiter beriefen sich im Zeugenstand immer wieder auf Erinnerungslücken oder sagten: „Damit habe ich nichts zu tun gehabt.“

Der Prozess wird am Freitag mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Nach den Plänen des Gerichts sollen Anfang August die Urteile gesprochen werden.

dpa

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