Prozess um Sportstar

Zeugin widerspricht Oscar Pistorius' Aussage

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Der beinamputierter Sportstar Oscar Pistorius (r.) bespricht sich mit seinem Anwalt Barry Roux.

Pretoria - Vor einem Jahr und 17 Tagen starb das blonde Model Reeva Steenkamp. Nun steht der Sportstar Oscar Pistorius wegen Mordes vor Gericht. Der Saal ist brechend voll. Steenkamps Mutter sitzt in der ersten Reihe.

Südafrikas beinamputierter Sportstar Oscar Pistorius ist gleich zu Beginn seines Mordprozesses in die Klemme geraten: Die erste Zeugin widersprach am Montag Pistorius' Schilderung vom gewaltsamen Tod seiner Freundin Reeva Steenkamp am Valentinstag vor einem Jahr. Der 27-Jährige selbst bezeichnete sich vor dem Gericht in Pretoria als „nicht schuldig“ im Sinne der Mordanklage. Staatsanwalt Gerrie Nel hingegen betonte, Indizien und Zeugen würden klar die Schuld des südafrikanischen Paralympics-Stars belegen.

Pistorius' Nachbarin Michelle Burger sagte, sie habe in der Tatnacht zunächst Schreie eines Mannes, dann einer Frau und danach Schüsse gehört. „Sie schrie furchtbar und rief um Hilfe“, berichtete Burger. Sie habe den Eindruck gehabt, dass sich die Frau in Lebensgefahr befunden habe. Zwischen den Schüssen später habe es eine größere Pause gegeben. Die Nacht sei „sehr traumatisch“ gewesen.

Pistorius will in Tatnacht keinen Streit gehabt haben

Die Wirtschaftsprofessorin schwächte ihre Schilderung auch in einem zweistündigen Kreuzverhör des Pistorius-Verteidigers Barry Roux nicht ab. Sie sagte, sie habe zunächst an einen Überfall im Haus des berühmten Nachbarn geglaubt. Burgers Haus liegt nach Unterlagen der Polizei 177 Meter vom Domizil des Angeklagten entfernt.

Pistorius hatte bisher stets behauptet, er habe in der Tatnacht am 14. Februar 2013 keinen Streit mit seiner Freundin Steenkamp gehabt. Auch will er die Schüsse kurz hintereinander abgefeuert haben. Als er durch die geschlossene Badezimmertür schoss, habe er dahinter einen Einbrecher vermutet - nicht das blonde Mannequin.

Wie zur Mordanklage erklärte der Paralympics-Star auch zum Vorwurf, er habe gegen das Waffengesetz verstoßen, er sei „nicht schuldig“. Sein Co-Verteidiger Kenny Oldwage verlas eine Erklärung, in der Pistorius seine Unschuld beteuert und die Schilderungen der Anklage als unwahr bezeichnet: „Sie könnten nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein.“

Mutter des Opfers traf erstmals auf Angeklagten

Zuvor hatte Staatsanwalt Nel den 27-Jährigen des vorsätzlichen Mordes an dem Model Steenkamp beschuldigt. Der behinderte Profisportler habe seine Freundin mit Absicht und gezielt erschossen, sagte Nel.

Im voll besetzten Gerichtssaal saßen viele Verwandte und Freunde des Angeklagten und des Opfers. Erstmals überhaupt traf dabei die Mutter des Opfers, Jane Steenkamp, auf den Angeklagten. Die 67-Jährige saß schwarz gekleidet in der ersten Reihe. Sie hatte in einem Interview betont, sie wolle „Pistorius in die Augen sehen“. Als Pistorius den Saal betrat, schaute er meist zu Boden, wirkte ernst und bedrückt.

Der Prozess ist auf zunächst 15 Verhandlungstage angesetzt. Erstmals übertragen mehrere südafrikanische Fernsehsender dabei ein Verfahren live aus dem Gerichtssaal. 300 Journalisten aus dem In- und Ausland hatten sich angesagt. Im Gerichtssaal waren 80 zugelassene Reporter.

Die Verhandlung unter dem Vorsitz der Richterin Thokozile Masipa begann nach Gerichtsangaben wegen der Abwesenheit eines Übersetzers mit 90 Minuten Verspätung. Zudem soll eine Frau versucht haben, dem Gericht neues Entlastungsmaterial über Pistorius zu übergeben.

dpa

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