Handwerker am Südpol

Zwei Bocholter pinseln für Indien

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Markus Kupka liegt vor einer Kolonie Pinguine in der Antarktis. Der Bocholter arbeitet dort zusammen mit Stefan Sikora als Handwerker.

Bocholt - Die indische Regierung baut eine Forschungsstadion in der Antarktis. Mit dabei sind zwei Handwerker aus Nordrhein-Westfalen.

Was sie machen, ist nicht ganz so spannend. Wo sie es tun, dafür umso mehr:Die Maler Markus Kupka und Stefan Sikora aus dem münsterländischen Bocholt streichen Wände - in der Antarktis. Wer mit den beiden Handwerkern sprechen will, muss ein Satelliten-Telefon anrufen. Die beiden helfen als Maler beim Aufbau einer Forschungsstation für die indische Regierung.

Für Markus Kupka (29) ist es bereits die zweite Saison im ewigen Eis. Seit 2011 bauen deutsche Firmen und kleinere Subunternehmer für die indische Regierung die Forschungsstadion Bharati. Die liegt auf den Larsemann Hills an der Ostküste. Beim zweiten Trip im Dezember 2012 ging auch Stefan Sikora (49) mit in den kalten Süden. Wobei es auf der Südhalbkugel der Erde jetzt Sommer ist. Da posieren die beiden auch schon mal im T-Shirt vor der Kamera. Die Verwandtschaft im fernen Bocholt soll sich ruhig wundern.

Das Wetter in der Antarktis ist derzeit eh nicht das Problem. Eher der Zeitvertreib. „Wir arbeiten von 7 bis 19 Uhr und haben zwischendurch zwei Stunden Pause“, sagt Stefan Sikora am Telefon der Nachrichtenagentur dpa. Viele Aktivitäten in der Freizeit seien da nicht möglich. Und wenn, dürfen die Männer das Camp nur in Absprache und ausdrücklicher Abmeldung verlassen. „Mit Hubschrauber ging es einmal zu einer Brutkolonie von Pinguinen. Das war schon faszinierend“, erzählt Sikora.

Kein Ort der Erde hat ein raueres Klima als die Antarktis. Mit rund 14 Millionen Quadratkilometern Fläche ist der zu 98 Prozent von Eis bedeckte Antarktische Kontinent größer als Europa. Das Eis ist stellenweise mehr als vier Kilometer dick. Darüber toben oft Stürme mit Windgeschwindigkeiten von über 200, mitunter 300 Stundenkilometern. Als Kälterekord wurden im September 1983 minus 89,2 Grad gemessen.

Beide Männer hat es aus Abenteuer-Lust an diesen ungewöhnlichen Arbeitsplatz gezogen. Über mehrere Ecken landete der Auftrag bei Sikoras Bruder Albrecht, der in Bocholt einen Malerbetrieb hat. „Diese Gelegenheit konnten wir uns nicht entgehen lassen. Wann hat man sonst die Chance, in die Antarktis zu reisen?“, schwärmt Sikora. Der Witwer hat sich im vergangenen Jahr neu verliebt. Seine Freundin war nicht ganz so begeistert, Weihnachten und Silvester ohne ihn im Münsterland verbringen zu müssen.

Die beiden Münsterländer feierten trotzdem in großer Runde. Die indischen Gastgeber hatten zur Silvester-Party geladen. „Es war sehr ungewöhnlich, denn um Mitternacht war es taghell“, sagt Sikora. Bei den Kochkünsten aber war deutsches Können gefragt. Ein Koch aus Hamburg zauberte das feierliche Abendessen.

Völkerrechtlich gesehen ist die Antarktis Niemandsland, als einziger Kontinent wurde sie nie dauerhaft von Menschen besiedelt. An den Küsten leben Wale, Pinguine, Robben, Albatrosse und Möwen. Wegen seines weltweit einzigartigen Ökosystems steht das Gebiet am Südpol unter besonderem Schutz.

Die Rückkehr von Kupka und Sikora ist für Ende Januar geplant. Dann beginnt auch die Sonne wieder, für kurze Zeit unterzugehen. Es könnte aber sein, dass die beiden noch ein paar Tage länger im Eis bleiben. Zwischen Kapstadt und der Antarktis transportieren zwei Propeller-Maschinen die Arbeiter hin und her. Bei einer Landung in einer Schneeverwehung ist eine der Maschinen allerdings beschädigt worden. Das bringt jetzt die Planung durcheinander, weil die Kapazitäten nicht mehr reichen.

Wenn über den Luftweg nichts mehr geht, ist das Schiff eine Alternative. Das braucht allerdings bis Kapstadt in Südafrika vier bis fünf Wochen. Finanziell wäre das für die beiden kein Problem. Laut Auskunft von Bruder Albrecht in der Heimat werden die Handwerker auch für diese Zeit bezahlt.

dpa

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