Nach Misshandlung

Zwei Jahre Haft auf Bewährung für Eltern

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Die Angeklagte Edeltraud W. im Landgericht Hildesheim in einem Verhandlungsraum.

Hildesheim - Eine geistig behinderte Frau war grausam entstellt worden, weil ihre Eltern sie nicht zum Arzt gebracht hatten. Das Landgericht Hildesheim hat nun die Eltern zu einer auf Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe verurteilt.

Ein Hinweis von Verwandten hatte den Fall aufgedeckt: Eltern brachten ihre geistig behinderte, an einer Gesichtskrankheit leidende Tochter nicht zum Arzt. Ihr Gesicht wurde deswegen grausam entstellt. Das Landgericht Hildesheim verurteilte das Ehepaar aus dem Landkreis Gifhorn am Montag zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, die auf drei Jahre Bewährung ausgesetzt wurde. Die Richter folgten damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Die 62-jährige Mutter und der 67 Jahre alte Vater waren wegen schwerer Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen angeklagt. Es hatte der heute 32 Jahre alten Tochter seit 2006 eine ärztliche Behandlung verweigert und die Frau laienhaft selbst versorgt. „Das Gesicht wirkte wie weggefressen. Es ist unfassbar, was mit Ihrer Tochter geschehen ist“, sagte Richterin Karin Brönstrup in ihrer Urteilsbegründung.

„Sie waren hilflos und überfordert und haben lieber verdrängt“, sagte die Richterin zu den Eltern, die ansonsten ihre Tochter liebevoll versorgt hätten. Zu Lasten des Ehepaares wurden die schweren Folgen für die Tochter gewertet. Bei rechtzeitiger ärztlicher Behandlung wäre ihr Gesicht nicht entstellt worden. Mehrere plastische Operationen hatten nicht mehr richtig helfen können.

Die verhängte Geldstrafe von insgesamt 7200 Euro soll der Tochter zur Verfügung gestellt werden. „Das Geld tut ihnen weh, aber sie brauchen eine spürbare Strafe“, sagte die Richterin.

Die Verteidigung nannte das Urteil eine Entscheidung mit Augenmaß und verzichtete wie die Staatsanwaltschaft auf die Einlegung von Rechtsmitteln.

dpa/kas

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