Entschädigung für Familien

Zwei Millionen Euro wegen vertauschter Babys

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Manon Serrano (rechts) und ihre Mutter Sophie verlassen das Gerichtsgebäude in Grasse.

- Gut 20 Jahre nach der Vertauschung von zwei Babys in Frankreich sollen die betroffenen Familien insgesamt knapp zwei Millionen Euro Entschädigung erhalten. Das hat ein Gericht im südfranzösischen Grasse entschieden. Die Familien hatten mehr als zwölf Millionen Euro Schadensersatz verlangt.

Weil ihre Babys vor 20 Jahren kurz nach der Geburt in einer Klinik vertauscht wurden, ist zwei Familien in Südfrankreich fast zwei Millionen Euro Schadenersatz zugesprochen worden. Ein Gericht in Grasse urteilte am Dienstag nach Angaben aus informierten Kreisen, die Klinik und ein Versicherungsunternehmen müssten den Familien 1,88 Millionen Euro zahlen. Die beiden Familien hatten im Dezember bei einer Gerichtsverhandlung hinter verschlossenen Türen mehr als zwölf Millionen Euro verlangt - eine für das französische Justizsystem astronomische Summe.

Die tragische Verwechslung der beiden Babys ereignete sich im Juli 1994: In einer Klinik in Cannes brachte Sophie Serrano damals ihre Tochter Manon zur Welt. Wegen einer Gelbsucht kam das Baby in einen Brutkasten, in dem ein weiteres Mädchen ebenfalls mit Gelbsucht behandelt wurde. Eine Krankenpflegerin vertauschte dann die beiden Babys. Obwohl die Mütter sofort Zweifel äußerten, insbesondere wegen der Länge der Haare, wurden sie mit dem Hinweis beruhigt, das liege an den Wärmelampen im Brutkasten.

Zehn Jahre später verlangte der Vater von Manon dann einen Vaterschaftstest, weil er wegen der fehlenden Ähnlichkeit und dem dunklen Teint seiner Tochter nach wie vor Zweifel hatte. Bei dem DNA-Test stellte sich heraus, dass auch Sophie Serrano nicht die biologische Mutter ist. Nachforschungen ergaben, dass die andere Familie, die anonym bleiben will, nicht weit entfernt wohnte. Die Paare trafen ihre leiblichen Kinder dann erstmals im Alter von zehn Jahren. Sie entschieden sich dagegen, die Kinder zu tauschen.

Eine Strafanzeige in der Folge hatte keinen Erfolg, deswegen unternahmen die Familien zivilrechtliche Schritte. Das Gericht in Grasse sprach den Familien nun 400.000 Euro Schadenersatz für jedes der vertauschten Mädchen zu, jeweils 300.000 Euro für drei der betroffenen Eltern sowie 60.000 Euro für jedes der insgesamt drei der Geschwister der Mädchen. Die Verwechslung von Babys kommt äußerst selten vor. In Frankreich wie in anderen Ländern bekommen die Babys nach der Geburt kleine Armbänder zur Identifizierung.

dpa/afp

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