Nach Flugzeugabsturz in Frankreich

Zwei Niedersachsen an Bord des Unglücksfluges

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Foto: Flaggen der Lufthansa und deren Tochter Germanwings wehen auf Halbmast.

Paris - Seit dem Morgen werden die Bergungsarbeiten an der Absturzstelle des Germanwings-Flugzeuges fortgesetzt. An Bord der in Südfrankreich abgestürzten Maschine waren laut Innenministerium mindestens zwei Menschen aus Niedersachsen.

  1. Mindestens zwei Menschen aus Niedersachsen waren an Bord der Unglücksmaschine
  2. Einzelne Germanwings-Flüge fallen am Mittwoch aus
  3. Ein Flugschreiber des Flugzeuges, der am Dienstag gefunden wurde, ist beschädigt

Der Lufthansa-Konzern hat seine Mitarbeiter aufgerufen, am Mittwoch um 10.53 Uhr mit einer Schweigeminute der Opfer des Germanwings-Absturzes zu gedenken.Zu dieser Uhrzeit war am Vortag der Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings mit 150 Menschen anBord in den französischen Alpen verunglückt. Im Anschluss an die weltweite Schweigeminute will Lufthansa-Chef Carsten Spohr in der Frankfurter Firmenzentrale ein Medienstatement abgeben.

Zwei Niedersachsen an Bord der Maschine

Mindestens zwei Menschen aus Niedersachsen sind an Bord der Maschine vom Typ Airbus 320 gewesen. Dies teilte ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums am Mittwochmorgen unter Berufung auf vorläufige Erkenntnisse des Bundeskriminalamtes mit. Ein 27 Jahre alter Mann kommt aus der Grafschaft Bentheim, ein 28-jähriger aus dem emsländischen Lingen. Die zwei jungen Männer gelten als vermisst. Die Freunde waren nach Angaben der Grafschafter Nachrichten für das Fußballspiel FC Barcelona gegen Real Madrid nach Barcelona gereist und wollten am Dienstag zurückkehren. Von den beiden Männern gebe es kein Lebenszeichen.

Französische Staatsanwaltschaft ermittelt

Unterdessen hat die französische Justiz Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung aufgenommen. „Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass dieser schnelle Höhenverlust des Flugzeugs für den Augenblick unerklärt bleibt“, sagte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, dem Fernsehsender BFM TV. Um 11 Uhr will sich Robin bei einer Pressekonferenz äußern.

Flugschreiber offenbar beschädigt

Der erste gefundene Flugschreiber der in Frankreich abgestürzten Germanwings-Maschine ist beschädigt. Das Gerät sei „beschädigt, aber verwertbar“, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve dem Sender RTL. Nähere Informationen über die Beschädigung gab es zunächst nicht. Bei dem gefundenen Flugschreiber soll es sich um den Cockpit Voice Recorder (CVR) handeln, der Geräusche und Gespräche im Cockpit aufzeichnet. Nach der zweiten Blackbox wird noch an der Absturzstelle gesucht.

Einsatzkräfte setzen Arbeit fort

Nach dem Flugzeug-Absturz in den französischen Alpen haben die Einsatzkräfte am frühen Mittwochmorgen ihre Arbeit an der schwer zugänglichen Unglücksstelle wieder aufgenommen. Über die Ursachen für eine der schwersten Katastrophen in der deutschen Luftfahrtgeschichte mit 150 Toten ist zunächst auch weiterhin nichts bekannt.

Angela Merkel und Hannelore Kraft reisen zum Unglücksort

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird für 14 Uhr am Ort des Absturzes erwartet und will dort den spanischen Regierungschef Mariano Rajoy und Frankreichs Präsident François Hollande treffen.

Neben den wohl 67 deutschen Opfern waren auch Passagiere aus Spanien, Großbritannien, Dänemark, Australien, Israel, Mexiko, Kolumbien, Argentinien und Japan an Bord. US-Präsident Barack Obama und Papst Franziskus drückten den Angehörigen ihr Beileid aus. Beileidsbekundungen kamen auch aus zahlreichen anderen Ländern.

In dem 1200-Einwohner-Ort Seyne-les-Alpes trafen am Dienstag neben den Rettungskräften auch zahlreiche Journalisten vor allem aus Deutschland und Spanien ein. Mehr als 300 Polizisten und 380 Feuerwehrleute seien im Einsatz, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch. Zwischen 5.30und 6.00 Uhr sollten 30 Mitglieder einer Gebirgsstaffel der Polizei mit dem Hubschrauber in dem zerklüfteten Tal, in dem die Flugzeugtrümmer liegen, abgesetzt werden. Ein rund 65 Mann starker Bergungstrupp brach zu Fuß in das unwegsame Gebiet an der Absturzstelle auf. Sie sollten bei Regen und Temperaturen von rund fünf Grad in der Bergregion campieren.

Ein Flug bei Germanwings am Mittwoch gestrichen

Am Tag nach dem schwersten Flugzeugunglück ihrer Geschichte hält die Fluggesellschaft Germanwings nur mit Mühe ihren Flugplan aufrecht. Weil sich einige Crews wegen ihrer emotionalen Betroffenheit nicht flugfähig fühlten, setzt die Airline an diesem Mittwoch elf Flugzeuge anderer Gesellschaften für etwa 40 Flüge ein.Die Jets kommen von der Konzernmutter Lufthansa, der Tuifly sowie der AirBerlin, teilte das Unternehmen inKöln mit. Es müsse daher nur ein Flug gestrichen werden. Für die Mitarbeiter, die teils gute Freunde verloren haben, zeigte die Airlien Verständnis.

Behörden wollen Schaulustige fernhalten

Die Behörden befürchten schwierige Bergungs- und Ermittlungsarbeiten. „Man muss vermeiden, dass wichtige Indizien zerstört werden“, sagte ein Sprecher des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve und betonte, es sei wichtig, Schaulustige fernzuhalten. „Man muss auch eine Art morbiden, makaberen Tourismus vermeiden“, sagte er.

Weiter Rätsel um Absturzursache

Erklärungen für den Absturz des Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings, der auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf war, fehlten noch immer. Lufthansa-Chef Carsten Spohr schloss einen Zusammenhang zwischen der Reparatur des Flugzeuges am Tag zuvor und dem Absturz aus. Dabei sei es nur um die Geräuschbelastung gegangen, nichts Sicherheitsrelevantes. „Das Flugzeug war in hervorragendem technischen Zustand“, sagte Spohr am Dienstag in Frankfurt/Main.

Nach Angaben der französischen Behörden hatte die Flugüberwachung kurz vor dem Crash noch vergeblich versucht, Kontakt zu den Piloten aufzunehmen. Erste Informationen zum Ablauf des Unglücks erwarten die Ermittler von einem Flugschreiber, der bereits geborgen wurde. Unklar blieb zunächst, ob der Flight Data Recorder (FDR) oder der Cockpit Voice Recorder (CVR) geborgen wurde. Das erste Gerät zeichnet technische Daten zum Flug auf, das zweite registriert Geräusche in der Pilotenkabine.

dpa

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