Bergrettung

Zwei Sachsen harren zwei Tage im Schneetreiben aus

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Foto: Die beiden Schneewanderer aus Sachsen hatten wegen starken Schneefalls und hoher Lawinengefahr seit Freitag in einer Not-Hütte unterhalb des Wildalmkirchls im Salzburger Pinzgau auf 2457 Metern Höhe ausharren müssen.

Wien/Salzburg - Tagelang waren zwei Sachsen im Schneetreiben in einer Not-Hütte in den österreichischen Bergen eingeschlossen. Mit einem Kocher schmolzen sie Schnee zum Trinken. Nach der Rettung gab's ein Bier.

Bergretter haben zwei tagelang bei starkem Schneetreiben festsitzende Sachsen aus einer Not-Unterkunft in den österreichischen Alpen befreit. Ein Hubschrauber habe die beiden 20-jährigen Schneeschuhwanderer aus dem Großraum Chemnitz am Dienstagmorgen sicher ins Tal gebracht, sagte eine Sprecherin der Polizei Saalfelden. „Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut.“

Am Nachmittag waren sie bereits wieder auf dem Weg in ihre Heimat. „Ich bin unendlich erleichtert und den Rettern so dankbar“, sagte die Mutter einer der Männer, die ihren Namen nicht genannt haben wollte.

Die beiden Studenten aus Freiberg hatten wegen starken Schneefalls und hoher Lawinengefahr seit Freitag in einer Not-Hütte unterhalb des Wildalmkirchls im Salzburger Pinzgau auf 2457 Metern Höhe ausharren müssen. Die Einsatzkräfte konnten zunächst nichts für sie tun: Schlechte Sicht machte einen Hubschrauberflug unmöglich, ein stundenlanger Aufstieg mit Skiern war wegen Lawinengefahr zu riskant.

In der Hütte gab es zwar keine Heizung, aber Schlafmöglichkeiten und einen Kocher, um Schnee zu schmelzen. Nur das Essen ging nach einem Tag aus.

„Auf der Hütte gab es Bücher. Ich habe ein dickes Buch von Dan Brown gelesen, ich hatte ein Schachspiel mit, und es gab Spielkarten“, sagte der gerettete Tim Lutz dem ORF. „Angst hatte ich in der Hütte nicht, aber am Weg zur Hütte schon - wegen Lawinen“. Der andere gerettete Student, Tom Starke, sagte im ORF-Fernsehen, es sei kalt gewesen, aber er habe keine Angst gehabt.

„Sie sind hungrig, aber denen fehlt nichts“, sagte der Leiter der Bergrettung Saalfelden, Bernd Tritscher, nach der Bergung. „Wir haben ihnen erstmal ein warmes Essen und ein Bier spendiert.“ Dann sei es ihnen wieder so gut gegangen, dass die Retter sie nach einer Befragung bei der Polizei zu ihrem Auto nach Hinterthal brachten. Denn die beiden Studenten wollten so schnell wie möglich wieder nach Hause: „Sie haben morgen wieder Vorlesung.“

Mit einem Blick in den Wetterbericht wäre die ganze Aktion aus Sicht der Retter vermeidbar gewesen. Denn seit Tagen wird in weiten Teilen Österreichs vor hoher Lawinengefahr und schlechtem Wetter gewarnt. Doch die Deutschen checkten zuletzt vor einer Woche noch in ihrer Heimat das Wetter und nicht mehr vor dem Start: „Wir sind bei Lawinenwarnstufe zwei losgegangen und mit Aussicht auf gutes Wetter. Die Nachricht über den Schlechtwettereinbruch kam zu spät, das ist blöd gelaufen“, gab Lutz zu.

Am Freitag flüchteten sie vor dem Schlechtwetter in die Hütte und alarmierten am Samstagmorgen die Einsatzkräfte. Die Retter hatten mit den Männern immer wieder per Handy Kontakt und forderten sie am Montag auf, mit ihren Schneeschuhen einen Landeplatz für den Hubschrauber in den Schnee zu stampfen. Seit Freitag waren nach Angaben von Tritscher mehr als anderthalb Meter Neuschnee gefallen.Am Dienstag ließ das Wetter dann endlich einen Flug zu: Um 9 Uhr startete der Hubschrauber von Salzburg aus und flog direkt zu den Studenten. Sie hatten bereits gepackt und wiesen den Piloten nach telefonischer Kurzanleitung ein.

Kosten kommen nach ihrem Bergabenteuer keine auf sie zu: „Den Hubschrauberflug zahlt das Innenministerium und damit der österreichische Steuerzahler“, sagte Tritscher. Bei der schlechten Tourenplanung hat der erfahrene Retter Nachsicht: „Das war halt jugendlicher Leichtsinn - es ist ja Gott sei Dank alles gutgegangen.“

dpa

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